Freitag, 30. September 2011

Books of the Dead - Die Kammer der toten Kinder von Franck Thilliez


Nach einer Empfehlung von David Gray.

Es ist schon eine Achterbahn der Gefühle, über die man von Franck Thilliez geschickt wird.

Doch von Anfang an. Nach Cody McFadyen noch ein Thriller. Noch ein Serienmörder. Noch eine Polizistin.

Ein geheimnisvoller Kindesentführer und Mörder schockt die französische Provinz. Eine Polizistin und Mutter sieht in der dünn besetzten Vorweihnachtszeit ihre Chance den alltäglichen Verwaltungstrott zu durchstoßen und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Dabei stößt sie auf ein schreckliches Geheimnis und begibt sich selber in tödliche Gefahr.

Haha, der letzte Satz ist aus der Buchbeschreibungshölle entliehen, aber recht viel mehr gibt es zur Handlung nicht zu erzählen, wenn ich nicht spoilern will.
Im Gegensatz zu Cody McFadyen umgeht Franck Thilliez aber geschickt Logiklöcher und vermeidet den Einsatz von Stereotypen. Die Polizistin und Mutter hat selber ein dunkles Geheimnis, das sie fortwährend verfolgt und gibt sich nicht durchgehend Selbstzweifeln, oder anderen unwichtigen Gedankengängen hin. Die Polizeiarbeit wirkt realistisch, die hinzugezogenen Beamten sind gut, aber keine Elite-Truppe mit fast übernatürlichen Fähigkeiten. Passt.

Die Kammer der toten Kinder ist sehr stringent erzählt und steuert unvermeidbar auf den Storyclimax zu. Soweit, so kurzweilig.

Leider hat Thilliez es sich zur Aufgabe gemacht, den Leser ständig auf falsche Spuren zu hetzen. Das macht er mal mehr, mal weniger gut. In den schlechten Momenten ist die Auflösung nur einige (Ab-) Sätze entfernt. Anstatt die Hinweise geschickt im Text unterzubringen und aufgrund einer vordergründigen Faktenlage den Leser auf eine falsche Spur zu bringen, wird hier mit dem Holzhammer gearbeitet. Das macht dann den Lesegenuss etwas holprig, vor allem, wenn man das Muster durchschaut hat.

In den guten Momenten streut er dagegen tatsächlich falsche Hinweise, denen Ermittler und Leser gleichermassen auf den Leim gehen und deren Auflösung tatsächlich überraschend ist.

Auch nicht so gefallen hat mir das Ende. Alles steuert auf den Höhepunkt zu. Die Spannung steigt ins Unermessliche. Dann... vorbei. Nur um den eigentlichen Höhepunkt im nachhinein durch Charaktere rekapitulieren zu lassen. Das nimmt meiner Meinung nach schon einiges an Dramatik raus. Das wär so, als hätt ich Band 3 damit enden lassen, dass...

ACHTUNG SPOILER ZU BAND 3

Mittwoch, 28. September 2011

Neue Kindle-Modelle vorgestellt

Neben einem 7"-Tablet (Kindle Fire) hat Amazon heute mehrere Kindle-Modelle für alle Marktsegmente vorgestellt. Neben dem Einsteigermodell ohne Tastatur und ohne 3G für 79 $, wurden auch zwei Touchgeräte (eimal ohne, einmal mit 3G) für 99, bzw. 149 $ präsentiert. 

Bei Engadet gab's einen Liveticker, bei dem unter anderem auch neue Cloud- und Sync-Dienste Erwähnung finden. 

Aus der Warte des eBook-Autors interessieren mich die Kindle-Modelle natürlich wesentlich mehr. 

Auf Amazon.com können diese bereits vorbestellt werden.  Sofern der Umrechnungskurs bei der Markteinführung in Deutschland bei eins zu eins liegt, finde ich das Angebot fair, bzw. das Fire geradezu spektakulär. Grad die 79 Euro-Variante ist aber eine nette Low End-Variante, die ich auch mal am Pool liegen lassen würde und damit einen Kritikpunkt der bisherigen Modelle beseitigt.

Zeitgleich mit der Ankündigung wurden übrigens die Preise für die alten Modelle reduziert. Für 119 Euro (vorher 139), bzw. 159 Euro (vorher 189) für die 3G-Variante ist man dabei (auf der Startseite werden noch die alten Preise angezeigt).


Nachtrag: Das ging schnell. Auch auf Amazon.de wird bereits der neue Low End-Kindle vorgestellt. Der Preis beläuft sich in Deutschland auf... *trommelwirbel*

Dienstag, 27. September 2011

Sucker Punch

Zack Snyder ist so ein kleiner Tausendsassa. So richtig kam seine Karriere ausgerechnet mit dem Remake des Romero-Klassikers Dawn of the Dead in Fahrt, mit dem er - zusammen mit 28 Days Later (jaja, Infizierte, keine Zombies) - die rennenden Zombies etablierte. Gut, ich mag die langsamen lieber, aber trotzdem eine Genrereferenz.
Danach erntete er viel Beifall, aber auch Kritik, für seine Interpretation von 300. Mag man von dem Film halten was man will, aber die Bildsprache ist der Wahnsinn und einer der seltenen Fälle, in denen eine Comicverfilmung auch tatsächlich wie ein Comic wirkt.

Zurecht wurde Snyder die Regiearbeit von Watchmen übertragen und er schuf auch hier nicht weniger, als ein kleines Meisterwerk. Vor allem die Eröffnungssequenz gehört zusammen mit der aus 28 Weeks Later zu den größten Momenten der Filmgeschichte. Meiner bescheidenen Meinung nach.

Mit Legende der Wächter liefert Snyder dann einen unterschätzten Animationsfilm ab, der zwar etwas rar an Höhepunkten ist, davon ab aber eine schöne Geschichte, schöne Bilder und tolle Animationen liefert.

Und jetzt Sucker Punch.

Der Film wurde in der Presse förmlich zerrissen. Ich hab wesentlich mehr schlechte, als wohlwollende Kritiken vernommen und auch letztere lasen sich dann doch eher zurückhaltend und unfähig, den Film in ein Korsett zu schnüren. Und bei Gott (oder wem auch immer): das ist wirklich nicht so ohne weiteres möglich.

