Mittwoch, 3. August 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 44

Kapitel 44

„Der inneren Sicherheit wäre damit geholfen! Hier steht weit mehr auf dem Spiel. Wenn Rügen tatsächlich das Ziel sein sollte, ist unser Land führungslos. Mag sein, dass unsere Führung schon lange nicht mehr den Personen entspricht, die vom Volk gewählt wurden, aber verdammt nochmal, sie halten den kümmerlichen Rest zusammen und koordinieren Polizei und Streitkräfte, um die Zivilisten so lange zu beschützen, bis wir unser Land zurückerobern können.“

Brunos deutliche Worte brachten Paul dazu, die Sachlage noch einmal zu überdenken.

„Und weiter? Wie gelangt die Information jetzt nach Rügen?“ sprang Horst an seiner Stelle ein.

„Ihr überbringt die Nachricht persönlich. Ich kündige euer Kommen an.“

„Wenn unser Gegner über uns Bescheid weiß, dann weiß er mit Sicherheit auch, was wir in Rügen wollen. Vielleicht schaffen wir es gar nicht bis in den Norden.“ Meldete sich Paul zurück.

„Richtig. Ihr reist unter falschem Namen. Offiziell werdet ihr mir unterstellt und arbeitet hier in München weiter an dem Fall. Die Reise wird dann laut Papieren von zwei Kollegen angetreten, die sowieso ständig hin und her pendeln. Martina, du bleibst in München. Ich brauche hier jemand, dem ich vertrauen kann. Paul, Horst, ihr bekommt von mir Papiere, die euch auch den Zugang zum Stab ermöglichen.“

Horst grübelte über das eben gehörte nach. „Was machst du in der Zwischenzeit?“

„Ich werde die Untersuchungen am Gewehr vorantreiben. Der Leiter der ballistischen Abteilung ist ein Freund von mir. Dem kann ich auf jeden Fall vertrauen. Der wird mir auch hoffentlich bald eine Einschätzung geben können, wo und wer so was fertigen könnte. Dann können wir hoffentlich auch den Täterkreis einschränken.“

„Meinst du wirklich, dass da eine Sekte dahinter steckt?“

„Ich weiß es nicht. Die dürren Fakten sprechen momentan dafür. Die Geschichten des Bischofs rund um die Hereden weisen unangenehme Parallelen zu den aktuellen Vorgängen auf. Mir scheint, irgendetwas ist auf diese Welt zurückgekehrt, dass besser für immer im Verborgenen geblieben wäre.“

Durch nicken drückte Horst seine Zustimmung aus.

„Also gut. Ihr nutzt den heutigen Tag und erholt euch, ich regel das für euch bei Leyrer. Ihr solltet die Zeit auch nutzen, um eure Ausrüstung mal wieder auf Vordermann zu bringen und ach … wartet mal.“

Überraschend sprang Bruno auf, ging zu einem brusthohen Schrank und zog ihn auf. Darin befand sich nichts weniger, als ein gut gefüllter Kühlschrank mit Getränken. Fix griff er hinein und zog ein Sixpack Bier heraus.

„Hier, das habt ihr euch redlich verdient. Keine Ahnung, ob das noch schmeckt. Ich hab das schon einige Zeit da drin stehen. Viel Spaß damit.“ Mit den Worten knallte Bruno das Sixpack auf Pauls Schoß. „Morgen steht ihr pünktlich um neun am Hauptbahnhof. Eine Versorgungslok bricht von dort in Richtung Hamburg auf, oder das, was davon noch übrig ist. Von da aus reist ihr mit einer anderen Versorgungslok nach Rügen weiter. Die fahren von dort täglich, mit den Papieren kommt ihr von Hamburg aus weiter.“

Paul war noch nicht überzeugt: „Was ist, wenn jemand unsere Dienstausweise sehen will?“

„Ja, guter Punkt. Als ich gesagt habe, ihr bekommt Papiere, meinte ich auch neue Dienstausweise. Die werde ich zusammen mit den Reisepapieren versiegelt bei Leyrer hinterlegen lassen. Ihr könnt sie euch morgen Vormittag abholen. Noch irgendwas?“

„Ach so, das LKA.“ Fiel es Paul wie Schuppen von den Augen.

„Ja, was ist damit?“

„Setz dort Leute ein, denen du zu einhundert Prozent vertrauen kannst. Ich befürchte, dass die Jungs dort in Gefahr sind. Wer auch immer die Überfälle initiiert hat, der wird nichts unversucht lassen, alle Beweise zu vernichten. Dass sie dabei über Leichen gehen, hast du ja gesehen. Verdopple am besten die Wachen. Sorg dafür, dass dort keiner reingeht, der da nicht auch reingehört.“

„In Ordnung. Ach ja, noch was. Hier Paul, damit kannst du mich kontaktieren.“

Mit den Worten reichte er ihm ein altes Mobiltelefon.

„Was soll ich damit? Die Mobilfunknetze sind tot.“

„Nein, nicht alle. Mit diesen Simkarten könnt ihr euch in ein Netz einbuchen. Meine Nummer ist gespeichert. Wenn ihr etwas rausgefunden habt, dann ruft unverzüglich an. Meldet euch in Rügen beim Stab, bringt dort eure Erkenntnisse vor. Und vertraut niemandem. Gute Reise.“

„Danke Bruno. Pass auf dich auf, du stehst jetzt nämlich auch auf deren Abschussliste.“

„Kann schon sein, aber ich sitz hier im bestbewachten Gebäude Münchens. Hier marschiert man nicht so mir nichts, dir nichts rein. Macht euch um mich keine Sorgen, aber danke für den Hinweis.“

„Kein Problem. Wir sehen uns.“

„Wir sehen uns.“

Nachdem die drei den Raum verlassen hatten, machte sich Bruno daran die Reise vorzubereiten. Normalerweise ließ er solche Aufgaben von seiner Ordonanz erledigen, kümmerte sich aber aufgrund der Brisanz ausnahmsweise selber darum. Die DVD lag noch in seinem Laufwerk. Mit wenigen Mausklicks hatte er den Inhalt in einem speziellen Ordner gesichert. Nach und nach würde er dort alle vorliegenden Informationen hinterlegen. Das würde ein langer Tag werden. Vorausschauend stornierte er alle seine anstehenden Termine und ließ sich gegenüber anderen von Hirt verleugnen.

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