Mittwoch, 17. August 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 58

Kapitel 58
Die erste Welle konnten sie erfolgreich abwehren, aber schon drückten die Nächsten von draußen nach. Irgendetwas musste die Zombies angelockt haben und sorgte dafür, dass immer mehr von ihnen kamen. Allein die Explosion kann es nicht gewesen sein. Hier passierte die gleiche Scheiße wie in der Maillinger Straße, mit dem Unterschied, dass sie hier ein bisschen besser vorbereitet waren.
Wieder ratterte das Maschinengewehr los und hämmerte durch die ausgemergelten Körper. Die von hinten Nachrückenden schoben die zerfetzten Körper wie einen Schutzschild vor sich her und bewegten sich dabei weiter in die Schleuse hinein. Ein Kollege hatte auf dem Dach gegenüber Position bezogen. Er gab mit seiner Lampe ein Signal. Im nächsten Moment strömten sechs Beamte in den Innenhof, die sich neben der Schleuse positionierten und mit ihren Sturmgewehren die Zombies ins Visier nahmen, die hinter dem wachsenden Leichenberg nach vorne drückten.
Die Schleusen waren drei Meter hoch. Eigentlich hoch genug. Wenigstens solange, bis sich darunter nicht die Leichen stapelten und so eine Rampe für die sich noch bewegenden Toten bilden konnten. Das Maschinengewehr war mittlerweile verstummt und weiter schoben von hinten neue Untote nach. Sie pressten die jetzt wirklichen Leichen gegen die Gitterstäbe und arbeiteten sich so selbst nach oben. Vor den Gitterstäben breiteten sich übel riechende Körpersäfte aus. Einer der nahe am Gitter stehenden Beamten übergab sich lautstark und wandte sich von der Schleuse ab.
Dann sah Martina Carsten über den Hof hasten, den Flammenwerfer umgeschnallt. Statt den vorderen Leichenberg in Brand zu stecken, lief er um den Berg herum jagte von  ganz hinten einen Feuerstrahl in Kopfhöhe nach draußen. Fast eine Minute lang spuckte er Feuer und Verderben in die Ansammlung Untoter, bis es ihm im wahrsten Sinn des Wortes zu heiß wurde.
Diejenigen, die schon länger auf Wanderschaft gingen und daher schon stark ausgetrocknet waren, brannten wie Zunder. Rings um die Schleuse breitete sich schnell das Feuer aus, griff auf andere Untote über und versengte diese, konnte sie aber nicht aufhalten. Die, die vorne zusammengebrochen waren, brannten weiter und bildeten eine Flammenwand. Nachfolgende Zombies ließen sich davon nicht aufhalten, verbrannten ihre verwesenden Füße und Körper, aber nur in wenigen Fällen das Gehirn. Carsten hatte eine Bresche geschlagen und ihnen damit Zeit verschafft, aber immer noch zu wenig Zeit.
Der Beamte auf dem gegenüberliegenden Dach rief Carsten etwas zu. Martina konnte nicht verstehen, worum es ging, aber der Mann hielt etwas hoch. Aus der Entfernung war es schwer abzuschätzen, aber Martina schätzte den Gegenstand auf maximal 50 cm Länge und ungefähr halb so breit. Soweit sie es erkennen konnte, ragte irgendetwas aus dem Kasten heraus, Antennen nicht unähnlich.
Carsten schrie zurück und im nächsten Moment machte sich ihr Kollege an dem Kasten zu schaffen. Nach nicht einmal einer Minute warf er Carsten etwas zu und dieser zog sein Funkgerät aus der Tasche. Erst jetzt bemerkte Martina, dass sie bisher nicht einmal auf die Idee gekommen war, ihr Funkgerät zu nutzen. Sie hörte nun Carstens Stimme und fühlte sich gleich besser.
„Die Funkverbindung ist wieder hergestellt, Markus hat den Störsender deaktiviert. Stefan, sofort Notruf an die Zentrale abgeben, wir brauchen hier schweres Geschütz. Martin, überprüfen, ob das Lautsprechersystem funktioniert und aktivieren. Hans und Peter, aufs linke Dach, Josef aufs Rechte. Alle anderen rein und Türen verrammeln. Sammelt die Gewehre von den Attentätern ein und nutzt sie gegen die Zs. Los jetzt. Aus“
Sofort setzte rege Betriebsamkeit ein. Beamte liefen über den Hof, Bestätigungen kamen über Funk und Feuerstöße jagten von den Dächern auf die nachrückenden Zombies. Stefan bestätigte Rückmeldung aus der Zentrale und das Eintreffen von Verstärkung in 60 Minuten. Martina wusste nicht, ob sie noch 60 Minuten hatten. Noch konnten die Zombies nicht die Schleuse überwinden, und noch konnten sie die nachrückenden Untoten in Schach halten. Aber schon bald würden ihre Reihen wieder geschlossen sein und dann würden sie wieder unaufhaltsam in den Hof strömen. Wie lange könnten die verrammelten Türen sie dann noch stoppen?
Statt jetzt weiter darüber nachzudenken, und damit wertvolle Zeit zu vergeuden, entleerte Martina ihr letztes Magazin entschlossen in die Köpfe der Untoten. Gerade, als sie das für sie nutzlos gewordene Gewehr ablegen wollte, fielen ihr die niedergeschossenen Angreifer im Flur wieder ein. Nur mit der Pistole im Anschlag rannte sie hinaus und fand sie wie zuvor am Boden liegen. Das erste Mal sah sie sich die Angreifer genauer an. Das Gesicht war hinter einer Maske versteckt. Über die Augen war das extrem kompakte Modell eines Nachtsichtgeräts gezogen. Den Kopf schützte ein Helm und der ganze Körper war von der restlichen Uniform bedeckt.
Das Material sah aus, wie die Haut einer Schlange, und verschmolz im Dunkeln fast mit der Umgebung. Nur die Einschusslöcher setzten sich ab und erzeugten ein Gefühl für die Masse der Körper. Vorsichtig entfernte sie als erstes das Nachtsichtgerät und betrachtete sich genauer die darunter liegende Maske. Sie war so dunkel wie der Anzug, wirkte aber trotzdem wesentlich massiver. Sie zog einen ihrer Handschuhe aus und strich mit einem Finger die Ausbuchtung für die Nase entlang.

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