Bereits die Eröffnungssequenz ist für mich die beste seit Watchmen. Leck mich fett. Snyder gelingt es tatsächlich erneut, zu Beginn mit audiovisuellen Mitteln einen Einstieg zu erzeugen, dem man sich nicht mehr entziehen kann. Die ersten Dialoge wirken dagegen fast wie ein Fremdkörper und überhaupt gibt es Momente, in denen ich mir den Film komplett ohne Dialoge gewünscht hätte. Zu perfekt sind Musik und Bild aufeinander abgestimmt und lassen Teile des Films wie ein überlanges Musikvideo wirken. Es ist unübersehbar, dass Snyder früher Musikvideos gedreht hat. Die Musikauswahl reicht dabei von gigantisch bis absolut passend.

Die Bildsprache ist darüber hinaus der Hammer. Aus jeder Szene triefen Eindrücke, nein, schlagen auf den Seher ein. Bei mancher Szene fühle ich mich regelrecht durchgeprügelt, nur um am Ende hilflos zurück zu bleiben. Rund die Hälfte des Films würde im Standbild als Wallpaper durchgehen und unterstreicht damit den Comic-Touch, den der Snyder einfach so toll drauf hat. 300 und Watchmen haben ihn in der Vergangenheit offensichtlich stark geprägt.

Der Film selbst... ist nebensächlich. Die Handlung läuft auf drei Ebenen, aber für mich persönlich jetzt nicht so ungewöhnlich oder deutungsschwanger, wie hier immer getan wird. Oder ich hab's nicht verstanden. Kann ja auch sein.

Die Charaktere sind mir ebenso egal, wie die Handlung und doch zieht mich der Film zwei Stunden lang in seinen Bann. Die Traumsequenzen sind der animierte Wahnsinn und das in zweierlei Hinsicht. Natürlich die Renderhölle, aber so überdreht, dass das eigentlich nur Pedanten aufstösst. Dabei scheißt der Regisseur auf Logik und historische Authenzität; lässt zum Beispiel Mechs in den Gräben des ersten Weltkriegs gegen dampfbetriebene deutsche Zombiesoldaten antreten. Immer mitten drin: die sexy Hauptdarstellerinnen in knappen Outfits.


Gesehen hab ich den Directors Cut und frag mich, wo die zusätzlichen 17 Minuten herkommen. Ich fand keine Minute des Films überflüssig und könnte mir damit evtl. das eine oder andere Verständnisproblem erklären.

Fazit: Ein audiovisuelles Meisterwerk! Ohne Wenn und Aber. Entsprechendes Equipment vorausgesetzt.

Trotzdem kein Film für Jedermann. Dazu ist er zu speziell, zu abgedreht, zu laut zu bunt und abseits des Audivisuellen zu wenig. Wer sich selber ein Bild machen will, kann sich den Film mit dem Code hier kostenlos und legal runterladen (Code ist nur einmal verwendbar, gilt nur in D/AT, nur Windows-Rechner, keine portablen Geräte):

(Ein kurzes "Danke" nach Gebrauch in den Kommentaren wäre nett. Dann nehm ich den Gutschein wieder raus.)

Montag, 26. September 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 98

Kapitel 98

„Was hatten Sie mit Bruno zu tun?“, wollte Paul aufgeregt wissen.

„Wie ich schon sagte, wir waren gute Bekannte. Umso mehr bedauere ich dessen Verlust. Mehr brauchen Sie nicht wissen. Kommen wir zur letzten Frage. Sie sind gefesselt, weil etwas in Ihrem Blut ist und wir nicht wissen, ob Sie für uns zur Gefahr werden können. Wir haben Aufnahmen von Rügen gesehen und was noch viel schlimmer war: wir haben gesehen, was dort angerichtet wurde. Noch sind unsere Spezialisten damit beschäftigt, Überwachungsvideos und Daten vor Ort auszuwerten, so dass wir noch nicht genau wissen, womit wir es da eigentlich zu tun hatten. Wir wissen aber, dass Sie uns bei der Lösung des Problems behilflich sein können.“, antwortete der Zivilist diesmal mit ernster Stimme.

„Zuerst möchte ich wissen, was mit Martina... also Martina Stürmer ist.“

„Oh, der geht es gut. Ich kann Sie beruhigen. Auch Lehmann, Förster und Leyrer haben einen feigen Angriff auf das LKA überlebt. Es wird Sie sicher freuen, dass sich Ihre Freundin dabei besonders hervorgetan hat.“

„Meine … Freundin?“, plapperte Paul nach.

„Hahaha, Sie glauben doch nicht, dass uns ihr kleines Tête-à-tête mit Ihrer Kollegin entgangen ist. Ich bitte Sie.“, gab der Fremde wieder mit süffisantem Ton zurück.

„Toller Haufen seid ihr. Aber Brunos Tod habt ihr nicht verhindert.“, ätzte der Beamte zurück.

„Nun ja, da ist uns in der Tat ein schlimmer Fehler unterlaufen. Aber Fehler passieren. Hören Sie, bevor wir uns hier in Kleinigkeiten verlaufen: wir müssen wissen, was auf Rügen passiert ist. Wir benötigen jede Kleinigkeit. Möglicherweise sehen Sie dann Ihre Kollegen sehr schnell wieder. Andernfalls bleiben Sie ein paar Tage länger. Wir sind nicht Ihr Feind und Sie sind nicht unser Feind.“

„Woher weiß ich, dass ich Ihnen trauen kann?“, antwortete Paul und verzog die Stirn.

„Das wissen Sie nicht und ich kann Sie wahrscheinlich auch nicht überzeugen. Aber vielleicht kann sie es. Bringen Sie sie rein.“

Wieder öffnete sich die Sicherheitstür und sie stand in der Tür. Martina. Tränen liefen an ihren Wangen herab und als sie ihrerseits Paul sah, konnte nichts und niemand sie zurückhalten. Sie stürmte an dem Zivilisten vorbei, ohne ihn eines Blickes zu würdigen und fiel Paul um den Hals. Er erwiderte ihre Zuneigung und eigentlich hätte er gerne alles um sich herum vergessen.

„Ich möchte Sie gerne bitten, Ihr Wiedersehensritual etwas nach hinten zu verschieben. Ich benötige von Ihnen noch einige Details.“, eröffnete der Fremde ihnen leicht barsch.

„Es ist in Ordnung Paul, es ist in Ordnung.“ Noch immer liefen Tränen an ihren Wangen herab. Tränen der Freude, der Zuneigung und der Liebe.

