Mittwoch, 24. August 2011

Kurzgeschichte - Rohfassung

Update 25.08.: Die Geschichte hat jetzt auch einen Namen: Ausbruch. Kurz, prägnant, zweideutig. Das Team bricht während des Ausbruchs einer Seuche aus. Wahnsinn, oder? So originell. :)

Auf Arbeit wurde ein Wettbewerb ausgerufen, bei dem es gilt, eine Kurzgeschichte zum Thema "Teamerfahrung" abzuliefern. Fiktionale Themen wurden explizit nicht ausgeschlossen. Dafür soll die Geschichte humorvoll sein. Naja.
Auf jeden Fall hab ich mir meine eigenen Gedanken zum Thema "Teamerfahrung" gemacht und die in eine Kurzgeschichte gepackt, die mir dann aber doch zu lang geraten ist. 5000 Zeichen waren vorgegeben, auch ohne Leerzeichen bin ich schon bei 6000. Da werd ich noch die Schere ansetzen müssen. Humor ist jetzt an sich auch keiner drin und im Zuge des Schnitts werd ich noch ein paar Veränderungen vornehmen, auch was Sprache und Ausdruck angeht. Die endgültige Version wird hier auch nicht veröffentlicht, weil eben für internen Gebrauch, aber für alle Interessierten hier die Rohfassung. Gern gesehen sind auch Kommentare, wo man kürzen könnte. Oder ein alternatives Ende. Das aktuelle gefällt mir noch nicht so, aber 5000 Zeichen... Dafür müsste ich mich kurz fassen und das ist keine Stärke von mir. Wie auch immer.
Ausbruch
Als der Strom ausfiel, dachte noch niemand an etwas Böses. Stromausfälle waren der schlampigen Technik des Gebäudes geschuldet, in dem wir uns seit geraumer Zeit aufhielten. Auch als auf den Straßen erste Tumulte ausbrachen, waren wir noch guter Dinge. Ein Kollege scherzte noch darüber, dass die Hitze die Menschen verrückt machen würde. Wir lachten. So lange, bis ein gellender Gänsehaut verursachender Schrei über den Flur drang. Das Lachen verstummte.
Weitere Schreie folgten. Aus den Tumulten auf der Straße war ein Massaker geworden. Menschen fielen übereinander her und rissen ihre Opfer zu Boden. Was danach kam, war am ehesten als Kannibalismus zu beschreiben. Sie zogen ihren Opfern das Fleisch von den Knochen und schlangen es wie Raubtiere hinunter. Sie rissen und zerrten an ihnen, bis sie sich nicht mehr bewegten. Erst dann ließen sie von ihnen ab und sie in ihrem Blut liegen.
Doch schon kurz darauf erhoben sie sich wieder und machten ihrerseits Jagd auf die Lebenden. Es war still. Niemand wagte zu sprechen und alle starrten wie gebannt auf das, was sich unter uns abspielte. Aus dem Grund merkte auch keiner von uns, wie sich die Tür zum Meetingraum öffnete. Erst, als die Tür zurück ins Schloss fiel, riskierten einige von uns einen  Blick und wünschten sich im nächsten Moment, sie hätten es nicht getan.
In der Tür stand eine der für die Meetingräume verantwortlichen Damen, oder das, was von ihr übrig war. Ihr Fleisch hing in Streifen an ihrem Arm herunter, ihre linke Gesichtshälfte zeigte den blanken, darunter liegenden Schädel und das Auge hing an einem dünnen Strang aus Muskeln und Sehnen. Ein Fetzen blutiges Fleisch ragte aus ihrem halb offen daliegenden Mund und blutende Wunden am ganzen Körper hinterließen auf dem Boden eine rote Blutspur.
Langsam kam sie auf uns zu und näherte sich dem Kollegen, der der Tür am nächsten saß. Mit aufgerissenen Augen und starr vor Angst, sah er die Kreatur auf sich zu schlurfen. Alle hielten die Luft an. Niemand bewegte sich. Die Frau näherte sich weiter ihrem Opfer. Es war eine Kollegin, die schließlich ihren Mut zusammennahm und einen spitzen Schrei ausstoßend aufsprang und mit einem Stuhl die Kreatur von dem Kollegen wegstieß.
