Samstag, 20. August 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 61

Kapitel 61
„Du willst da wirklich runter?“ Markus konnte kaum glauben, was ihm Martina da eben mitteilte.
„Nein, von wollen kann keine Rede sein, aber ich glaube, dass das unsere einzige Chance ist. Ich glaube, mit der Uniform kann ich mich unerkannt zwischen ihnen bewegen und wenn ich das Paket nur weit genug von uns weg bekomme, haben wir wesentlich bessere Chancen, aus der Scheiße hier raus zukommen.“ Beharrte sie auf ihrer Idee.
„Vielleicht hast du Recht. Können wir dich irgendwie unterstützen?“
Sie überlegte kurz und dachte, dass er sie von hier bequem im Helikopter wegbringen könnte. Stattdessen antwortete sie nur „Nein, das muss so gehen. Kümmert ihr euch um die, die es rein geschafft haben.“
„Und wie willst du nach unten zur Schleuse kommen? Der Weg dahin ist voller Hindernisse.“
Plötzlich erkannte sie, dass sie eine winzige Kleinigkeit übersehen hatte. War ihr ihr Plan bis eben noch ganz gut vorgekommen, wurde sie jetzt etwas unsicher.
„Das ist noch eine kleine Schwachstelle in meinem Plan.“ Gab sie kleinlaut zu.
„Sollten wir das Ding hier nicht einfach zerstören?“ warf der zweite Kollege auf dem Dach ein.
„Nein. Die, die jetzt schon da sind, würden nicht einfach gehen und wir wissen nicht, was da noch drin ist. Ich bin fürs wegbringen und ich weiß jetzt auch wie.“
Sie sah zur Schleuse hinüber, die genau zwischen zwei Gebäuden lag. Sie befanden sich auf einem davon. Ohne lang zu überlegen, lief sie einfach los. Sie rannte bis zur Kante des Gebäudes, warf den Kasten in die Schleuse und sprang todesmutig hinterher. Gerade als sie dachte, dass sie gleich im Gestank der Untoten baden würde, fiel ihr auf, dass sie überhaupt nichts roch. Die Maske wirkte offenbar wie ein Geruchsfilter und hielt den Leichengeruch von ihr fern. Als sie in die tote Masse eintauchte, wusste sie aber, dass sie der Geruch sicher für einige Wochen verfolgen würde, sobald sie die Maske wieder abnahm.
Leichenteile schlugen über ihr zusammen und Körpersäfte benetzten ihren Anzug, als sie in den Leichenberg einschlug. Tote Hände schlugen vor ihr Gesicht und mit ihrer Hand blieb sie in etwas stecken, was sie gar nicht wissen wollte. Dem Anzug hatte sie es zu verdanken, dass sie nichts davon spürte. Sie nahm zwar den Widerstand wahr, nicht aber die Konsistenz der untoten Masse.
Wühlend kämpfte sich Martina zum Störsender durch, griff sich das Gerät und erschrak, als sie unerwartet in die stumpfen Augen eines Zombies blickte. Unsicher stand er vor ihr. Dann schnellte ruckartig sein Kiefer vor und verbiss sich in ihre Schulter. Nichts davon drang durch den Anzug und nur mit einem Rempler schüttelte sie den lästigen Angreifer einfach wie ein Insekt ab. Irritiert griffen die Hände des Zombies durch die Luft.
Ohne lange abzuwarten setzte sich Martina mit dem Kasten von dem Leichenberg ab, schubste dabei nachfolgende Untote aus dem Weg und stieß vor der Schleuse auf eine Mauer aus Untoten. Schlagartig kam ihr die eigene Idee ziemlich dumm vor. Sie allein gegen Tausende von denen. Trotzdem rannte sie kurzentschlossen wie ein Footballspieler auf die Reihe der Untoten zu, bahnte sich einen Weg hindurch und merkte, wie sie nach ihr griffen.
Ihr Polizeioverall geriet ihr nun zum Nachteil, bot er doch genügend Fläche, um an ihr zu zerren, während die darunter liegende neue Uniform wesentlich weniger Grifffläche bot. Noch konnte sie sich den Zugriffen entziehen, aber schon bald kam ihr Vorwärtsdrängen zum erliegen. Von überall her strömten die Untoten zielstrebig auf sie zu und griffen nach ihr. Um sich besser zur Wehr setzen zu können, stellte sie die Apparatur kurzerhand runter und rang dann die am nächsten stehenden Kreaturen zu Boden.
Mit der freien Hand setzte sie ihr Sturmgewehr an und jagte auf Kopfhöhe Salve um Salve auf die heran torkelnden Gestalten. Die schienen sich aber inzwischen weniger um Martina selbst zu kümmern, als vielmehr auf den Kasten zu konzentrieren. Untote Klauen betasteten den Sender und ein anderer testete die Beißkraft seiner Zähne an dem Metall. Mit einem knackenden Geräusch brachen die Zähne aus seinem Kiefer und lagen nun auf der glatten Oberfläche.
Jetzt verstand sie. Tatsächlich wurden die Zombies von etwas in dem Kasten angezogen und wahrscheinlich hatten die Aggressoren dieses auch schon vor dem LKA genutzt. Aber noch war es der Kasten zu nah an den Gebäuden. Was auch immer sie daran anzog, konnte innerhalb kurzer Zeit zuneige gehen und danach würden sich die Zombies wieder gegen die Polizisten wenden. Das konnte sie nicht zulassen. Mit einigen gezielten Salven schuf sie einen schmalen Korridor.
Mit Anlauf nahm sie das Gerät wieder auf und nutzte die Sekundenbruchteile, bevor sich der Korridor wieder schließen würde. Ihre Füße stapften durch totes Fleisch und irgendetwas hing an ihrem Stiefel. Sie ignorierte das Hindernis so gut es ging und hoffte, dass es sie nicht zum Stolpern bringen würde. Wäre sie erst einmal am Boden, würde sie vielleicht nie wieder aufstehen können. Wieder rammte sie den ersten im Weg stehenden Untoten zur Seite. Diesmal setzte sie den Apparat als Waffe ein, schlug damit aus dem Lauf heraus auf den nächsten Zombie und verwandelte seinen Kopf in eine breiige Masse.
Geduckt und mit den Ellbogen voraus kämpfte sie sich weiter durch, sah die Arme, die nach ihr griffen, sah die stumpfen toten Augen und hörte ihr kehliges Stöhnen, das tönte wie der Klagegesang des Todes. Nichts durfte sie aufhalten. Etwas hielt ihren Fuß fest und sie wäre sicher zu Boden gestürzt, hätten nicht die vor ihr stehenden Gestalten ihren Fall aufgehalten. Ein Blick nach unten offenbarte einen Schleicher, dem der komplette Unterleib fehlte. Gedärme hingen aus seinem Oberkörper und sahen aus, als hätte er sie schon wochenlang hinter sich her geschleift.

Kommentare:

  1. Hervorragend!
    Deine Geschichte entwickelt sich wirklich gut.

    Die SiFi Dosierung zu den Anzügen und Waffen ist genau richtig.

    Weiter so!

    Weiter so!

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  2. Hast du dich heute von Kapitel 21 bis 65 durchgeackert? Respekt. :)

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