Martinas Tränen überzeugten den Polizisten schließlich und er erzählte dem Zivilisten, was sich an dem Ort zugetragen hatte. Bald schon würden sie Pauls Erzählungen mit den Aufzeichnungen der Überwachungskameras ergänzen und hätten so ein vollständiges Bild von den Vorkommnissen des 08. Juni.

„Was ist mit den Erben?“, fragte Paul nachdem er mit seinen Ausführungen fertig war.

„Läuft natürlich alles unter strengster Geheimhaltung. Da Sie uns aber vermutlich noch lange erhalten bleiben, kann ich Ihnen schon mal einen groben Abriss von der jetzigen Situation geben: Wir gehen davon aus, dass die deutsche Organisation zerschlagen ist und höchstens noch kleinere Splittergruppen existieren, die uns nicht weiter gefährlich werden können. Mit etwas Glück finden wir auf deren Rechnern Hinweise, die uns helfen können die involvierten Personen vollständig zu identifizieren. Wir werden uns dann ihrer in gebührender Form annehmen.

Ich persönlich befürchte allerdings, dass sich in anderen Ländern noch größere Stützpunkte befinden. Durch die Zerstörung der Boote wissen wir leider auch nicht, wohin sich Braun absetzen wollte, vermuten aber England. Sie haben sicher schon davon gehört, dass London gefallen ist?“

Ohne eine Antwort abzuwarten fuhr er fort.

„Ja, natürlich haben Sie das. Herling war in der Beziehung ja recht geschwätzig. Vielleicht hat es ihnen aber auch Mewes erzählt, der von der Organisation ständig Informationen erhielt. Wir wissen, dass er auch sehr großzügig mit den Berichten umgegangen ist. Nun, wie auch immer. Der Fall Londons war von der Sekte initiiert. Die Schutzgitter vor der Themse wurden gesprengt und anschließend Lockstoffe eingesetzt, um eine große Masse an Untoten in die Stadt zu lenken. Außerdem wurden gezielt Menschen infiziert. Wir glauben, London war ein Testballon für andere noch immer befestigte Städte. Möglicherweise auch die Generalprobe für Rügen.

Wir befürchten, dass sie bereits seit Anbeginn des Krieges ihre Hände im Spiel hatten. Nur so ist das massive Auftreten und der kontrollierte Vormarsch zu erklären, mit dem wir es zu tun hatten. Das kann nicht allein der Trieb nach dem Fleisch der fliehenden Lebenden gewesen sein. Aber dazu können wir uns in nächster Zeit ja noch häufiger austauschen, nicht wahr?“

„Was meinen sie damit?“, wollte Paul wissen.

„Nun, Herr Polizeihauptmeister, es ist ihr Blut. Wir wissen nicht, was da in Ihrem Blut ist und wir wissen nicht, ob Sie sich irgendwann gegen uns wenden werden, oder sich sogar noch verwandeln. Wir wissen aber, dass alles, was von den Erben Jesus übrig ist, Jagd auf Sie machen wird. Aus dem Grund werden Sie für einige Zeit von der Bildfläche verschwinden, bis wir dieser, nun, Probleme, Herr sind. Sie verstehen das sicher. Es ist zu Ihrer eigenen Sicherheit und der Ihrer Freundin. Für später werden wir uns für Sie eine neue Aufgabe überlegen müssen. Eine Rückkehr in den aktiven Dienst halten wir zum derzeitigen Zeitpunkt für ausgeschlossen.“

„Wie geht es jetzt weiter?“, hakte Paul nach.

„Mit der Technologie der Sekte werden wir schon bald in der Lage sein, weite Teile des Landes zurück zu erobern. Wir werden alle Erkenntnisse, die wir aus dem Hauptquartier der Sekte gewinnen, mit andern Ländern teilen und dann beginnt die Rückeroberung der Welt. Die britische Regierung hat bereits großes Interesse signalisiert, die französische Regierung existiert de Facto nicht mehr. Aber Vertreter einer Übergangsregierung, die nach eigener Aussage noch Kontrolle über einige verstreute Einheiten der französischen Armee innehat, will auch den Kampf mit uns gemeinsam aufnehmen. Ähnliche positive Signale kommen aus Italien, der Schweiz und einigen weiteren Staaten. Die USA, Russland und China werden auch noch von uns kontaktiert, sofern wir dort Repräsentanten ausfindig machen können. Sie sehen, es gibt ein kleines Licht am Ende des Tunnels. Die Dunkelheit ist überwunden, ab heute beginnt eine neue Zeitrechnung. Die Menschheit holt sich zurück, was ihr zusteht.“

Ende

Sonntag, 25. September 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 97

Kapitel 97

Um ihn herum hörte Paul Stimmen. Viele Stimmen. Irgendjemand redete scheinbar mit ihm. Jemand erkundigte sich nach seinem Namen. Paul öffnete den Mund, brachte aber keine Antwort heraus. Schmerz durchzuckte seinen geschundenen Körper und wieder Schwärze. Sie umhüllte ihn, umschmeichelte ihn und gab ihm Wärme. Ein Blitz. Licht. Zu viel Licht. Brennt in den Augen. Wieder Dunkelheit. Gedämpfte Stimmen. Schwärze.

Er wusste nicht wo er sich befand und wie viel Zeit vergangen ist, seit er bewusstlos geworden war. Seine Hände und Füße waren auf einem Bett festgeschnallt und sein Oberkörper mit einem Riemen fixiert. Eine Infusionsnadel steckte in Pauls Arm und gab Tröpfchenweise eine klare Flüssigkeit in seinen Blutkreislauf. Das monotone Piepen eines Herzfrequenzmessers glitt wie auf Schwingen durch die Stille und bohrte sich in seinen Kopf.

Nur schwerlich vermochte er seinen Blick von der Infusionsflasche zu lösen und in seinem Zimmer auf Wanderschaft zu schicken. Ein kleines Zimmer. Nur ein Bett, viele technische Apparate und eine große Glasscheibe. Gern hätte sich Paul aufgerichtet, wurde aber von den Riemen zurückgehalten. So weit es ging, streckte er seinen Kopf nach oben und versuchte so mehr Eindrücke von seiner Umgebung aufzunehmen.

