Montag, 8. August 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 49

Kapitel 49

Nur kurz, nachdem Horst und Paul das Gebäude verlassen hatten, nahm Martina bei Leyrer ihren neuen Dienstbefehl entgegen. Zusammen mit vierzehn anderen Kollegen wurde sie offiziell zur Sicherung des LKAs abgestellt, wobei ihr dafür von Bruno eine Sonderrolle eingeräumt wurde. Sie war den beiden IT-Spezialisten als direkter Leibwächter zugeteilt worden.

Die meisten der anderen Beamten waren ihr bekannt. Erfahrene und vor allem verlässliche Kollegen, die sich in der Vergangenheit nicht selten besonders hervorgetan hatten. Leyrer schlug trotzdem innerlich die Hände über dem Kopf zusammen, als er die Liste durchging und die Gruppe instruierte. Um die Sonderschichten zu kompensieren, musste er mehrere Grünschnäbel, die nur unzureichend ausgebildet waren, mit einsetzen.

Bei der Einweisung vergaß er nicht die Ereignisse um MO1 und den Vorfall in der Maillingerstraße zu erwähnen, zumindest das, was er wusste. Bruno hatte sorgfältig darauf geachtet, nur die für den Objektschutz nötigen Informationen nach unten durchzureichen. Es reichte, den Männern die nötige Aufmerksamkeit abzuringen und sie gleichzeitig ausreichend zu sensibilisieren, dass sie es mit einem gefährlichen Gegner zu tun hatten.

Das LKA verfügte auch hinter der Schleuse über eine verstärkte Verteidigung und würde länger zu halten sein als eine der befestigten Stationen. Mit Hilfe des unbekannten Feindes würde aber mit Sicherheit auch diese Festung zu knacken sein. Dies galt es in den Köpfen der hier versammelten Beamten zu zementieren. Besonders fiel Martina Carsten Ümmel auf, der eigentlich in der Ballistik zugange war. Ein hervorragender Schütze und Waffenexperte, der seit zehn Jahren nur noch intern eingesetzt wurde.

Ein aufgeregter junger Beamter stürmte unversehens in die Lagebesprechung und trat an Leyrer heran. Der wurde von einer Sekunde auf die andere leichenblass und ließ sie im nächsten Moment abtreten und Gepäck aufnehmen. Treffpunkt sei in einer Stunde bei der Waffenausgabe. Danach verließ er fluchtartig den Raum und stürzte dem jungen Kollegen hinterher.

Als Martina zu ihrem Spind zurückging, fiel ihr die plötzliche Betriebsamkeit auf, die die Kollegen befallen hatte. Sie hörte Leyrer einen unsichtbaren Gesprächspartner anbrüllen und konnte sich keinen so rechten Reim darauf machen, was vorgefallen war. Dem Gesichtsausdruck ihrer Kollegen nach musste es sich dabei um ein gewaltiges Stück Scheiße handeln, dass den Vorfall an der Maillingerstraße nochmal in den Schatten stellte. Ob das LKA …? Nein. Das konnte sie sich nicht vorstellen. Etwas anderes musste passiert sein.

Mit gemischten Gefühlen öffnete sie ihren Spind, packte ein, was sie für nötig hielt und ging schon mal in Richtung des Sammelpunktes vor der Waffenausgabe. Ein aus der Asservatenkammer heraus stürzendes SE-Kommando hätte sie dabei beinahe übersehen und sie konnte nur knapp einen Zusammenstoß verhindern. Selten hatte sie bei den Jungs so einen Gesichtsausdruck gesehen. Selbst, als alles zusammenbrach war ihnen nichts anzumerken. Aber heute waren sie kaum von den lebenden Toten dort draußen zu unterscheiden.

Misstrauisch sah sie ihnen nach und nahm erschrocken zur Kenntnis, dass sie mit dem Fahrstuhl nach oben fuhren. Die Waffenausgabe befand sich im 30. Stock. Darüber waren nur noch die EDV, die Verwaltung und die oberste Ebene mit den Büros der Einsatzleitung. Und Brunos Büro! Wie Schuppen fiel es ihr von den Augen. Wie war das möglich? Nein, das war nicht möglich. Niemand konnte das Foyer betreten, ohne einen Alarm auszulösen. Niemand konnte ohne Erlaubnis in die höheren Stockwerke vordringen.

Entschlossen legte sie ihr Kampfgepäck ab und ging zu den Fahrstühlen. Bereits einige Sekunden später hielt einer der Fahrstühle und spuckte einige Beamte aus, die sich zielstrebig zur Waffenkammer begaben. Sie sprang schnell hinein und drückte den Knopf für den 36. Stock. Als die Türen auf glitten, hechtete sie hinaus und fand sich auf dem vollen Flur wieder. Neben den zuvor gesehenen SEK-Beamten sah sie einige kreidebleiche Kollegen und einen ihr unbekannten Zivilisten, der über Funk oder Mobilfunk mit einem unsichtbaren Gegenüber ein Zwiegespräch hielt.

Das übermäßige Aufgebot an Einsatzkräften ignorierend hielt sie auf die Türen zu Brunos Büro zu. Die Tür war aus schusssicherem Glas und wurde momentan von den davor postierten SEK-Beamten verdeckt. Sie bahnte sich einen Weg durch die massiven Körper und wünschte sich schon im nächsten Moment, sie hätte es nicht gemacht. Wie ein Tiger pirschte auf der anderen Seite der Tür ein Untoter auf und ab, den sie als Hirt identifizierte. Sein Gang war seltsam, irgendetwas war falsch an diesem Zombie. Die Erkenntnis traf sie wie ein Vorschlaghammer.

Er bewegte sich weniger steif als seine Verwandten, die Deutschlands Straßen unsicher machten. Sein Blick war seltsam fokussiert und statt blind gegen die Scheibe zu wummern, wirkte er so, als würde er auf etwas warten. Es irritiert sie, dass sie sich beobachtet und abgeschätzt vorkam.

Der Zivilist schien sein Gespräch gerade beendet zu haben, denn er wandte sich an die versammelten SEK-Beamten und gab den Befehl, das Ding dort drin möglichst unbeschadet einzufangen. Man hätte es wohl mit einem besonderen Exemplar zu tun, das für die Forschung noch wichtig sein könnte.

Trotz der wichtig klingenden Worte, diskutierte der Anführer des anwesenden Kommandos mit dem Zivilisten, da er seine Männer keinem überflüssigen Risiko aussetzen wollte. Martinas Ohren rauschten. Das Rauschen verstärkte sich noch weiter, als sie Bruno sah. Im Gegensatz zu seinem wahrscheinlichen Mörder war sein Gang steif, seine Motorik unterdurchschnittlich und sein Handeln reinem Instinkt unterworfen. Hilflos stieß er immer wieder an die Scheibe, als er sich der Gegenwart der dort herumstehenden Menschen gewahr wurde und zog blutige Schlieren über das Glas.

Kommentare:

  1. Guten Morgen,

    ich hatte schon sehr gespannt auf den heutigen Part gewahrtet, weil ich unbedingt wissen wollte ob noch mehr Leute infiziert würden( zum Glück nicht :) ) Ansonsten wie immer sehr gut:D

    mit freundlichen Grüßen

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  2. Auch wenn's fies ist etwas anzudeuten und dann nichts zu verraten, aber: da kommt noch was. :)

    Ich hab da noch was in petto, was sicher unerwartet kommt.

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