Sonntag, 28. August 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 69

Kapitel 69
„Nein, das kann nicht sein.“ Leyrer saß hochrot hinter seinem Schreibtisch und schüttelte energisch den Kopf. „Die Aufnahmen müssen manipuliert worden sein. Es wäre unklug in unserer momentanen Situation falsche Schlüsse zu ziehen. Unser Feind ist uns technologisch überlegen und ein Video zu fälschen sollte für ihn ein Einfaches sein.“
„Das ist richtig, aber das glaube ich nicht.“ Widersprach Martina und der neben ihr stehende Ümmel pflichtete ihr still bei.
Schweiß lief an Leyrers Schläfe herunter und sammelte sich am Kragen seines Oberhemds. Damit hatte er nicht gerechnet und doch standen Martina, Ümmel und drei von Ümmel handverlesene Männer in seinem Büro und konfrontierten ihn mit ihren Ergebnissen. Erst die merkwürdige Email von Bruno und jetzt das. Kurz vor seinem Tod musste Bruno die Email noch fertiggestellt haben und sie anschließend zeitversetzt senden lassen.
„Wenn ihr das lest, bin ich höchstwahrscheinlich tot. Andernfalls hätte ich den Versand der Email gestoppt.“, stand darin. „Dies ist meine einzige Rückversicherung, für den Fall meines Todes. Im Anhang dieser Email findet ihr Unterlagen, Beweise, Anweisungen und Pläne für das weitere Vorgehen nach meinem Tod.“
Verschickt wurde die Nachricht an alle Einsatzleiter in München, sowie an deren direkte Vorgesetzte. Wie konnte Bruno nur. Wut stieg in Leyrer hoch. So viele Jahre hatte er mit Herling zusammengearbeitet und dann das.
„Haben Sie uns gar nichts zu sagen?“ wiederholte Martina ihren letzten Satz. Ihre Stimme drang wie aus weiter Ferne an sein Ohr.
„Klaus“, mischte sich nun auch Carsten Ümmel in das Gespräch ein. „Die Beweise sind erdrückend. Pauls Leben ist in Gefahr. Verdammt Klaus, glaub es oder lass es bleiben, aber mach endlich was.“
„Ihr versteht nicht.“, stotterte Leyrer. „Ich habe ihm vertraut. Ich hätte nie gedacht, dass er zu so etwas fähig ist. Ich kann es noch immer nicht glauben. Das Video muss gefälscht sein.“ Wieder schüttelte er den Kopf.
„Unsere IT-Spezialisten sind da anderer Meinung.“, mischte sich Martina wieder ein. „Die Sequenz ist zwar kurz, weist aber keinerlei Unregelmäßigkeiten auf. Weder wurde etwas hinzugefügt, noch weggenommen. Warum sollte man das auch wollen?“
„Um jemanden Schaden zuzufügen und die Polizeiorganisation zu gefährden, natürlich.“ Leyrer schlug mit der flachen Hand überraschend energisch auf den Tisch.
„Nein, das glaube ich nicht. Der Tod Brunos hat uns schwer genug getroffen. Nur jemand, dem er vertraute, konnte so nahe kommen, ohne Verdacht zu erregen. Dann war da noch der Angriff auf das LKA. Sie wussten, dass wir dort das Video untersuchen würden. Welchem Zweck sollte der Angriff sonst dienen? Nein. Die Beweislage ist eindeutig. Wir wissen jetzt, wer der Verräter ist.“, ereiferte sich die Beamtin. „Und wir müssen schnellstens dafür sorgen, dass Paul es auch erfährt.“
An dieser Stelle wäre jetzt im Buch ein Kapitelwechsel um die Spannung aufrecht zu erhalten. Weil ich aber pro Tag eine Mindestmenge an Text abliefern will, mach ich ausnahmsweise innerhalb eines täglichen Kapitels einen Break und fahre an anderer Stelle fort. Wer aufmerksam mitgelesen hat, wird sich eh schon einen Reim daraus machen können.
Viel zu schnell näherte sich der Zug dem Tor. Paul und Horst hatten erst gar nicht bemerkt, dass sie geradewegs auf einen vorgelagerten Posten zusteuerten. Daher hatten sie noch keine Ahnung, wie sie den Zug zum stehen bekommen würden. Panisch zog Horst an den Hebeln und mit einem Ruck setzten die Bremsen ein. Ein lautes Quietschen durchzog die Stille, ein Ächzen ging durch das altersschwache Material und ließ befürchten, dass die Konstruktion den ausgesetzten Kräften nicht standhalten würde. Doch wie durch ein Wunder geschah nichts dergleichen. Die Bremsen hielten und brachten das tonnenschwere Geschoss widerwillig zum Stillstand.
Durch den plötzlichen Geschwindigkeitsverlust wurden die beiden Beamten nach vorne gepresst und konnten nur knapp ernsthafte Verletzungen vermeiden. Weniger als 100 Meter vor dem Hindernis kam die Bahn endlich zum stehen. Was von einiger Entfernung wie ein Kontrollposten aussah, entpuppte sich jetzt aus nächster Nähe als eine vorgelagerte Stellung. Ein Reihe aus Panzern war hinter aufgebauten Hindernissen in Stellung gegangen und bemannte Wachtürme entwuchsen in regelmäßigen Abständen zwischen den Hindernissen.
Es war schwer zu sagen, wie weit sich die Stellungen hinzogen, aber Paul vermutete, dass sie von hier aus bis zum Meer gingen, um den gesamten Bereich rund um Stralsund abzuschirmen. In München gab es Gerüchte, dass in Stralsund größere Kontingente der Bundeswehr einquartiert waren und dafür die Stadt einer Befestigung glich. Angesichts dem Bild, das sich ihnen jetzt bot, kein allzu abwegiger Gedanke.
„Was machen wir jetzt?“ wandte sich Horst ratlos an Paul.
„Aussteigen, und mit den Leuten reden wäre eine Option.“ Erwiderte der. „Ich würde einfach mal davon ausgehen, dass wir hier sicher sind.“
„Fragt sich, wie lange noch.“
„Wie meinst du das?“
„Na ja, wir haben hier doch einen ganz schönen Lärm verursacht. Hier wird’s doch sicher gleich vor den Dingern wimmeln.“
„Du hast Recht. Also gut, dann Gepäck aufnehmen und unauffällig folgen. Ach, hör mal Horst, so lange wir noch unter uns sind. Ist mir dir alles in Ordnung?“
Horst setzte einen ratlosen Gesichtsausdruck auf „Was meinst du?“
„Na ja, die letzten Stunden wirkst du irgendwie abweisend. Hör mal, wenn’s wegen Martina ist…“
„Nein, nein, nicht doch.“, begann Horst sofort abzuwiegeln „Was du mit Martina machst, geht mich nichts an. Ich will auch nichts von Martina, wenn du das meinst. Ich will nur, dass die Scheiße hier endlich vorbei ist. Verdammt Paul, wir sind zwei einfache Beamte und stecken in einer riesigen Verschwörungsgeschichte. Hast du nicht Angst, dass uns das über den Kopf wächst?“
„Doch, schon. Aber wir sind schon fast auf Rügen. Nur noch wenige Stunden und wir haben die Sache erledigt. Dann dürfen sich andere darum kümmern.“
„Wahrscheinlich hast du Recht. Komm, lass uns gehen, bevor die dort noch falsche Rückschlüsse ziehen.“ Horst zeigte mit dem Finger auf die Stellungen.

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