Donnerstag, 25. August 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 66

Kapitel 66

Horsts Ruhe war dahin. Das Trommelfeuer der gegen den Wagen schlagenden Körperteile hatte ohrenbetäubende Ausmaße angenommen, aber noch hielten die verstärkten Türen. Die Wände hatten dagegen schon sichtbaren Schaden genommen. Durch die Wucht der untoten Masse schwang der Wagen hin und her. Horst hatte zumindest damit Recht behalten, dass durch den Angriff von beiden Seiten ein Kippen des Waggons verhindert wurde.
„Scheiße, scheiße, scheiße. Das dürfte eigentlich gar nicht passieren.“, schrie Horst über den Lärm hinweg.
„Was meinst du?“
„Na das hier. Warum versammeln die sich nur um uns und warum fährt der Zug nicht weiter?“ Horsts Stimme hatte einen verzweifelten Unterton angenommen.
„Das ist doch jetzt egal. Viel wichtiger ist, was wir dagegen unternehmen.“, brüllte Paul zurück.
„Nein, das ist eben nicht egal. Hör mal … ach vergiss es. Wir müssen hier weg.“
„Soweit war ich auch schon. Vorschläge?“
„Die Fenster.“
„Da sind Gitter davor.“
„Ja, das sehe ich auch. Dann reißen wir das halt runter. Aus dem Fenster und dann hinauf aufs Dach und von da nach vorne zur Lok.“
„Die Gitter sind verschraubt, Einstein“ Paul schaute Horst zweifelnd an.
„Dann müssen wir eine andere Möglichkeit finden hier rauszukommen. Lass uns sämtliche Abteile durchsuchen. Vielleicht finden wir was.“
„Und was stellst du dir da vor?“
„Eine Luke, ein Dachfenster. Na irgendwas. Vielleicht können wir zum nächsten Waggon durchbrechen.“, schlug Horst vor.
„Ok, angenommen wir bekommen die Zwischentüren auf. Was dann?“
„Dann fahren wir davon.“
„Super Idee, Horst. Kannst du denn einen Zug fahren?“
„Ach komm, so schwer kann das nicht sein. Ich hab Hans und Khalil über die Schulter gesehen. Das schien mir jetzt kein Hexenwerk.“
„Und weiter? Fahren wir einfach drauf los und hoffen, dass wir richtig rauskommen?“
„Ist doch egal. Wichtig ist, dass wir hier wegkommen. Ewig hält der Wagen dem Ansturm auch nicht stand.“
Wie zur Bestätigung ging ein Krachen durch das Abteil. Teile der Außenverkleidung hatten sich gelöst und wurden sogleich von untoten Händen abgerissen.
„Scheiße Paul, wir haben schon zu viel Zeit durchs Palavern verloren. Wir müssen hier ganz schnell raus. Die werden alles unternehmen, um hier reinzukommen.“, flehte Horst seinen Freund an, der schließlich einlenkte.
Hunderte Untote hatten den Wagen von allen Seiten eingekreist und jeder einzelne davon wollte unter allen Umständen in den Waggon hinein gelangen. Sich im Abteil zu verschanzen galt nicht länger als Option und auch Paul musste sich jetzt eingestehen, dass alles besser war, als hier zu verharren und einfach nur abzuwarten. Horst war schon losgelaufen und untersuchte auf eigene Faust die anderen Abteile des Wagens.
Ohne weiter abzuwarten ging Paul zum Ende des Waggons und besah sich den Übergang zum nächsten Wagen. Wie alle anderen Türen auch war sie vergittert und von innen nicht ohne weiteres zu öffnen. Er kannte sich nicht so gut mit Zügen aus, aber das Modell hier funktionierte irgendwie mit Druckluft. Beim Öffnen der Türen ging ein Zischen durch das Abteil, das für diese Art Züge typisch war. Die zusätzliche Innenverriegelung war dagegen kein Problem.
Hinter ihm huschte Horst in die nächste Kabine und sein Gesicht wirkte dabei noch besorgter als zuvor. Die Druckluft wurde zentral von der Lok aus gesteuert. Ein lose abstehender Deckel erregte Pauls Aufmerksamkeit. Mit dem Gewehrkolben schlug er von oben dagegen, bis dieser sich vollständig löste und den Blick auf die Druckluftversorgung des Waggons offenbarte. Sobald er diese unterbrach, würden sich sämtliche Türen öffnen, nur noch gehalten durch die innere Verriegelung.
Dann stünden sie noch immer vor der anderen Tür, deren Verriegelung sich nur von der anderen Seite lösen ließ. Was dann? Ein paar Schüsse und die Hoffnung, damit die Verriegelung und das Druckluftsystem zu treffen? Sie wären nur einen Waggon weiter. Dann noch ganze neun bis zur Lok. Sofern sich der Pulk ausschließlich weiter auf den letzten Waggon konzentrieren würde, könnten sie nach draußen und nach vorne laufen. Wenn die Lok allerdings versperrt wäre, hätten sie ein Problem.
Noch während Paul die weiteren Schritte in Gedanken durchging, tauchte Horst hinter ihm auf.
„Scheiße, ich hab nichts gefunden. Was ist mit der Tür?“
„Funktioniert mit Druckluft und wird hier für den ganzen Wagen gesteuert. Damit gehen auch die anderen Türen auf.“
„Und wenn schon. Die Verriegelung hält ohnehin mehr aus, als das Druckluftsystem.“
„Und der nächste Wagen?“
„Die sind doch nur druckluftgesichert. Das sind reine Transportwaggons. Wer sollte die auch von innen verschließen?“

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