Als ihm das nicht gelang, zerrte er stärker an seinen Fesseln, bis sie sich in sein Fleisch eingruben. Das Knistern eines Lautsprechers ließ ihn schließlich verharren:

„Oh, willkommen zurück Herr Polizeihauptmeister. Wir freuen uns, dass Sie wieder unter den Lebenden weilen.“

Bei der Betonung seines Ranges zuckte Paul zusammen. Unschöne Erinnerungen an Braun wurden wach und die Angst, von dessen Verbündeten aufgegriffen worden zu sein. Er konnte sich an nichts Genaues mehr erinnern. Von der Nachhut war offenbar nur noch er übrig. Jederzeit hätte ihn jemand Fremdes von der Insel fortbringen können. Ein Gefühl der Ohnmacht überkam ihn, als die Stimme weitersprach.

„Es tut uns leid, dass wir Ihnen einige Unannehmlichkeiten bereiten mussten, aber ich fürchte, wir haben einige Fragen an Sie. Würden es Ihnen etwas ausmachen, das Gespräch unter vier Augen fortzusetzen?“

Paul schüttelte langsam den Kopf um die Frage zu verneinen.

„Sehr schön. Ich bin gleich bei Ihnen. Gehen Sie nicht weg. Oh, wie dumm von mir.“

Ein Witzbold. Ein gottverdammter Witzbold. Das war es, was Paul in diesem Moment gebraucht hatte. Die Sicherheitstür glitt auf und ein in einem Anzug gekleideter Mann trat in den Raum. Von Statur und Aussehen eher unauffällig, strahlte der Mann doch etwas aus, das ihn aus der Masse herausstechen ließ. Die Augen. Irgendetwas war mit den Augen. Scheinbar ruhelos wanderten sie umher und doch fixierten sie dabei immer wieder Paul.

„Schön, dass wir uns endlich persönlich kennen lernen. Mein Name tut nicht viel zur Sache. Nennen Sie mich einfach Meier, wenn Sie unbedingt darauf bestehen, mich mit einem Namen anzureden.“, spulte der Zivilist mit einem süffisanten Unterton ab.

„Angenehm, Bährer.“, krächzte Paul zurück und räusperte sich, um den Klos aus seinem Hals zu vertreiben.

„Oh, Sie müssen sich nicht vorstellen. Wir wissen alles über Sie. Wasser?“

„Ja, bitte.“, antwortete Paul immer noch krächzend, woraufhin sich Tür ein weiteres Mal öffnete und eine attraktive junge Dame mit einem Glas Wasser den Raum betrat. Die Frau war mit einer Schwesternkluft bekleidet und trug ihr blondes Haar streng nach hinten gekämmt und dort zu einem Dutt zusammengebunden. Sie überreichte das Glas dem Zivilisten, versenkte darin einen Strohhalm und schwebte förmlich wieder aus dem Zimmer.

„Ein wahrer Engel, nicht wahr? Beruhigt Sie der Gedanke, dass sich Anja die letzten Stunden um Sie gekümmert hat?“, sprach er ruhig weiter auf Paul ein, während er ihm das Glas so hinhielt, dass er am Strohhalm ziehen konnte. Es fühlte sich gut an, als das kühle Nass die Kehle hinunter lief.

„Langsam, Herr Polizeihauptmeister. Wir wollen doch nicht, dass Sie sich verschlucken.“

Nachdem er das Glas zu drei Viertel geleert hatte, ließ Paul davon ab und räusperte sich erneut, bevor er heiser das Wort ergriff:

„Drei Fragen. Wo bin ich hier, wer sind Sie und warum bin ich gefesselt?“

„Oh, das sind ja gleich drei Wünsche auf einmal.“ Der Fremde kicherte. „Aber Sie haben natürlich ein Recht darauf zu erfahren, was mit Ihnen passiert. Frage eins darf ich Ihnen leider nicht beantworten, Frage zwei ist vertraulich und Frage drei, nun, Sie erraten es vielleicht schon, unterliegt der Geheimhaltung.“ Wieder kicherte er, als er Pauls wütenden Gesichtsausdruck sah und bemühte sich schnell fortzufahren. „Nein, ich nehme Sie doch nur auf den Arm. Sie sind in einem unterirdischen Bunker, dessen Standort ich Ihnen wirklich nicht verraten darf. Was meine Person angeht, müssen Sie sich weiterhin damit begnügen, dass ich für Sie keinen Namen habe. Ich war aber, nun, sagen wir ein guter Bekannter von Herling und Brunner.“

Bei den Namen zuckte der Polizist merklich zusammen. Eine Reaktion, die Meier nicht entging und ihm erneut ein Grinsen ins Gesicht zauberte.

Samstag, 24. September 2011

Wissenstattglauben sucht den Mega-Oneliner

Achtung! Spoiler! Wer Kapitel 96 noch nicht gelesen hat, holt dies bitte vorher nach! 

Untot - Band 3 - Kapitel 96

Kapitel 96

Keine Sekunde zu früh. Etwas zerrte mit aller Gewalt an dem LKW in dem Paul Schutz gesucht hatte. Er spürte den Boden der Ladefläche unter seinen Füßen wackeln. So schnell der Polizist konnte, hechtete er von der Ladefläche hinaus ins Freie. Am Boden rollte er sich ab und richtete sich rasch wieder auf. Die gefundene Waffe lag fest in seiner Hand und zielte jetzt direkt auf den mutierten Fleischberg. Gerade knirschte der LKW unter der Last des Angriffs und krachte unter einem lauten Knall auf die Seite.

„BRAUN!“, brüllte Paul hasserfüllt über den Lärm hinweg und erntete sofort die erwünschte Aufmerksamkeit. Mittlerweile war fast jede Menschlichkeit aus den Zügen von Braun gewichen. Es fiel Paul auf, als sich der Mutant ihm zuwandte. Das Gesicht hatte sich massiv verändert. Zusammen mit einer grau-grünen Färbung hatten sich Teile der Haut gelöst und hingen nunmehr wie nasse Lappen nach unten. Das Fleisch darunter hatte einen braun-grünen Ton angenommen und Lippen, Ohren und Nase waren ganz abgefallen. Oder sie waren dem vorherigen Beschuss zum Opfer gefallen.

Als Braun sich dem Beamten zuwandte, wurde dem Mutanten offensichtlich die Waffe in Pauls Händen gewahr. Sein Blick, aus seinen noch immer menschlich erscheinenden Augen, fokussierte die Waffe. Der Körper des Mutanten versteifte sich, und es sah tatsächlich so aus, als wäre er gerade dabei seine Optionen zu überdenken, aber Paul kam ihm zuvor.