Ausgerechnet Angelika, stets der Ruhepol im Team und als eher zurückhaltend bekannt, löste die Starre und wir sprangen auf, packten die Frau an den Armen und zogen sie in eine Ecke. Mit ihren Zähnen schnappte sie nach uns, verfehlte uns aber. Zwei weitere Kollegen brachten einen weiteren Stuhl und konnten sie am Ende so fixieren, dass sie sich nicht weiter bewegen konnte. Der Bann war gebrochen.
Wir berieten unser weiteres Vorgehen. Während ein Teil des Teams über die Mobiltelefone erfolglos die bekannten Notrufnummern anwählte, versuchte der Rest Familie und Bekannte zu erreichen. Statt eines Freizeichens erhielten die Anrufer aber nur Störgeräusche. Die Netze waren ausgefallen oder überlastet. Wir wussten es nicht. Wir wussten aber, dass wir nur als Team überleben konnten. Die Kreaturen waren langsam, aber alleine war man ihnen unterlegen.
Jemand fragte, was das für Kreaturen seien und ein anderer warf den Begriff ‚Zombie‘ in den Raum. Unsicheres Lachen ertönte. Zombies. Zombies gab es nur in schlechten Büchern und Filmen, aber nicht in unserer Welt. Nicht in unserer Gesellschaft. Nicht in unserer Denkweise. Und doch waren sie da draußen. Kreaturen, die das Fleisch von Lebenden fraßen und im Tode wieder auferstanden. Da waren wir. Nur auf uns allein gestellt in einer Welt, die von einer Minute auf die andere zur lebensfeindlichen Umgebung mutierte.
Etwas drückte gegen die Tür. Ich stand der Tür am nächsten und drückte sie wieder zu. Auf die Frage, wer draußen sei, erntete ich nur ein schrilles Fauchen. Laufgeräusche. Etwas prallte gegen die Tür. Mehrere Kollegen eilten zur Hilfe, brachten Tische und verbarrikadierten die Tür damit. Wir saßen in der Falle, eingesperrt mit einem dieser Kreaturen, einem Zombie. Ich sah in ihr gesundes Auge und fühlte, dass sie mich beobachtete. Die Augen waren kühl und berechnend und ließen die Frau lebendiger erscheinen, als sie dies aufgrund ihres Körperzustands sein konnte.
Die Datennetze waren mit den Mobilfunknetzen verloren gegangen. Erst Tanja hatte die Idee, das Radio ihres Smartphones zur Informationsgewinnung zu nutzen. Alle Radiosender strahlten die gleiche Nachricht aus. Über das Stadtgebiet München war der Ausnahmezustand verhängt worden. Allen Bewohnern wurde angeraten, die Wohnungen und Häuser nicht zu verlassen, Türen und Fenster zu schließen und gegebenenfalls zu verbarrikadieren und auf die Ankunft von Polizei oder Militär zu warten. Ein bisher unbekannter Erreger hatte sich in der Stadt ausgebreitet und wurde über Körperkontakt zu den Infizierten übertragen.
Im Laufe des Tages wurde es heißer und stickiger im Raum. Die Fenster konnten nur über einen Schalter geöffnet werden und der funktionierte ohne Strom genauso wenig wie die Klimaanlage. Dazu kam, dass der geschundene Körper der Frau langsam unangenehm zu riechen begann. Hunger und Durst sorgten weiter dafür, dass die Stimmung immer tiefer sank. Versuche, die Fenster zu zerstören, scheiterten an der Beschaffenheit des Sicherheitsglases. Außer Schrammen zeugte nichts von unseren Ausbruchsversuchen.
