Montag, 15. August 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 56

Kapitel 56
Schüsse fegten herum, Panzerglasscheiben zerbarsten und Leute schrien. Marko und Alex hatten sich in einem fensterlosen Nebenraum verkrochen, während Martina krampfhaft versuchte, durch das geschlossene Fenster zu erkennen, was draußen vor sich ging. Einmal meinte sie wieder einen schwarzen Schatten über eins der Dächer huschen zu sehen und ein andermal sah sie grünes Licht, wie von einem Nachtsichtgerät, aufblitzen.
Mündungsfeuer sah sie nur von ihren Kollegen, womit für Martina feststand, dass die Angreifer offenbar alle mit den neuen Waffen ausgestattet waren. Wenn dazu noch die Anzüge so widerstandsfähig waren, wie Paul berichtet hatte, würden sie dann den Angreifern überhaupt etwas entgegenzusetzen haben? Könnte es nicht sein, dass sie hier und heute sterben würden? Ihre Gedanken wurden jäh unterbrochen, als das laute Geknatter eines Maschinengewehrs ertönte.
Weitere Fragen schossen ihr durch den Kopf. War das Ümmel? Woher stammte das Maschinengewehr? Eine zweite Salve ertönte und zeigte dieses Mal auch Wirkung. Wie aus dem Nichts fiel einer der schwarzen Schatten zu Boden und blieb bewegungslos liegen. Neben dem Körper breitete sich langsam eine größer werdende Blutlache aus. Das Maschinengewehr spuckte derweilen weitere Salven.
Martina wusste nicht, wo es aufgestellt war und sah auch nicht, von wo es abgefeuert wurde. Sie ging davon aus, dass es aus einem Fenster über ihr schoss. Wieder sah sie die Schatten und auch dem MG-Schützen konnten sie nicht entgangen sein. Trotzdem schwieg die Waffe. Entweder war der Schütze getroffen, oder die Angreifer hatten den möglichen Einsatzradius ausgelotet und beschlossen, sich außerhalb diesem zu bewegen.
Unter ihr splitterten Fenster. Im gesamten Erdgeschoss ertönten Feuerstöße. Die Angreifer hatten zum Glück nicht mitbekommen, dass sie schon längst die Räumlichkeiten gewechselt hatten. Im schlimmsten Fall würden sie nur die Rechner zerstören und damit das Überwachungsvideo. Ein kleiner Preis für ihr Leben, wie sie fand. Das Geräusch von splitterndem Holz erklang. Sie kamen in das restliche Gebäude.
Martinas Gedanken rasten. Sollten sie sich weiter in dem Zimmer verstecken, oder  wäre es besser, dass sie ihre Kollegen unterstützte. Warum hatte Carsten ausgerechnet ihr das Gewehr gegeben? Hätte es den Kollegen nicht bessere Dienste geleistet? Es musste mit Brunos Befehl zu tun haben. Sie war womöglich gar nicht hier, um die beiden IT-Spezialisten zu schützen, sondern, weil Carsten sie bewachen sollte.
Erstmals betrachtete sie das Gewehr genauer. Tatsächlich unterschied es sich von den Bedienelementen nur rudimentär von der Infanteriestandardwaffe. Alle Elemente waren da, wo man sie auch vermuten würde. Sie entsicherte das Gewehr und stellte auf Feuerstoß. Carsten hatte erwähnt, dass das Gewehr keinen Rückstoß hat. Damit war es auch im Feuerstoß-Modus treffsicher und sie konnte schnell gegen die Angreifer vorgehen.
So leise wie möglich zog Martina die Tür einen Spalt auf, kniete sich hin und sah in den dunklen Flur. Inzwischen hatten sich ihre Augen an das Zwielicht gewöhnt. Vier, fast mit der Umgebung verschmelzende, Schatten schlichen da nur wenige Meter von ihr entfernt. Einer von ihnen bemerkte die Tür und kam daraufhin in ihre Richtung. Sie hörte das Geräusch von splitterndem Holz. Nur wenige Zentimeter über ihrem Kopf waren Kugeln ausgetreten und ließen Splitter auf sie herabregnen. Ein Schussgeräusch hatte sie dagegen nicht wahrgenommen. Hätte sie aufrecht gestanden, wäre sie jetzt vermutlich schon tot.
Keine Zeit zu verlieren, jagte es ihr durch den Kopf. Fast lautlos feuerte sie eine Salve gegen den Angreifer. Erst dachte sie, sie hätte ihn verfehlt, doch im nächsten Moment brach er geräuschlos zusammen. Dann schlug sein Kopf mit dem Nachtsichtgerät auf dem gefliesten Boden auf und scheppernd schlitterte sein Gewehr von ihm weg. Noch bevor seine Gefährten reagieren konnten, feuerte Martina weitere Feuerstöße auf sie ab und schaffte es, drei von ihnen mindestens kampfunfähig zu schießen.
Der vierte Angreifer konnte sich in die Kaffeeküche retten. Die Kaffeeküche lag komplett im dunklen. Ein Vorteil für den Angreifer, den er vermutlich nutzen wollte. Wieder splitterte Holz und gerade als sie an die Wand zurückgewichen war, durchschlug die erste Kugel die Tür auf ihrer Höhe und bohrte sich in die hinter ihr liegende Wand. Ihr Herz raste förmlich und ihr Körper war voller Adrenalin.
So schnell es ihr möglich war, wechselte sie das Magazin der Waffe und überlegte, wie sie weiter vorgehen sollte. Drei von ihnen waren erledigt, eine ihr unbekannte Zahl an Angreifern befand sich noch im Gebäude. Sie waren mit Nachtsichtgeräten ausgestattet und ihr damit taktisch überlegen. Wieder trafen lautlose Schüsse die Tür und rissen Löcher in das feste Holz, konnten aber die Wände dagegen nicht durchschlagen. Sie konnte die Einschläge auf der anderen Seite hören, aber irgendetwas in der Wand hielt sie auf.
Martina dachte konzentriert nach. Sie befanden sich im ehemaligen Kommunikationszentrum. Ein gesicherter Raum. Mit verstärkten Wänden? Der Beschuss setzte wieder aus. Sie war kurz unschlüssig. Sie konnte jetzt hinausstürmen und die Beschaffenheit der gegenüberliegenden Mauer mit der Waffe in der Hand testen, oder sie wartete hier. Zu lange gewartet. Die nächste Salve verwandelte die Tür langsam in Sägemehl.

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