„Braune Scheiße!“, flüsterte Paul, während er den Abzug durchdrückte.

Mit einem harten Schlag grub sich der Granatenwerfer in Pauls Schulter und spuckte die Granate mit einem ploppenden Geräusch Richtung Braun. Der sah das Projektil, wie es den Lauf der M32 verließ und eine dünne Rauchspur hinter sich herziehend auf ihn zuflog. Mit aller Kraft wuchtete er seinen massiven Körper herum, um dem Geschoss so zu entgehen, konnte allerdings einen Treffer nicht vollständig vermeiden.

Der rechte Arm zerriss unter der Explosion der Granate. Fleisch, Knochen und Muskelsehnen flogen umher und zurück blieben nur wenige Zentimeter unterhalb der Schulter, die wie eine Anomalie hervorragten. Das Monster heulte auf. Erstmals verspürte er Schmerzen. Doch schon im nächsten Moment setzte der Regenerationsprozess ein. Eine Art Tentakel schossen aus dem Stumpf hervor, und begannen einen neuen Arm zu formen. Wie zuvor war der Mutant in diesem Moment bewegungsunfähig und damit außerstande der nächsten heranfliegenden Granate auszuweichen.

Der Kopf explodierte. Etliche Teile des Oberkörpers wurden in Mitleidenschaft gezogen. Für Braun verdunkelte sich die Welt, aber er spürte, dass er immer noch nicht tot war. Er spürte, dass irgendetwas in seinem Körper ihn am Leben erhalten wollte und er war davon überzeugt, dass es der Wille des Herrn war. Noch würde er ihn nicht ziehen lassen. Er war sein Racheengel und erst nachdem er seine Mission erfüllt hatte, würde er in sein Himmelreich auffahren dürfen.

Für Paul hingegen sah es anders aus. Kopf- und regungslos stand das Ding da, während aus dem Hals Tentakel aufstiegen, offenbar um den Kopf neu zu bilden. Fluchend feuerte Paul zwei weitere Granaten ab, die den Brustkorb und den Bauch des Mutanten zerfetzten. Die Bauchdecke explodierte zusammen mit einem Teil der Innereien. Der Rest davon fiel mit einem platschenden Geräusch zu Boden. Durch die zunehmende Zerstörung des Körpers verlangsamte sich der Regenerationsprozess zusehends. Waren zuvor noch innerhalb von Sekunden neue Formen geschaffen worden, konnte er jetzt bei dem neu zerstörten Gewebe keine Regeneration erkennen.

Stattdessen sah er in dem offenen Brustkorb etwas schlagen. Ein Herz, schwarz wie die Nacht, pumpte weiterhin Blut durch die mutierten Adern. Blut, oder etwas anderes, was dieses Monstrum am Leben hielt. Genau wie der Rest des Körpers war auch das Herz verändert. Es war übermäßig groß und schmatzte leise bei jedem Pumpvorgang. Zudem war es zusätzlich durch einen Knochengürtel geschützt, der durch den vorigen Beschuss bereits beschädigt war.

Wie hypnotisiert betrachtete Paul das schlagende Herz und erst, als er bemerkte, dass sich die Knochen um das Herz wieder zu schließen begannen, erwachte er endlich aus seiner Starre. Der Granatenwerfer fühlte sich plötzlich federleicht an, als er ihn erneut hochhob. Auch der Rückstoß schien seiner lädierten Schulter nichts mehr anhaben zu können, als die vierte, die fünfte und die sechste Granate in schneller Folge den Lauf verließen.

Als die letzte Granate abgefeuert wurde, hatte die Erste bereits ihr Ziel erreicht. In einer Explosion verdampfte das schwarze Herz und die zweite Explosion zerstörte alles, was sonst davon übrig geblieben war. Die dritte Explosion schließlich zerstörte alles, was von dem Oberkörper bis zu diesem Moment noch da war. Noch immer stand das Ding. Es wollte einfach nicht fallen. Paul war der Verzweiflung nah. Was konnte er noch gegen ihn einsetzen. Er sank erschöpft auf die Knie. Genau in dem Moment fiel das, was von dem Mutanten übrig geblieben war. Es kippte einfach um und blieb dann liegen.

War das jetzt das Ende? Die Welt begann sich um den Polizisten zu drehen. Die Anstrengungen der letzten Stunden forderten nun ihren Tribut. Mehr als einmal hatte er seine Energiereserven bis zum letzten Tropfen angezapft und nun forderte dies seinen Tribut. Plötzlich wurde ihm schwarz vor Augen. Wie sein Kopf auf der Erde aufschlug, spürte er schon gar nicht mehr.

Freitag, 23. September 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 95

Kapitel 95

Panisch hantierte der Feldwebel an seinem Sturmgewehr herum. Die Einweisung in die neuen Waffen war kurz gewesen und die jahrelang einstudierten Bewegungsabläufe hinfällig. Schließlich rastete das Magazin doch ein, aber bevor er die erste Kugel in die Kammer befördern konnte, rissen riesige Pranken das Gewehr aus seinen Händen und schleuderten es schwungvoll davon. Ungläubig verfolgte Urban die Flugbahn des Gewehrs, bis diese von dem massigen Körper des Ungetüms verdeckt wurde.

Anstatt zu fliehen, zog der Soldat ein Messer aus seinem Gürtel und stürzte sich in einen ungleichen Kampf. Braun machte sich nicht die Mühe dem Stoß auszuweichen. Stattdessen empfing er ihn mit offenen Armen, nur um diese gleich wieder zu schließen, als Urban zugestoßen hatte. Das Messer verschwand in dem mutierten Körper und die Hände schnellten wie zum Applaus zusammen. Doch anstatt zu klatschen, zerquetschte der Mutant den Kopf des Feldwebels wie eine reife Tomate zwischen seinen übergroßen Händen.

Teile von Urbans Gehirn spritzen auf Paul herab, der noch immer atemlos und ungläubig da saß. Regungslos und mit großen Augen starrte er zu dem Monster hinauf, der gerade seine Arme öffnete und die Leiche des Soldaten damit wieder freigab. Der zerquetschte Schädel rutschte an seiner Handfläche entlang und nur langsam beförderte ihn sein Eigengewicht auf den Boden. Bei dem Anblick musste Paul sich unweigerlich übergeben. Wiederholt stülpte sich sein Magen nach außen und Galle tropfte aus seinen Mundwinkeln, als er fertig war.

