Freitag, 26. August 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 67

Kapitel 67
Während Paul mit dem Druckluftventil experimentierte, verabschiedete sich eine weitere Seitenverkleidung des Waggons und an einer Stelle konnten die Zombies eine Spalte ins Innere des Waggons schlagen. Aufgeschreckt durch den Lärm sprang Horst auf, suchte die Lücke und fand schließlich in einem Abteil ein Loch, durch das sich gerade der erste Untote zwang. Schnell hatte er sein Sturmgewehr in Anschlag gebracht und beendete mit einem gezielten Schuss das untote Leben des Eindringlings.
Mit einer fließenden Bewegung war das Gewehr wieder gesichert und übergehängt. Aus seiner Tasche beförderte er einen Kabelbinder, mit dem er die Tür des havarierten Abteils verschloss. Zwei weitere Kabelbinder würden die Tür soweit sichern, dass eher noch die Glasscheiben nachgaben, als die Tür selbst. Ohne einen weiteren Blick zurückzuwerfen, rannte er wieder zu Paul, der gerade den richtigen Hebel erwischt hatte, denn im ganzen Abteil war, noch über den Lärm der Zombies hinweg, das Zischen entweichender Druckluft zu hören.
Die Innenverriegelung war schnell gelöst und nun stand Paul etwas ratlos vor der verschlossenen Tür zum Nachbarabteil.
„Aufziehen!“, rief Horst und stellte sich daneben, um ihn dabei zu unterstützen.
Zusammen zerrten sie an der Tür und tatsächlich konnte die Druckluft der Kraft zweier Männer nicht standhalten und gab soviel frei, dass sich ein erwachsener Mann hindurchzwängen konnte. Zuerst warf Horst ihre beiden Rucksäcke hindurch, bevor er sich unter Pauls Armen durchquetschte und sich dann von innen gegen die Tür stemmte. Schnell glitt auch Paul durch die Öffnung und mit einem Knall schloss sich die Tür hinter dem Polizeihauptmeister wieder.
Ohne zu zögern hasteten sie weiter, lasen unterwegs ihre Rucksäcke auf, kämpften sich sodann durch die Ladung des Transportwaggons und fanden sich am anderen Ende des Wagens wieder. Die Untoten waren ihnen nicht gefolgt, sondern kämpften noch immer mit dem letzten Wagen. Irgendetwas an dem Wagen zog sie magisch an, aber es waren offenbar nicht die beiden Beamten, wie Paul klar wurde.
Sie mussten die Gelegenheit nutzen. Die Druckluftsteuerung war, wie schon bei der anderen Tür, an derselben Stelle und diesmal löste Paul geschickter den Druck. Mit einem Ruck sprangen die Türen nach draußen auf. Es galt keine Zeit zu verlieren. Mit angezogener Waffe hetzten sie aus dem Zug, hinaus auf das offene Feld. Würden sie hier attackiert werden, hätten sie keine Chance. Noch zogen sie aber kein Interesse auf sich. Die ganze Aufmerksamkeit der Untoten galt weiterhin ganz allein dem letzten Waggon.
Paul wunderte sich darüber, fand aber keine Erklärung für das seltsame Verhalten der Untoten. Er hatte auch keine Zeit darüber nachzudenken, denn schon lief Horst voraus in Richtung der Lok. Nur vereinzelte Untote kreuzten ihren Weg. Zu Wenige, um das Risiko einzugehen, mit dem Sturmgewehr ungewollte Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Stattdessen nutzte Horst das Gewehr, um die lebenden Toten von sich wegzustoßen.
Es würde sie zwar nicht lange aufhalten, aber doch lange genug, um gefahrlos an ihnen vorbei zu kommen. Bei der Lok angekommen fanden sie diese unverschlossen vor. Die Tür stand sogar offen. Noch bevor Paul etwas sagen konnte, war sein Freund schon den Einstieg nach oben gesprungen und ging mit seiner Waffe im Anschlag weiter in die Lok hinein. Paul haderte noch kurz, eilte dann aber rasch hinterher, als er die heran torkelnden Untoten bemerkte.
Die Lok war leer, nur Horst stand rätselnd vor den Bedienelementen. Um die Einsamkeit weiter zu gewährleisten, zog Paul die Tür hinter sich zu und besah sich dabei das Schloss. Es wies keine Spuren eines gewaltsamen Eindringens auf, es musste demnach von innen geöffnet worden sein. Laut hörbar rastete es jetzt wieder ein und schottete sie gegen das draußen liegende Grauen ab.
„Was ist jetzt? Bekommst du das Ding in Gang?“
„Ich weiß nicht.“, antwortete Horst, „die hier schaut anders aus, als die, mit der wir nach MO1 unterwegs waren. Es schaut ähnlich aus, aber halt anders.“
„Was ist mit dem Funkgerät?“ Paul deutete auf das am Rand stehende Gerät.
„Geht nicht. Empfang gestört.“
Demonstrativ drehte der Beamte an einigen Knöpfen und empfing auf allen Kanälen nur statisches Rauschen.
„Dann mach halt irgendwas. Im schlimmsten Fall stehen wir einfach weiter hier rum.“, beharrte Paul.
„Jaja, ich mach ja schon was. Hetz mich nicht. Für was ist denn der Hebel hier gut?“
Ohne auf eine Antwort von Paul zu warten drückte er ihn nach vorne und unversehens ging ein Ruck durch die Lok. Horst fiel dabei auf den Platz des Lokführers und Paul konnte sich gerade noch an einem seitlich angebrachten Griff festhalten und so einen Sturz vermeiden. Fast schon panisch wanderten Horsts Hände über das Kontrollpult. Er drückte Knöpfe und zog an Hebeln und stieg auf ein Pedal am Boden. Plötzlich und ohne Vorwarnung setzte sich der Zug mit einem erneut heftigen Ruck schnell in Bewegung.

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