Donnerstag, 11. August 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 52

Kapitel 52
Der Wachdienst im LKA hatte seine angenehmen Seiten, bestand aber auch aus Stunden des Nichtstuns bei voller Konzentration auf eine fiktive Gefahr. Durch die Ereignisse der letzten Tage wich die langweilige Routine einer angestrengten Suche nach einem unsichtbaren Feind. Nachdem bekannt wurde, dass Polizeioberrat Herling im 36. Stock eines befestigten Gebäudes von seinem eigenen Ordonanzbeamten mit dem Zombievirus infiziert wurde, machte die erhöhte Wachsamkeit einer leichten Panik Platz.
Martina hatte nach der Bekanntmachung über die interne Kommunikation direkt Kontakt mit Leyrer aufgenommen und nach den Ergebnissen der Untersuchung gefragt. Die bisherigen Erkenntnisse waren mehr als mager. Die Aufzeichnungen der Überwachungskamera waren lückenhaft, die infizierten Körper von einer übergeordneten Behörde abgeholt, was eine gerichtsmedizinische Untersuchung verhinderte.
Ein Umstand, auf den sich Martinas Vorgesetzter keinen rechten Reim machen konnte. Im Gegensatz zu Martina, die ihre Beobachtungen aber lieber für sich behielt. Ihr war es lieber, dass niemand wusste, dass sie heute im 36. Stock war und was sie dort gesehen hatte. Eine übergeordnete Behörde, es gab keine übergeordnete Behörde. Die Überwachungskamera. Lückenhaft. Die Erkenntnis traf sie wie ein Blitz.
Nach dem Gespräch fühlte sie sich etwas besser und begab sich zu den beiden IT-Spezialisten. Spezielle Alex schien sich zu freuen, die Polizistin wieder zu sehen und begrüßte sie überschwänglich. Seit dem sie das LKA verlassen hatten, wurden nach und nach alle Schlupflöcher geschlossen, die sie auf die Server der Bundeswehr hatten, bis schließlich ihr Trojaner komplett entfernt wurde.
Der infizierte Rechner war offensichtlich im Netzwerk ausfindig gemacht und von den zuständigen Administratoren vom Netz genommen worden. Dass sie über Tracking ausfindig gemacht wurden, wollten sie gar nicht ausschließen. Noch etwas schien sie zu belasten. Erst drucksten sie etwas herum, bis es schließlich Marko davon berichtete, dass sie attackiert wurden.
 „Wie ‚attackiert‘? Hier deutet nichts auf ein Feuergefecht hin.“
„Hahaha, nein, nicht mit Waffen. Sie haben unser Netzwerk attackiert. Unsere Firewall hat gehalten, aber wir haben unser Netzwerk gestern komplett vom Netz genommen. Wir haben uns auch mit anderen Behörden in Verbindung gesetzt und die Attacke galt gezielt uns. Wir sind seitdem dabei, unsere Firewall komplett um zu konfigurieren, bevor wir uns wieder in das Netz einklinken. Wir werden uns wohl auch im internen Polizeinetz vorerst abschirmen, weil natürlich die Gefahr besteht, dass sie über ein anderes angeschlossenes Rechenzentrum auf unsere Rechner zugreifen wollen.“
Ergänzend fügte Alex hinzu: „Die Attacke hat uns auf jeden Fall gezeigt, dass wir es mit einem Gegner zu tun haben, der über eine hervorragende IT-Infrastruktur und überdurchschnittliche Spezialisten verfügt. Hätten wir nicht permanent die Zugriffe protokolliert, wär es uns wahrscheinlich auch gar nicht aufgefallen. Bei der Rekonfiguration haben wir auch Teile einer Software gefunden. Die Software war noch nicht vollständig installiert, aber es hatte nicht mehr viel gefehlt. Vollständig installiert, hätte sie dem fremden Netzwerk volle Kontrolle über unsere Server erlaubt.“
„Woher kam dann diese Software?“
„Das können wir nur vermuten. Marko hat die Vermutung angestellt, dass sie von einem angeschlossenen Netzwerk auf einen unserer Server übertragen wurde. Das wiederum würde heißen, dass sie auf ein angeschlossenes Netzwerk Zugriff haben, oder sich zumindest reinhacken konnten. Die Software an sich ist übrigens recht raffiniert gemacht.“
Gerade als Alex weiter ausholen wollte, wurde er in seinen Ausführungen durch ein lauter werdendes Geräusch unterbrochen. Erst nach einiger Zeit konnte Martina das Geräusch zuordnen. Sie lief zum Fenster und sah einen Hubschrauber, der langsam von oben herabschwebte und zur Landung im Innenhof ansetzte. Vor dem Krieg standen auf dem Platz Bäume und Autos, als man das LKA zur Festung ausbaute, mussten die Bäume und Parkplätze einem freien Platz weichen, der auch als Hubschrauberlandeplatz genutzt werden konnte.
Irgendwer brüllte über den Lärm hinweg Befehle und Martina sah Schützen in Stellung gehen. Das konnte unmöglich ihr anonymer Feind sein. Ihr Feind würde nicht bei Tageslicht und mit Radau in ihre kleine Festung einfallen, dessen war sie sich sicher. Trotzdem taste sie nach ihrem Sturmgewehr, als der Hubschrauber nur noch wenige Meter über dem Boden schwebte.
Eine Minute später war er auf dem Boden angekommen. Eine der Türen glitt auf und heraus sprang Leyrer, begleitet von zwei SEK-Beamten. Zügig bewegten sie sich zum Eingang des LKAs und wurden dort von Ümmel in Empfang genommen. Nachdem sie einige Worte ausgetauscht hatten, drückte er Ümmel eine Tasche in die Hand, bevor sie sich wieder in den Helikopter begaben, um sogleich von dannen zu schweben.

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