„Bäääääääärrrraaaaaaa“

Statt sich gleich auf ihn zu stürzen, stand der Mutant ruhig über Paul und beobachtete ihn. Ohne Braun aus den Augen zu lassen, drückte sich Paul langsam mit seinen Füßen von ihm weg. Stets darauf bedacht, keine ungewollte Reaktion bei dem Monster zu verursachen, arbeitete er sich nach hinten und bemühte Augenkontakt zu halten. Ein Motor heulte auf.

Einer der Soldaten hatte sich hinter das Steuer eines Fuchs begeben, den Motor gestartet und hielt frontal auf Braun zu. Wieder machte dieser sich keine Mühe auszuweichen. Im Gegensatz zu Paul, der den Zusammenprall nicht erleben wollte. Unter der Aufbringung aller Kraftreserven presste er sich hoch, und rannte davon. Sekunden später war der Transportpanzer heran geprescht und hielt direkt auf den Mutanten zu.

Wenige Meter bevor er von dem Fahrzeug erfasst wurde, stieß Braun sich vom Boden ab, und landete auf dem Dach des Fahrzeugs. Die Dachpanzerung hielt genau zwei Schlägen stand, bevor sich seine Faust in die Fahrkabine vorgearbeitet hatte und er dem Fahrer mit einem Handgriff das Genick brach. Ohne Fahrer bahnte sich der Truppentransporter führerlos seinen Weg über das Schlachtfeld. Mit seinem vorhandenen Restschwung prallte der Wagen in einen LKW, den er noch einige Meter vor sich herschob. Dann erstarb sein Motor.

Fast schon übertrieben lässig schwang sich Braun von dem Panzer herab und suchte nach Paul. Niemand hinderte ihn mehr daran. Der Widerstand war gebrochen. Die, die nicht tot oder verletzt waren, hatten zu Fuß das Weite gesucht und würden sicher bald mit schwerer Unterstützung zurückkehren. Paul musste sich eben nur lange genug vor dem Monster versteckt halten.

Dazu hatte sich der Beamte auf der Ladefläche eines LKWs versteckt, als der Mutant abgelenkt war. Unter der Plane hindurch beobachtete er, wie das Ding draußen nach Überlebenden, oder ihm, suchte. Als Braun sich dem LKW näherte, zog er sich langsam zurück, stark darauf bedacht, dabei keine unnötigen Geräusche zu verursachen. Mit angehaltenem Atem sah er sich im LKW um. Sauber aufgereiht standen hier Munitionskisten, Kisten mit Granaten und Waffen.

Ordentlich aneinandergereiht standen hier fast ein Dutzend G36. Gefüllte Magazine lagen gleich daneben und nur schwerlich konnte Paul dem Reflex widerstehen, ein Gewehr zu beladen und auf den Mutanten zu feuern. Sein nächster Blick fiel auf eine Kiste mit englischer Beschriftung, die den Inhalt als M32 Grenade Launcher auswies. Ein, neben seinem Versteck, stehender Transport-LKW krachte auf die Seite und Paul konnte hören, wie sich das Monster daran zu schaffen machte.

Angesichts des Lärms riskierte er selber einige Geräusche zu machen und begann an der Kiste zu hantieren. Das Schloss war nicht abgesperrt und leicht quietschend sprang der Deckel auf. Darunter erstrahlte ein wahres Ungetüm einer Infanteriewaffe. Sechs Kammern mit Platz für je eine 40 mm-Granate. In der Kiste waren verschiedene Granaten gelagert. Neben Rauchgranaten fand er auch Explosivgranaten, sauber nebeneinander aufgereiht und in einer Halterung in der Kiste eingebettet.

Schnell untersuchte Paul die Waffe nach Ladefunktion und Feuermechanik. Die Zeit wurde knapp und eine ausführliche Unterweisung würde wohl entfallen müssen. Dennoch war das seine einzige Chance. An der Unterseite des Granatenwerfers fand er eine Sicherung, mit der sich die Magazintrommel entsperren und aufklappen ließ. Auf Verdacht führte er die Granaten in die Kammern und rastete die Waffe wieder ein. Er fand etwas, das wie ein Sicherungshebel wirkte und legte sie um.

Donnerstag, 22. September 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 94

Kapitel 94

Obwohl die Füße sein Gewicht kaum mehr tragen konnten und die Lungen unter dem Mangel an Luft schmerzten, schleppte Paul sich weiter die Treppen hinauf. Unendlich schienen sich die Stufen hinzuziehen bei jeder Biegung hoffte er das Ende der Treppen zu erspähen. Schwer atmend legte Paul eine Pause ein, lehnte sich an das Geländer und widerstand der Versuchung, sich einfach auf den Boden zu setzen. Nein! Er musste weiter. Er war noch nicht in Sicherheit.

Gerade als er sich wieder aufraffte, klang ein dumpfer Schrei durch das Treppenhaus.

„Bäääääääärrrraaaaaaa“

Die Wände reflektierten den Ton des Gebrülls und Paul erschien er, als wenn er von allen Seiten gleichzeitig auf ihn einhämmerte. Sein Magen und sein Zwerchfell vibrierten durch die tiefen Töne, setzten aber in ihm nochmal Energiereserven frei. Eilig löste er sich von dem Geländer und setzte an, den Aufstieg fortzusetzen. Nach nur einer Minute konnte er endlich das Ende erkennen. Erleichterung und Hoffnung durchströmten ihn, gaben ihm neue Kraft und erhöhten noch einmal sein Tempo.

Am Ende angekommen ließ er sich gegen die Tür fallen und war überrascht, dass sie sofort unter seinem Gewicht nachgab und nach außen aufschwang. Draußen erwartete ihn ein Schlachtfeld. Der Empfangsbereich war durch die vorangegangenen Kämpfe gezeichnet. Der Boden war mit Blut und Scherben übersät, viele Fensterscheiben waren zu Bruch gegangen und Schreibtische, die als provisorische Deckung genutzt wurden, waren von Kugeln durchsiebt worden. Offensichtlich keine gute Idee seitens der Verteidiger, dachte Paul.

