Sonntag, 21. August 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 62

Kapitel 62
Ein wuchtiger Tritt mit dem Stiefel zerquetschte den Kopf des Schleichers und die Hände um ihren anderen Fuß erschlafften. Obwohl sie nur Sekunden benötigte, hatte sie wichtige Zeit verloren. Erneut war der Ring um sie enger geworden und sie hatte jetzt keinen Platz mehr um Schwung zu holen. Mit der freien Hand zog sie ihre Pistole und sorgte dafür, dass die 13 Kugeln für 13 der Angreifer tatsächlich zur Unglückszahl wurden. Über die toten Körper hinweg kämpfte sie sich Schritt für Schritt nach vorne.
Gerade als sie dachte, sie würde nur im Kreis laufen und gleich wieder vor der Mauer des LKAs stehen, erkannte sie das Ende der Maillinger Straße. Die Menge lichtete sich etwas. Noch immer war die Dichte der Meute weit überdurchschnittlich, aber es wurde besser. Martina atmete unter ihrer Maske durch und war über den eingebauten Geruchsfilter erneut hocherfreut. Viel Zeit durchzuatmen blieb ihr indes nicht, denn schon schlurften alle Zombies direkt auf sie zu. Sie musste sie abhängen.
Vor ihr ging es in die Deroystraße. Dort lag vor dem Krieg das Finanzamt. Das Gebäude wurde damals rechtzeitig geräumt und wenn sie Glück hatte, würde es auch noch jetzt verschlossen sein. Mit unverminderter Kraft arbeitete sich die Beamtin durch die Menge, rammte ihren Ellenbogen in Gesichter und spürte dabei nur den Widerstand. Alles andere wurde von dem Material aufgefangen. Dadurch angestachelt legte sie mehr und mehr Kraft in ihre Schläge, bis sich die Anstrengungen trotz Adrenalinzufuhr bemerkbar machten.
Zuerst fiel es ihr noch nicht richtig auf, aber bald schon mangelte es an vorzeigbaren Resultaten. Wo zuvor noch Kiefer splitterten und vermoderte Muskeln rissen, passierte nun nicht mehr viel. Ihre Kraftreserven waren aufgebraucht. Unmöglich für sie zu bestimmen, wie lange sie schon durch die Hölle ging.  Abrupt blieb sie stehen. Von einer urplötzlichen Panikattacke überwältigt wurde sie sich ihrer eigenen Verwundbarkeit bewusst. Wellen der Panik rasten über sie hinweg, während sie die auf sie zu wankenden Gestalten beobachtete.
Mühsam zwang sich Martina endlich weiterzugehen und schaffte es tatsächlich, ihre Panik zu unterdrücken. Statt um sich zu schlagen, ging sie wieder mit dem Ellbogen voran und als sie schon gar nicht mehr daran glaubte, hatte sie die Menge hinter sich gelassen. Rechts von sich sah sie das ehemalige Finanzamtsgebäude und hielt direkt darauf zu.
Die Tür war verschlossen. Natürlich. Die Fensterscheibe hatte dem Gehäuse des Störsenders aber nichts entgegenzusetzen und fiel splitternd aus dem Rahmen. Statt die herausragenden Glassplitter zu beseitigen, schwang sich Martina einfach darüber hinweg. Ihre Polizeiuniform wurde dabei an einigen Stellen in Mitleidenschaft gezogen, aber der Spezialanzug hielt immer noch.
Nur kurz konnte Martina Luft holen, weil bereits die ersten Kreaturen am Fenster standen und sich bemühten, durch das Glas in den Raum zu gelangen. Schon bald würden sie das Gebäude umstellt und alle Ausgänge blockiert haben. Ihr blieb daher nicht viel Zeit. So schnell sie konnte verließ sie das Zimmer und eilte den Gang hinab, ignorierte aber alle Büroräume und begab sich stattdessen ins Treppenhaus.
Erschöpft kämpfte sich die Beamtin Stockwerk um Stockwerk nach oben, bis sie endlich die oberste Etage erreicht hatte. Dort legte sie den Sender ab und lief den Flur entlang. Ihre Lenden schmerzten und ihre Lungen pochten, aber sie hatte keine andere Wahl. Wie erhofft fand sie auf der anderen Seite des Flurs ein weiteres Treppenhaus und machte sich schnell wieder auf den Weg nach unten. Im untersten Flur angekommen waren wie von ihr schon vermutet die Untoten bereits in das Gebäude geströmt.
Noch stellte die Tür zum Treppenhaus für die Masse der Untoten ein Hindernis dar, aber schon bald würde ihr Druck ausreichen, die Glasscheiben zerbersten zu lassen. Unbemerkt ging Martina zum Ende des Flurs. Was auch immer von dem Sender ausging, die daraus entstehende Begierde für die Untoten war offenbar so stark, dass sie sich nicht mehr weiter um das kümmerten, was sonst so um sie herum passierte.
Am Ende des Flurs fand die Beamtin einen unverschlossenen Raum, huschte hinein und sah aus dem Fenster. Noch war der Platz davor leer. Die kurze Auszeit nutzend lud sie ihre Waffen durch, kontrollierte ihre Munition und atmete tief durch. Dann nahm sie Anlauf, und der Kraft ihres Anzugs vertrauend, sprang sie ab. Seitwärts knallte sie durch die Scheibe. Während ihre Polizeiuniform mittlerweile nur noch in Fetzen an ihr herabhing, dämpfte der darunter liegende Anzug alles ab, was Schmerzen verursachen könnte. Auch als sie sich vor dem Fenster auf dem Boden abrollte, drang vom Aufprall nichts zu ihr durch.
Vor dem vorderen Teil des Gebäudes hatte sich bereits eine riesige Traube von Zombies gebildet. Mehrere Fensterscheiben waren zu Bruch gegangen, nicht lange und das Erdgeschoss würde komplett überlaufen sein. Über die Parkplätze und dem daneben liegenden freien Feld entfernte sich Martina jetzt von dem ehemaligen Finanzamt. Vereinzelt kamen ihr zwar Untote entgegen, die sie aber komplett ignorierten und stur dem Köder folgten.
Ihr fiel ein Stein vom Herzen. Noch immer wachsam, aber wesentlich gelöster, machte sie sich auf den Rückweg. Dazu wählte sie den Weg, der hinter dem LKA verlief, um anschließend von Norden aus wieder zum Haupteingang zu gelangen. Die große Masse der Untoten war sicher auf der Straße vor dem Haupteingang und würde nach Süden Richtung Finanzamt abwandern. Das gab ihr genügend Zeit. Endlich.

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