Donnerstag, 18. August 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 59

Kapitel 59
Das Material fühlte sich kühl, hart und glatt an, als sie jedoch von der Nasenspitze zurück strich wirkte es dagegen rau wie Schmirgelpapier. Vorsichtig hob sie die Maske am Kinn etwas an und schob sie nach oben. Tote Augen starrten sie an. Die Augen einer Frau. Martina schätzte sie auf Anfang 30. Eine rote Haarsträhne lag über der Stirn. Die Gesichtszüge waren sanft und fast hätte man die Frau als hübsch bezeichnen können.
Da war aber noch das Ausdruckslose in dem Gesicht, der stumpfe Blick in den Augen. Es schien, als wäre der Angreiferin ihr eigener Tod egal gewesen. Martina strich an dem Anzug entlang, bis an die Stelle, die von einer ihrer Kugeln aufgerissen wurde. Die Oberfläche fühlte sich wie die Maske an, war aber dennoch wesentlich flexibler. Sie lag fast wie eine zweite Haut am Körper an. Wie eine Schlangenhaut, dachte Martina wieder und konnte sich nicht mehr von dem Gedanken lösen.
Vielleicht waren sie das auch. Wie Schlangen pirschen sie sich fast lautlos an ihre Opfer heran, bevor sie ihnen ihre Giftzähne ins Fleisch rammen. Oder ihre neuartige Munition. Die von der Kugel beschädigte Stelle war nicht ausgefranst. Viel mehr sah es so aus, als würde dort eine Schuppe fehlen, die sauber aus der Reihe herausgebrochen worden war. Woraus auch immer der Anzug bestand, es war mit Sicherheit kein normales Gewebe.
Von draußen drangen nun wieder Schreie herein und Martina riss sich von dem Anblick los. An der Koppel waren Magazintaschen angebracht, aus denen sich Martina großzügig bediente. Sie fand vier volle Magazine und eines, welches durch Einschüsse beschädigt wurde. Sie nahm es trotzdem mit. Wenn auch das Material beschädigt war, die Munition war sicher noch zu gebrauchen. So gerüstet sprintete sie zum Fenster zurück und wäre fast mit Alex zusammengestoßen, der sich todesmutig aus seinem Versteck gewagt hatte. Erschrocken sprang er zurück.
„Was passiert hier?“ stammelte er.
„Hier ist quasi die Hölle los. Geh mir aus dem Weg.“ Schnaubte ihn Martina an und schob ihn mit dem Lauf des Gewehrs zur Seite.
Ohne sich weiter um den Mann zu kümmern, stürmte sie zum Fenster und richtete ihr Gewehr hinaus. Es dauerte einige Sekunden bis sie begriff, dass inzwischen die ersten Untoten in den Hof gelangt waren. Sie fielen einfach von oben von der Schleuse herab und klatschten auf den harten Boden. Einige blieben liegen, andere erhoben sich und wankten sofort auf die um sich schießenden Polizisten zu. Dumpf bellte das Maschinengewehr und holte die erste Welle von den Füßen.
Sie sah aus einem Fenster im Erdgeschoss das Mündungsfeuer des Gewehrs, das verheerend in den Reihen der Untoten wütete. Unterstützt wurde der Schütze durch weitere im Erdgeschoss positionierte Beamte, die teils mit ihrem G36, teils mit erbeuteten Waffen gegen die hereinbrechende Flut der Untoten ankämpften. Um den Strom an der Quelle schneller versiegen zu lassen, schloss sie sich den Kollegen auf den Dächern an, die versuchten die Angreifer noch vor der Schleuse zu erledigen.
Obwohl sie Magazin um Magazin in die Masse entleerte, kamen für jeden endgültig Toten gefühlt zehn neue Zombies nach. Sie wurden nicht nur hier her gelockt, sie wurden direkt von irgendetwas angezogen. Oder getrieben. Konnte es sein, dass sie vor etwas flüchteten? Unwahrscheinlich. Sie kannten ja keine Angst. Dann musste etwas hier sein, was sie anzog wie Motten vom Licht angezogen wurden. Martinas Gedanken rasten. Nachdem sie wieder ein Magazin leer geschossen hatte, griff sie zu ihrem Funkgerät.
„Hier ist Martina, Carsten bitte kommen.“
„Hier Carsten, ich habe gerade zu tun. Bitte kommen.“
Carsten war nur schwer und sehr abgehackt zu verstehen. Im Hintergrund hämmerte das MG Feuerstoß um Feuerstoß auf die Angreifer.
„Ich glaube, irgendetwas ist hier, was sie anlockt. Diese Typen in den schwarzen Anzügen haben uns ein Andenken hier gelassen und das lockt die Dinger da draußen an. Bitte kommen.“
„Was meinst du mit irgendetwas? Wir können hier schwer nach irgendetwas suchen. Wir haben hier gerade – verdammt da drüben, nach links – wo war ich, ach ja, wir haben hier gerade ein kleines Problem. Bitte kommen.“
„Das Problem wird nicht kleiner werden, wenn wir die Quelle dessen, was sie hier her lockt, hier nicht rausbekommen. Bitte kommen.“
„Warum denkst du, dass hier etwas sein muss und vor allem, nach was sollen wir suchen? Bitte - verdammt, rechts rüber, da, die Gruppe. Bitte kommen.“
„Weil es so viele sind. Du weißt selber, dass man sie selbst mit den Lautsprechern nur bedingt zusammentreiben kann. Ich glaub schon, dass hier irgendwas ist, was sie anzieht. Vielleicht in dem Störsender. Bitte kommen.“
„Im Störsender? O.k.! Markus! Bitte kommen.“
Es dauerte kurz, dann mischte sich eine dritte Stimme in das Gespräch.
„Hier Markus. Bitte kommen.“
„Schau dir sofort den Störsender an, achte auf was Außergewöhnliches. Öffne das Ding und zieh alle Kabel raus. Mach irgendwas damit. Bitte kommen.“
„Gebt mir ein paar Minuten. Bitte kommen.“
„Verstanden. Martina? Bitte kommen.“
„Hier Martina, in Ordnung. Ende.“

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