Aber statt länger darüber nachzudenken, lief er weiter. Nur weg. Weg von diesem Monster. In Sicherheit? Gab es überhaupt einen Ort, an dem er jetzt noch in Sicherheit sein könnte? Egal. Nur weg von hier. Vor dem Gebäude standen Militärfahrzeuge. Einige davon würden sicher nicht mehr benötigt werden. Ein Knall. Er lief weiter. Noch ein Knall und etwas schlug unweit von ihm auf den Boden ein. Es dauerte eine Weile bis er begriff, dass gerade ein Warnschuss auf ihn abgegeben wurde.

Das Blut in seinen Ohren pulsierte und erst als er seinen Lauf stoppte und seine Atmung sich wieder beruhigte, hörte er die Schreie der Soldaten. Er hörte sie, verstand aber den Sinn der Worte noch nicht. Er musste weiter. Woher kamen diese Soldaten? Natürlich, die Nachhut. Die mussten auch die Leichen und Verwundeten weggebracht haben, nachdem oben die Gefechte abgeebbt waren. Der Druck ihm Ohr ließ langsam nach und jetzt drangen die Worte zu ihm durch. Sie befahlen ihm, sich auf den Boden zu legen.

Nicht jetzt. Paul drehte die Handflächen nach außen und ging langsam weiter auf die Stellung zu. Als er näher kam, sah er das Grauen in ihren Gesichtern. Er benötigte einige Zeit um zu begreifen, dass das Grauen nicht ihm galt, sondern jemand, oder etwas, hinter ihm. Tatsächlich feuerten sie bereits auf seinen monströsen Verfolger und konnten ihn damit vorerst aufhalten. Doch schon bald würden sich wieder dessen Wunden verschließen und dann würde das Ungetüm weiter auf sie zu stürmen.

Ein Soldat hatte sich aus seiner Deckung gelöst und winkte Paul zu. Er erkannte in dem Soldaten Feldwebel Urban, der sie von der vorgelagerten Stellung hergebracht hatte. Für den Einsatz waren wohl auch Streitkräfte aus den vorgelagerten Stellungen herangezogen worden. Nachdem er sich vergewisserte, dass die gesamte Aufmerksamkeit der schießenden Soldaten dem Mutanten galt, nahm er seinen Mut und seine verbliebene Kraft zusammen und rannte zu Urbans Stellung. Dort angekommen ließ er sich auf den Boden fallen.

„Was zur Hölle ist da drin vorgefallen? Wir haben vor einigen Minuten den Kontakt zum Kommando verloren. Die letzte vollständige Meldung war, dass Sie zusammen mit dem Oberstleutnant etwas überprüfen wollten und jetzt ist hier der Teufel los. Im wahrsten Sinn des Wortes. Wer oder was ist das?“

Urbans Fragen prasselten auf den Beamten ein. Noch immer von seinem Kraftakt erschöpft füllte er nach und nach seine Lungen mit Luft. Die Worte kamen ihm nur abgehackt über die Lippen.

„Tot“, keuchte er. „Brunner. Alle tot.“, presste er zwischen zwei Atemzügen heraus.



Urban erkannte, dass er seine Fragen noch etwas zurückhalten musste. Überraschend bäumte sich Paul auf und zog Urban zu sich nach unten.

„Müssen weg.“

Verdutzt blickte Urban auf den Polizisten und starrte dann auf das Monster. Trotz des Beschusses war dieses näher gekommen und er konnte beobachten, wie sich die von unzähligen Geschossen beigebrachten Wunden wieder schlossen. Wieder. Und immer wieder.

„Verdammt. Den Typen haut ja nichts um. Hat der da unten unsere Männer auf dem Gewissen?“, presste Urban hervor. Obwohl er es unterdrückte, war ihm deutlich anzusehen, dass er Angst hatte. Seine Lippen bebten leicht, während er sprach und seine Augen waren geweitet.

„Lauf.“, presste Paul hervor, während er weiter um Luft rang.

Gerade wollte Urban etwas erwidern, als ihn neuer Lärm aufschrecken ließ. Vorsichtig hob er den Kopf an und zog ihn sogleich erschrocken zurück. Braun hatte die Stellung erreicht und gerade einen Geländewagen gerammt. Der Wagen überschlug sich und die dahinter Deckung suchenden Soldaten wurden bei dem Manöver getötet oder verletzt. Blutend und schreiend lagen sie jetzt unter dem Fahrzeug, während der Mutant auf die nächsten Verteidiger losging. Urban hob sein Gewehr und feuerte. Er schoss unaufhaltsam bis sein Magazin leer war. Noch während sich abermals die Wunden des Monsters schlossen, drehte es sich um und hielt direkt auf Urban zu.

Mittwoch, 21. September 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 93

Kapitel 93

Just in dem Moment als die Türen geschlossen waren, krachte schon von außen etwas Massives dagegen. Obendrein verbunden mit einem unmenschlich klingendem Knurren. Während der Aufzug schnell abwärts fuhr, drang ein metallisches Kreischen durch den Fahrstuhlschacht. Ein lautes Krachen kündete davon, dass die obere Fahrstuhltür wohl nachgegeben hatte. Es entstand eine kurze Stille, bevor etwas Schweres und Stählernes auf dem Dach der Fahrstuhlkabine landete.

Paul vermutete, dass es sich um eine der oberen Türen handelte und war im nächsten Moment extrem erleichtert, als der Fahrstuhl sein Ziel erreicht hatte. Als die Türen aufschwangen, wurde die Kabine noch von etwas anderem getroffen. Etwas, das schwerer als die Metalltür war, prallte auf das Dach der Kabine, brachte diese ins Wanken und verformte das Dach. Durch den Aufprall stolperte der Beamte und fiel förmlich aus der Kabine auf den noch immer von Leichen bedeckten Flur hinaus.

Mehrere Augenpaare, der zur Bewachung zurückgelassenen Soldaten, richteten sich auf ihn, als er keuchend wieder auf die Beine fand. Davon erst mal unbeeindruckt drehte Paul sich wieder zur Aufzugtür und drückte eine Hand voll Knöpfe, bevor er seinen Arm wieder aus der Kabine zurückzog und die Tür sich hinter ihm verschloss. Aus den Augenwinkeln meinte er noch erkannt zu haben, wie eine Hand durch das Kabinendach fuhr. Als sein Blick zurückging, war die Tür aber schon verschlossen und die Seilwinde dabei, die Kabine in ein anderes Stockwerk zu transportieren.

