Dienstag, 2. August 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 43

Kapitel 43

Wenig überraschend war Horst am nächsten Morgen gut ausgeschlafen. Als Paul schließlich irgendwann vom Schlaf übermannt wurde, konnte er sich immer noch nicht von seinen Gedanken lösen. Sie ließen ihn aufschrecken und verzweifelt im Schlaf nach der einen Sache suchen, die er übersehen hat. Immer, wenn er dachte, er wäre der Lösung nahe, verschwand der Gedanke im Nichts, löste sich auf und schien unerreichbar. Was für eine beschissene Nacht.

„Machst du den Termin bei Bruno?“ erkundigte sich Horst bei seinem Kollegen.

„Ja, ich kontaktiere ihn gleich. Wir sollten uns aber vorher noch kurz bei Leyrer zurückmelden. Nicht, dass er sich Sorgen um uns macht.“ Gab Paul zurück.

„Hm, ja, wird wohl besser sein. Hast du die DVD noch?“

„Die DVD? Warte, verdammt, an die hab ich gestern gar nicht mehr gedacht.“ Fast schon hektisch kramte er in seiner Tasche und förderte sogleich eine schillernde Scheibe zu Tage. „Na, da ist sie doch. Wo sollte sie auch sonst sein?“

Triumphierend hielt er sie in der Hand, bevor er sie vorsichtig wieder in der Tasche verstaute. Danach trafen sie sich erst mit Martina, bevor sie gemeinsam zu Leyrer hochgingen, um sich zurückzumelden und ihm ein kurzes Update zu geben. Die Ergebnisse ihrer Recherche behielten sie dagegen für sich.

„Ja, hab ich schon gehört. War eine ziemliche Scheiße gestern. Winter hat mir schon erzählt, was du da gestern geleistet hast und angeblich hat sich ein General gemeldet, der dir auch seinen Dank ausdrücken will. Das hast du aber nicht von mir.“ Vertraute ihm Leyrer mit verschwörerischer Miene an.

„Apropos, ich müsste mal schnell mit Bruno telefonieren.“ Bat Paul.

„Er erwartet euch schon, und er hat mir aufgetragen euch gleich hochzuschicken. Ich bin mir sicher, ihr habt euch einiges zu erzählen.“ Wieder dieser Blick. Ob Leyrer mehr wusste?

Zusammen verließen sie das Büro und fuhren mit dem Fahrstuhl hoch zu Brunos Büro. Wieder wurden sie von der Ordonanz in Empfang genommen, der sie abermals in Brunos Büro begleitete und dann später noch einmal mit Kaffee zurückkam. Richtiger Kaffee, woher Bruno den auch immer hatte. In der Zwischenzeit gaben sie ihm eine detaillierte Beschreibung ihrer Funde, führten ihre Fundstücke auf seinem Rechner vor und Paul präsentierte erstmals seine Schlussfolgerungen.

Niemand widersprach ihm. Stattdessen präsentierte Bruno einige eigene Neuigkeiten. Die Zombies im Zug waren in der Tat Bewohner von MO1. Sie wurden nicht von Untoten infiziert, sofern man das anhand des Zustands der Leichen noch rekonstruieren konnte. Auffällig war aber, dass an allen Leichen Einstichstellen gefunden wurden. Möglicherweise wurde ihnen der Virus direkt injiziert. Horst erkannte darin eine Parallele zum Vorgehen der Terroristen bei dem Anschlag auf dem Moskauer Flughafen, was wiederum die Frage in den Raum warf, ob die Täter möglicherweise identisch sein könnten.

Bruno konnte auch Neuigkeiten zu dem Angriff auf die Station Maillingerstraße beisteuern. Tatsächlich wurden die Turmwachen erschossen. Die Projektile durchschlugen ihre schusssicheren Westen, genau wie bei den Bewachern von MO1. Die Bundeswehr hatte zwischenzeitlich ihre Ergebnisse an die Polizei weitergegeben und ebenfalls Übereinstimmungen festgestellt. Der Kommandant wurde ermordet in seiner Hütte aufgefunden. Durchgeschnittene Kehle, soweit das beurteilt werden konnte, ähnlich wie bei einigen Leichen in der MO1. Alles deutete auf dieselben Täter oder dieselbe Organisation hin.

„Wie sollen wir jetzt weiter vorgehen?“ wollte Paul von Bruno wissen.

„Diese Informationen dürfen den Raum hier nicht verlassen. Wir dürfen nichts nach draußen geben, solange wir nicht wissen, wem wir überhaupt vertrauen können.“

„Momentan hab ich aber eher das Gefühl, dass sie uns einen Schritt oder mehrere Schritte voraus sind. Sie wissen, was wir wissen und scheinbar kennen sie unsere ganze Herangehensweise.“ widersprach Paul.

„Wie sollen wir dann deiner Meinung nach weiter vorgehen? Sollen wir die Info nach draußen geben, dass ein uns fremder Aggressor Menschen, Soldaten und Polizisten tötet? Dass sie eine Technologie benutzen, die unserer überlegen ist? Dass sie ihre Zentrale scheinbar direkt neben unserer Regierung haben? Hör mal Paul, bei aller Freundschaft, aber dann hätten wir ein Problem.“ Erwiderte Bruno wütend.

Seine Starrköpfigkeit erregte Pauls Gemüt: „Was sollen wir dann tun? Abwarten, bis Rügen von Zombies überlaufen ist? Die wissen doch noch gar nicht, was sie erwartet. Wir müssen die dortigen Stellen in Alarmbereitschaft versetzen. Wir müssen aufzeigen, dass der Feind Mittel besitzt, die er eigentlich gar nicht besitzen dürfte. Wir haben das Gewehr. Das ist doch ein Beweis. Warum damit hinterm Berg halten? Wem wäre damit geholfen?"

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