Zusammen mit dem Lärm im Raum, steigerten sich auch die Aktivitäten vor unserer Tür. Als uns die Abhängigkeit bewusst wurde, änderten wir unsere Strategie und verhielten uns still. Nur das Fauchen der ehemaligen Kollegin drang als Geräusch nach draußen, ansonsten verhielten wir uns so still, wie es die Situation zuließ. Als nach einer Stunde von draußen keine Geräusche mehr zu hören waren, wagten wir den Ausbruch.
Mit einem Tisch schränkten wir die Bewegungsfreiheit der untoten Frau so weit ein, dass sie uns nicht folgen konnte und huschten so leise wie möglich aus dem Raum. Weit kamen wir nicht. Hinter der nächsten Ecke warteten sie auf uns. Wir liefen in die andere Richtung und stießen beinahe mit unserer Gefangenen zusammen, die sich zwischenzeitlich unter dem Tisch befreien konnte. Albert versetzte ihr einen Stoß, der sie taumeln und zu Boden gehen ließ. Genug Zeit für uns, um ihre Position zu passieren.
Angelika schrie auf. Die Zähne des Dings am Boden waren in ihre Wade vergraben. Blut trat hervor und  lief nach unten. Mit dem freien Fuß schlug sie nach dem Kopf der Angreiferin und schaffte es tatsächlich, sich zu befreien, bevor die Verfolger sie erreichen konnten. Zusammen erreichten wir das Treppenhaus. Wir waren uns nicht ganz sicher über die motorischen Fähigkeiten unserer Verfolger, hofften aber darauf, dass die Tür uns genügend Vorsprung verschaffen würde.
Wir wählten den Weg nach oben. Draußen war es zu gefährlich. Sie schlichen zwischen den Häusern herum, hatten sich zu Rudeln zusammengeschlossen und lauerten denen auf, die töricht genug waren, sich in ihre Nähe zu begeben. Unbehelligt erreichten wir das nächste Stockwerk und verließen das Treppenhaus. Unter uns Gepolter. Sie hatten die Türe aufbekommen und schickten sich an, uns zu verfolgen. So leise wie möglich schlossen wir hinter uns die Tür und suchten uns ein Zimmer, in dem wir die Nacht verbringen konnten.
Dort sitzen wir jetzt seit einigen Stunden. Ich schreibe diese Zeilen im Licht meines Smartphones. Angelikas Zustand hat sich verschlechtert. Das Blut ist aus ihrem Kopf gewichen und ihre Haut hat eine aschfahle Tönung angenommen. Ich werde hernach mal zu ihr hinüberschauen.

Kommentare:

  1. Guten Morgen,

    Machtkämpfe im Büro mal anders :). Find ich sehr spannend die Geschichte.
    Wirds davon noch mehr geben?

    mfg Thex

    P.S. Möglicher Schreibfehler:
    "...und als ehr.." schreibt man
    das nicht "eher"? Bin mir nicht ganz sicher

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  2. Ich glaub nicht. Also, dass es davon mehr geben wird, zumindest nicht in nächster Zeit. Inzwischen gibt's auch eine Version mit 5000 Zeichen (inklusive Leerstellen), die etwas straffer daherkommt, aber wie gesagt erstmal nicht veröffentlicht wird.

    Für den Fall, dass ich den Kurzgeschichtenwettbewerb nicht gewinne, stell ich die neue Version aber Oktober/November rum online. Falls Interesse besteht, weil die Geschichte selbst ja die Gleiche ist, nur halt kürzer.

    Aufgrund der Vorgaben geh ich ohnehin stark davon aus, dass ich nicht sehr viele Chancen haben werde. Es wurden eher positive Teamerfahrungen gesucht. Immerhin kann man sagen, dass das Team auch nach dem Tod noch zusammen ist. Das ist ja auch irgendwie positiv. :)

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