Samstag, 27. August 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 68

Kapitel 68
Ein langanhaltendes Quietschen verdeutlichte, dass sie zwar irgendetwas falsch gemacht hatten, aber letztendlich zählte nur das Ergebnis. Die Lok fuhr und auch wenn sie zu schnell unterwegs waren, brachte sie das fürs Erste aus der Reichweite der immer weiter angewachsenen untoten Meute.
„Woher wusstest du, dass das Funkgerät nicht funktioniert?“ wollte Paul wissen.
„Woher? Das wusste ich nicht. Ich meine, ich hab’s eingeschaltet und es kam nur Rauschen raus. Das hast du doch selber gehört.“, wies Horst die Frage zurück.
„Ja, aber erst, als ich dich danach gefragt habe. Ich hab nicht gehört, dass du es vorher schon angeschaltet hast.“, bohrte Paul noch mal nach.
„Hey, hör mal. Warum sollte ich dich anlügen? Natürlich hab ich das Funkgerät getestet. Gleich als erstes, als ich eingestiegen bin. Glaubst du etwa, ich hab was mit der Sache zu tun, oder was willst du von mir? Ich wäre beinahe selber draufgegangen. Scheiß Plan, findest du nicht?“
„Ich weiß nicht mehr, was ich glauben soll. Du hast dich die ganze Zeit schon so komisch verhalten. Erst laberst du was davon, dass uns nichts passieren kann und plötzlich flippst du aus und redest wirr, dass das nicht passieren darf. Was ist los mit dir?“
„Nichts ist los. Was soll los sein? Ich hatte einfach Schiss. Natürlich dachte ich, dass uns nichts passieren kann. Die Eisenbahn ist das sicherste Verkehrsmittel und ich konnte ja schlecht ahnen, dass unsere Lokführer abhanden kommen. Apropos. Wo sind die zwei eigentlich hin?“, lenkte Horst vom Thema ab.
„Gute Frage. Die Tür war nicht beschädigt. Die Zwei müssen von sich aus die Lok verlassen haben. Das war vielleicht wieder ein Anschlag. Irgendjemand will uns aus dem Weg haben.“
„Aber das ist unmöglich. Kein Mensch außer Bruno wusste, dass wir in dem Zug sind und Bruno ist tot.“
„Vielleicht hat der Mörder die Informationen von Bruno schon vorher bekommen, oder er hat sie von seinem Computer.“
„Nein, das ist unmöglich.“
„Warum?“ Paul ließ nicht locker.
„Was? Ach so, ja, weil Bruno uns nie in Gefahr bringen würde und sein Rechner doch sicher geschützt ist.“
„Da hast du Recht. Vielleicht wurde er deswegen getötet. Ich hab doch noch das Mobiltelefon. Ich könnte bei Leyrer anrufen.“
„Nein, das würde ich nicht machen.“
„Warum denn?“
„Bruno hat ihm nicht getraut, vergiss das nicht.“
„Wir sind gerade einem Anschlag entgangen. Wer auch immer hinter uns her ist, der weiß bereits, dass wir hier sind. Was kann denn jetzt noch groß passieren?“
„Na ja, ich weiß auch nicht.“ Entmutigt gab Horst nach.
„Schön, wenn dir nichts mehr einfällt was dagegen spricht, dann versuch ich es jetzt einfach. Vielleicht kann ich auch mit Martina sprechen.“
Noch immer machte Horst den Eindruck, nicht vollständig von Pauls Idee überzeugt zu sein. Der Polizeiobermeister beobachtete seinen Freund mit argwöhnischem Blick, während er die vierstellige PIN in das Gerät eingab. Wieder vermeldete ein Jingle die erfolgreiche und korrekte Eingabe. Abwartend behielt Paul das Mobiltelefon in der Hand und starrte auf das kleine Display. In der Zwischenzeit zog Horst an den Hebeln und konnte die Geschwindigkeit des Zugs dadurch leicht nach unten korrigieren.
„Verdammte Scheiße. Nichts.“ Schimpfte Paul und begann das Mobiltelefon in ein imaginäres Funknetz zu halten.
„Was ist los?“
„Kein Netz. Hier draußen gibt’s kein Netz. Verdammt. Und jetzt?“
„Du wartest. Auf Rügen gibt’s sicher ein Netz. Dann kannst du immer noch mit Leyrer und Martina quatschen. Vielleicht haben sie dir auch eine neue SMS geschickt. Oder über das Mobilfunknetz geortet. Vielleicht wussten sie ja deshalb, dass wir nach Hamburg unterwegs sind.“, versuchte Horst den Beamten zu beruhigen.
„Und haben dann innerhalb weniger Stunden die Dienstpläne manipuliert, hunderte Zs zusammengetrieben und dafür gesorgt, dass wir auf freier Strecke aufgefressen werden? Wow. Dann kämpfen wir nicht gegen einen unsichtbaren Feind, dann kämpfen wir wohl gegen Gott persönlich.“
„Das muss ja nicht sein. Es ist doch nicht bewiesen, dass die beiden Lokführer auch zu denen gehören. Vielleicht wurden sie absichtlich falsch instruiert?“
„Ich kenn ja nicht viele Lokführer, aber wie viele meinst du gibt es, die die Lok auf freier Strecke in einem verseuchten Gebiet verlassen würden?“
„Vielleicht haben sie auch über Funk Anweisungen erhalten. Vielleicht eine Drohung?“
Paul verzog das Gesicht. „Der Funk ist doch tot.“
„Ja, aber vielleicht war er es vorher noch nicht.“
„Und wo kamen die Zs her? Haben sie die mit dem Auto hergebracht?“
Horsts Stimme nahm einen leicht verzweifelten Unterton an. „Die wurden angelockt. Irgendwas hat die angelockt. Die haben’s gezielt auf unseren Wagen abgesehen. Kann sein, dass die von dem Lärm angelockt wurden, aber sie haben sich nur um unseren Waggon versammelt. Das ist doch nicht normal. Mensch Paul, überleg doch mal.“

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