Dienstag, 16. August 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 57

Kapitel 57

Bevor die nächste Salve die Tür endgültig in Schrott verwandelte, wechselte Martina auf die andere Seite der Wand. Dort ging sie mit dem Sturmgewehr in Stellung und wartete. Sie vernahm das Maschinengewehr abermals Feuer und Blei auf die Angreifer spucken. Das Geräusch war ungleich lauter und hallte im Treppenhaus des Amtsgebäudes. Ein erneuter Feuerstoß und dann hörte sie Stimmen. Unter anderem erkannte sie Carstens Stimme, der seine Kommandos laut bellend von sich gab.

Jetzt ertönten auch Schüsse von Sturmgewehren. Die Gefechte tobten gleich nebenan und plötzlich zerbarsten die Reste der Tür. Gerade, als sie den Abzug durchdrücken wollte, erkannte sie Carsten. Er trug keinen Helm und in seinen Ohren steckten Lärm dämmende Ohrstöpsel, wie sie auch am Schießstand genutzt wurden, wenn nicht ein ausreichender Kapselgehörschutz vorhanden war.

„Alles klar hier?“ plärrte er ihr entgegen.

Anstatt den Versuch zu unternehmen, in seiner Lautstärke zu antworten, signalisierte sie ihm mit erhobenem Daumen, dass es ihr gut ging, als eine Explosion das Gebäude erschütterte. Carstens Gesichtszüge entgleisten förmlich, bevor er wieder nach draußen stürmte. Im Haus fielen offenbar keine Schüsse mehr, dafür hörte sie von draußen den Lärm einer Schießerei aufbranden.

Geduckt lief sie zum Fenster und konnte gerade noch sehen, wie eines der schweren Tore unter seinem eigenen Gewicht nach innen brach, und dabei nur knapp die Schleuse verfehlte. Dem Tor folgten die ersten Untoten und schon bald war die Schleuse randvoll gefüllt mit modernden Körpern. Auch wurde noch immer auf die Verteidiger gefeuert. Martina sah einen Kollegen im stummen Kugelhagel zusammenbrechen. Die schusssichere Weste wurde wie Papier durchsiebt.

Dann sah sie ihn. Auf dem gegenüberliegenden Dach hatte er sich verschanzt, so dass er von unten kaum zu sehen war, und er war nicht allein. Das Laservisier hatte seinen Begleiter verraten, der damit das Dach und die oberen Stockwerke nach potenziellen Zielen absuchte. Noch hatten sie sie nicht entdeckt. Martina zog das Fenster ein Stück weit auf und wartete. Als einer von den beiden sein Magazin wechseln musste, riss sie das Gewehr hoch, nahm den ersten ins Visier und drückte ab. Lautlos brach er zusammen.

Durch den fehlenden Rückstoß verriss das Gewehr nur minimal und so konnte sie sofort eine zweite Salve dem zweiten Angreifer hinterher jagen. Der jedoch hatte sich instinktiv auf den Boden geworfen und entging so den Kugeln um wenige Zentimeter. Noch während er nach Martina Ausschau hielt, feuerte sie ein weiteres Mal. Aus der Aufregung heraus versenkte sie jedoch die Kugeln in einem Dachaufbau.

Damit hatte sie dem anderen indessen genügend Zeit gegeben, ihre Position zu ermitteln. Blitzschnell jagte er eine schlecht gezielte Salve in ihre Richtung. Splitterndes Glas zwang sie dazu, ihre Position aufzugeben. Sie duckte sich unter dem zerborstenen Fenster weg und überlegte ihr weiteres Vorgehen, als dröhnend von oben Schüsse aufpeitschten. Aus ihrer neuen Position heraus hob sie ihren Kopf und konnte jetzt aus dem anderen Winkel sehen, dass inzwischen mindestens ein Kollege das Feuer auf den Angreifer eröffnet hatte.

Projektile schlugen neben dem unbekannten Angreifer ein. Einige trafen ihn selbst, konnten ihn aber nicht verletzen. Normale Munition vermochte nicht das Material des geheimnisvollen Kampfanzugs zu durchdringen. Als der Angreifer sich auf sein neues Ziel konzentrierte, fasste sie hastig einen Entschluss. Sie sprintete zu dem zerstörten Fenster zurück, legte an, atmete einmal tief durch und drückte ab. Fast schon gespenstisch lautlos schlugen die Kugeln in den Körper des Angreifers und zerfetzten seine Uniform, sowie das darunter liegende Gewebe.

So sehr sie auch ihre Augen anstrengte, konnte sie im Moment keine weiteren Angreifer mehr ausmachen. Stattdessen hörte sie Carsten schreien und sah Beamte, die über den Hof in die angrenzenden Gebäude liefen. Die Situation in der Schleuse war in der Zwischenzeit auch nicht besser geworden. Um nicht noch mehr Zeit zu verlieren, richtete sie ihr Gewehr auf die Untoten und drückte ab.

Die Munition fuhr durch die zerfallenden Körper wie ein heißes Messer durch Butter. Durch den schrägen Winkel trafen die Kugeln allerdings nur die vorn Stehenden in den Kopf. Statt genauer darüber nachzudenken, jagte sie Schuss für Schuss in die Meute, bis das Magazin leer geschossen war. Jetzt hörte sie das Maschinengewehr wieder. Wie eine Säge mähte die Salve durch den abgetrennten Bereich und riss die verfaulenden Körper förmlich auseinander.

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