Dienstag, 9. August 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 50

Kapitel 50

Was jetzt passierte, überraschte anscheinend die Herumstehenden nicht weiter, jagte Martina aber wahnsinnige Angst ein. Der vital erscheinende Zombie riss flink den Zombie Bruno an der Schulter nach hinten und schleuderte ihn auf den Boden. Die anderen hatten das Schauspiel wohl schon einmal beobachten dürfen. Wieder bat der Einsatzleiter die Untoten neutralisieren zu dürfen und erneut lehnte der Zivilist ab. Unbeschädigt wären sie so unendlich wertvoller. Martina konnte nicht glauben, was sie mit anhören musste.

Dem Zivilisten wurde plötzlich Martinas Anwesenheit bewusst und wies den Einsatzleiter des SEKs an, sie augenblicklich aus dem Stockwerk zu entfernen und dafür Sorge zu tragen, dass sie hier auch ungestört blieben. Der Einsatzleiter, ein alter Hase, der bereits viele Einsätze gegen Untote geleitet hatte, fügte sich widerwillig. Er bat sie erst höflich, dann bestimmt und zerrte sie schließlich an ihrem Arm in den noch wartenden Fahrstuhl.

Als sie ihm in die Augen sah, erkannte sie seinen aufrichtigen Blick, der geradezu herauszuschreien schien, wie leid es ihm tat. Der Zivilist hatte eindeutig die Befehlsgewalt und nutzte sie auch. Dann schlossen sich die Türen wieder und niemand erfuhr, was an diesem Tage im 36. Stock passierte.

Martina kehrte in die Waffenausgabe zurück, wo sich bereits weitere Mitglieder der neuen Wachmannschaft versammelt hatten. Neben der Standardausrüstung wurden auch Sturmgewehre mit Zweibeinen und Trommelmagazine ausgegeben, dazu ein Flammenwerfer, um mögliche Ansammlungen Untoter effektiv bekämpfen zu können. Martina musste an den Zombie im 36. Stock zurückdenken. Würden sie auch eine Horde relativ intelligenter und reaktionsschneller Zombies mit diesen Mitteln bekämpfen können?

Nachdem die Gruppe vollständig ausgerüstet war, stieß Leyrer in Begleitung von Ümmel wieder zu der Gruppe. Carsten trug ein modifiziertes G36, mit verlängertem Lauf und einem Zielfernrohr-Aufsatz. Darüber hinaus war an dem Gewehr ein Zweibein montiert, und die Schulterstütze etwas länger als beim Standardmodell. Martina ging davon aus, dass es sich um eine Scharfschützenmodifikation handelte.

Leyrer war immer noch kalkweiß, erwähnte der Gruppe gegenüber aber nichts von Brunos Schicksal. Ganz offensichtlich war er auch nicht darüber informiert worden, dass Martina Zeuge von etwas wurde, was nicht für ihre Augen gedacht waren. Eigentlich auch nicht weiter verwunderlich, hatte sie doch keiner nach ihrem Namen gefragt und Namensschilder waren auf den neuen reißfesten Uniformen nicht vorgesehen.

Stattdessen gab er noch ein kurzes Update, verwies kurz angebunden auf die erhöhte Gefahrenlage und die entsprechend angepasste Bewaffnung hin, dann verabschiedete er sich sogleich wieder, nachdem er Ümmel das Kommando übertrug. Martina kannte Carsten von verschiedenen Einsätzen vor dem Krieg, bei denen er als Experte für Zielballistik unterstützend zur Seite stand.

Ümmel klärte nun die Gruppe über das weitere Vorgehen auf. Sie würden von hier zum Stützpunkt Stiglmaierplatz gebracht werden. Maillingerstraße war noch nicht wieder im Betrieb. Von da aus fuhren sie mit zwei gepanzerten Fahrzeugen im Konvoi zum LKA. Dort hieß es dann Stellung beziehen und auf weitere Befehle warten. Wenn es keine weiteren Fragen mehr gäbe, dann Abmarsch.

Fast wortlos setzte sich der Tross in Bewegung. Martina gab sich währenddessen ihren Gedanken hin. Wer konnte unbemerkt in ein schwer bewachtes Gebäude der Polizei eindringen, dort einen Menschen mit einem vermeintlichen Zombievirus infizieren und genauso unerkannt wieder entwischen? Das hatte sie doch so belauscht als der Zivilist telefonierte, oder hatte sie sich verhört? Wer hatte eigentlich alles Zugang zu dem Gebäude? Was war mit diesem Zivilisten? Geheimdienst? Nicht alle Geheimdienste wurden nach dem Zusammenbruch aufgelöst. Steckte der hinter allem? Warum wollten sie den Zombie lebend? Was würde er ihnen bringen, außer weiteren Problemen?

Plötzlich dachte sie an Paul und schalt sich dafür, nicht früher an ihn gedacht zu haben. Der Gedanke an Paul stärkte sie, gab ihr ihre innere Kraft zurück. Gleichzeitig spürte sie eine starke Angst um ihn. Sie haben es mit mächtigen Feinden zu tun. Wie mächtig, hatte sich gerade erst wieder gezeigt. Wenn sie wussten, dass er auf dem Weg zu ihnen war, würden sie alles unternehmen, um ihn aufzuhalten und egal, auf was er und Horst vorbereitet waren, auf intelligente Zombies konnten sie nicht vorbereitet sein, weil es diese bis eben in ihrer Welt nicht gab.

Mit zitternden Händen zog sie den Zettel mit Pauls Telefonnummer aus der Tasche. Sobald sie angekommen waren, würde sie versuchen, ihn anzurufen. Mit Alex und Markos Hilfe konnte sie ihm eventuell sogar auch eine SMS zukommen lassen. Vielleicht haben sie eine Möglichkeit sich in das System hacken, um darüber priorisierte Nachrichten über das noch bestehende Mobilfunknetz abzusetzen.

Während sie in ihren Überlegungen verharrte, wurden sie wie geplant und ohne Zwischenfälle beim LKA abgeliefert. Derzeit war die Konzentration an Untoten in dieser Gegend höher, als vor dem Zwischenfall. Noch immer war die Lautsprecheranlage nicht voll funktionsfähig. Naiv anzunehmen, dass es eine in der Maillingerstraße lokal aufgetretene Störung gewesen sein soll. Mit einem mulmigen Gefühl verließ Martina den Schützenpanzer und betrat das Gebäude.

Kommentare:

  1. Schnelle Zombies die auch noch einen Teil ihres Verstandes behalten - jetzt wirds aber richtig fies :-)

    Nebenbei, gibts eigentlich schon Pläne den zweiten Teil aufs Kindle zu bringen?

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  2. Ja, nein, ähm, jein. Um das Fehlerfiasko des ersten Teils nicht zu wiederholen, steht da ordentlich Arbeit an. Ich möcht mich auch nochmal recht herzlich bei Rüdiger und Martin für ihre Arbeit bedanken, aber mir fehlt da grad die Muse für.

    Was Neues schreiben macht da irgendwie viel mehr Spaß, als das alte Zeugs zu korrigieren.

    Wenn Tanja nach Beendigung von Band 3 Bock hat, würd ich mich mit ihr zusammen an Band 2 wagen. Mit ihrer Art zu korrigieren komm ich ganz gut zurecht. :)

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