Sonntag, 14. August 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 55

Kapitel 55
„Was war das?“
„Was meinst du?“ Alex‘ Augen waren auf Martina gerichtet, die ihr Sturmgewehr hochzog und mit einem Auge aus dem Fenster starrte.
„Da draußen war ein Geräusch. Ich bin mir sicher, dass ich etwas gehört habe.“
„Das wäre dann aber mit Sicherheit schon jemand aufgefallen.“ Versuchte Alex sich selber zu beruhigen.
„Psst. Ruhe jetzt.“ Martina warf ihm einen strengen Blick zu und ließ ihn damit verstummen.
Der Hof lag scheinbar weiter ruhig vor ihnen. Der Rechner surrte angestrengt, noch immer mit der Wiederherstellung der Videodaten beschäftigt. Martina war sich sicher, dass sie ein Geräusch gehört hatte und starrte angestrengt in den hell erleuchteten Innenhof. Nichts. Doch, dort. Ein Schatten. Etwas schien über das Dach des Nachbargebäudes zu huschen und war so schnell wieder verschwunden, wie es aufgetaucht war.
„Macht die Monitore und das Licht aus. Wir sind hier drin lebende Zielscheiben.“
„Das Glas ist Kugelsicher.“ Merkte Alex an.
„Hält es auch dem Beschuss durch eine Panzerabwehrwaffe stand? In MO1 wurde ein Stützpunkt mit 100 Soldaten wahrscheinlich durch eine Hand voll von denen getötet. Ihr habt die Videos gesehen. Wir wissen nicht, was sie für Waffen benutzen und ich möchte  nicht herausfinden, dass sie auch Panzerglas durchschlagen können. Also könnt ihr jetzt verdammt nochmal endlich die Lichter löschen?“
Sie taten, wie ihnen geheißen und liefen von Monitor zu Monitor, bevor Marko den Lichtschalter umlegte und den Raum in Dunkelheit hüllte. Das hereinfallende Licht der Außenbeleuchtung warf jedoch noch genügend Helligkeit in dem Raum, um sich orientieren zu können.
„Los jetzt. Raus hier.“ Befahl Martina den beiden IT-Spezialisten.
„Was? Warum das denn?“ Markos Stimme war leicht gereizt.
„Weil ich mir sicher bin, dass ‚die‘ hier sind und wenn sie hier sind, dann wissen sie jetzt auch, dass wir hier drin sind. Wie gesagt: eine Rakete durchs Fenster und wir sind Geschichte. Wir brauchen einen sicheren, leeren Raum mit Fenster.“
„Wir können nach oben. Dort war die Kommunikationszentrale, bevor die dann in den Tower umgezogen sind. Dort ist alles leer und die Räume sind gesichert.“ antwortete ihr Alex, der langsam den Ernst der Lage begriff.
„Also los dann.“ Sie scheuchte die beiden vor sich her „Kann einer von euch mit einer Waffe umgehen?“
„Ich hab viele Jahre Counterstrike gespielt.“ Antwortete ihr Marko nicht ohne Stolz in der Stimme.
„Was soll das sein? Schützenverein? So etwas wie Gotcha?“ Während sie sprach, holte sie mit der freien Hand ihre Pistole heraus und reichte sie an Marko weiter, der sie ihr sogleich abnahm.
„Liegt ganz schön schwer in der Hand. Wie ziele ich damit?“
„Was meinst du damit? So wie man mit jeder Waffe zielt, über Kimme und Korn.“
„Kimme und Korn? Gibt es dafür keinen Reddot-Aufsatz?“
„Was willst du von mir? Hast du schon jemals eine Waffe in der Hand gehabt?“
„Nein, aber bei Counterstrike.“
„Und was soll das sein?“
„Ein … Computerspiel.“
„Ein was...? Verdammte Scheiße, gib mir die Pistole zurück, bevor du dich noch damit verletzt. Sag mal, seid ihr denn von allen guten Geistern verlassen? Hat einer von euch eine Waffenausbildung. So mit richtigen Waffen?“
Statt einer Antwort empfing sie nur Stille und es wurde kein Wort mehr gewechselt, bis sie ein Stockwerk höher in einem fast leeren Raum ankamen. Die Tür hatte ein Sicherheitsschloss, das mit einer von Alex‘ Karten entsperrt werden konnte. Gerade als die Tür aufschwang, hörte Martina hinter sich ein Geräusch. In einer Bewegung riss sie ihr Gewehr hoch und drehte sich dabei nach hinten. Vor ihr stand Ümmel.
„Mensch Carsten, was soll das? Du hast mich zu Tode erschreckt.“
„Tut mir leid, aber ich glaube, wir haben Besuch. Ich habe den Kontakt zu zwei Männern verloren.“ Entgegnete er ihr ernst. „Pass auf, ich hab was für dich.“
Mit den Worten öffnete er seine Tasche, zog das experimentale Gewehr aus MO1 heraus und reichte es Martina.
„Hier, das hat schon einmal einen von denen erledigt. Damit hast du eine bessere Chance, als mit dem Standardsturmgewehr.“
Als sie das Gewehr ergriff, beförderte er noch zwei Magazine aus seiner Tasche und gab sie an Martina weiter.
„Hier. Frag mich nicht, wo ich die her habe. Sagen wir so, ich schulde jetzt Jemanden einen großen Gefallen.“
Ungläubig starrte Martina auf das, was ihr der Kollege übergeben hatte  „Was ist das?“
„Munition, für das Gewehr. Die Handhabung des Gewehrs entspricht im Prinzip einem normalen Sturmgewehr, aber du wirst fast keinen Rückstoß spüren. Dafür hat das Geschoss selbst eine geradezu verheerende Wirkung auf den Angreifer. Ich würde gern noch mit dir plaudern, aber ich muss mich um die andern kümmern. Gute Idee übrigens mit dem Standortwechsel. Bleibt hier drin, ich komme euch später holen.“
Noch bevor sie sich bedanken konnte, war er schon wieder verschwunden. Kurz darauf hörte sie das heisere Bellen eines weit entfernten Sturmgewehrs. Sie waren da.

Kommentare:

  1. Guten Morgen,

    ich dachte eig. es hieße Reddot(-Visier) nicht Redspot. Ansonsten wie immer gut bis auf das Counterstrike-Klischee

    mfg Thex

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  2. Oh, stimmt. Und wegen dem CS-Klischee - ich wollt das absichtlich a bisserl durch den Kakao ziehen. Also das Klischee, dass CS-Spieler automatisch mit Waffen umgehen können. Ich fand das witzig, aber mein Humor ist ja eh so a bisserl... eigen. :)

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  3. Ist wahrscheinlich auch für die meisten witzig^^ Mein Humor ists halt net so, dafür find ich aber das Gesamtbild der nerdigen ITler gut :)

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