Gerade wollte Paul durchatmen, als ein schnappendes Geräusch aus dem Fahrstuhlschacht kam. Im nächsten Moment fiel etwas Schweres im Schacht nach unten, kratzte an den Wänden und krachte auf den Boden. Mit aufgerissenen Augen starrte Paul auf die Aufzugtür, ignorierte die verwirrten Schreie der herumstehenden Soldaten und kam erst wieder zu sich, als etwas in dem Schacht gegen die Türen hämmerte.

Als würde er aus einem Schlaf erwachen, schüttelte Paul die Benommenheit ab, drehte sich um und lief.

„Flieht ihr Narren!“, rief er im Lauf.

Die Blicke der Soldaten pendelten zwischen ihm und der Tür und es herrschte Ratlosigkeit. Keiner wollte das Kommando übernehmen und viele der Soldaten überlegten, ob sie dem Befehl eines Zivilisten folgen sollten. Am Ende setzte sich dann aber doch der Drill durch und die letzte Anordnung ihres Offiziers stand über dem des Beamten. Bei einigen reifte gar der Gedanke, dass der Polizist etwas damit zu tun haben könnte, dass ihr Anführer abgängig war.

Gerade wollte sich ein Feldwebel in Pauls Weg stellen, als die Türen des Aufzugschachts buchstäblich durch den Raum flogen und dabei einen der Soldaten unter sich zerquetschten. Schlagartig interessierte sich niemand mehr für den Polizisten. Alle Blicke gingen in Richtung des aus dem Fahrstuhlschacht stürmenden Monsters. Schnell hatte es die ersten Soldaten erreicht und noch den Ersten im Lauf geköpft. Seine Hand schnellte so rasant vor, dass es mit bloßen Augen kaum verfolgbar war. Nackenwirbel krachten und eine Blutfontäne spritzte hoch. Und noch während die Augen blankes Entsetzen widerspiegelten, wich das Leben endgültig aus ihnen.

Auch der nächste Soldat hatte keine Chance. Pranken hart wie Stahl schlossen sich um den Hals des nächst stehenden Gefreiten und quetschten innerhalb eines Sekundenbruchteils so stark zu, dass erst der Kehlkopf zerquetscht wurde und dann das Genick brach. Inzwischen war es den vorderen Soldaten gelungen, ihre Gewehre auf die sich nähernde Gefahr anzulegen. Nur von einem leisten Zischen begleitet, segelten die Geschosse auf den massiven Körper zu. Wie zuvor durchschlugen die Kugeln das Gewebe und erstmals war auch zu erkennen, wie sich die Einschusslöcher sofort wieder zu schließen begannen.

Wie zuvor verletzte der Angriff das Monster nicht wirklich, stoppte ihn aber kurz und verschaffte dem fliehenden Paul die nötige Zeit, um den Ausgang, bzw. das noch oben führende Treppenhaus erreichen zu können. Im Labortrakt brach in der Zwischenzeit die Hölle los. Die Zahl der Verteidiger schrumpfte immer weiter. Während Paul an der Oberfläche ankam, war der Widerstand im Labor fast vollständig zum Erliegen gekommen. Nur vereinzelt fochten noch einige Männer den ungleichen Kampf. Einige Wenige stellten die Kampfhandlungen ein und suchten sich ein Versteck und tatsächlich ließ das Ding von ihnen ab und machte sich daran, Paul weiter zu verfolgen.

Pauls Blut war der Schlüssel und möglicherweise das Einzige, was Braun heilen konnte. Die Mutation war nicht beabsichtigt gewesen und offenbar eine Nebenwirkung des noch nicht vollständig umgewandelten Blutes. Eine Nebenwirkung, die so nirgends dokumentiert war und den Sektenführer daher unvorbereitet traf. Es war eine Strafe Gottes. Eine Strafe für seine Ungeduld und seinen Übermut. Schon bald würde er den Polizeihauptmeister wieder in seiner Gewalt haben und dann würde alles wieder gut werden.

„Bäääääääärrrraaaaaaa“

Dienstag, 20. September 2011

Wir haben nichts zu fürchten als die Furcht selbst

Das Literaturcafe hat einen Artikel meines geschätzten Kollegen David Gray veröffentlicht, in dem auch ich Erwähnung finde: 


Dem Artikel ist aus meiner Sicht nicht viel hinzuzufügen, bzw. hab ich das im Vorfeld direkt mit David besprochen. 

Untot - Band 3 - Kapitel 92

Kapitel 92

Brunner machte sich innerlich auf den Aufprall gefasst. Während des Laufens spannte er seine Muskeln an und rechnete fest damit, im nächsten Moment von hinten überrannt zu werden. Jedoch passierte nichts. Stattdessen verstummten die Geräusche. Dann setzten plötzlich Schreie ein. Der zuvor achtlos zur Seite gestoßene Soldat war wieder zu sich gekommen und feuerte nun auf den Mutanten.

Erneut durchbohrten die Kugeln den massiven Körper von Braun und Brunner glaubte durch die Löcher hindurchsehen zu können, bevor sie sich einfach wieder verschlossen. Der Mutant stoppte nur kurz, wartete ab bis der Soldat sein Magazin leer geschossen hatte und machte dann einen Satz nach vorne. Noch bevor das neue Magazin eingerastet war, beförderte ein Schlag das Gewehr des Soldaten zur Seite. Dem zweiten Schlag wich der Soldat geschickt aus. Der Schlag war schnell, aber zu hoch angesetzt und verfehlte den Mann daher um wenige Zentimeter.

Eine Rolle brachte ihn aus der unmittelbaren Gefahrenzone, aber bevor er sich wieder aufrichten konnte, war Braun schon bei ihm und stieß ihm seinen Fuß in den Unterkörper. Wie ein Stofftier flog der Soldat davon und prallte gegen die Wand. Der Schlag war mit einer Kraft und Wucht ausgeführt worden, dass dabei sicher einige innere Organe Schaden genommen hatten. Fasziniert löste sich Brunner von dem Anblick und lief weiter zur Tür.

Aus dem Grund sah er auch nicht mehr, wie Braun den halbtoten Mann zu sich hochzog und ihm mit einem Bissen die Schädeldecke abtrennte. Fast schon geschickt zog er das Gehirn heraus und stopfte sich die graue Masse in den gierigen Schlund. Das alles passierte in wenigen Sekunden. Aber Zeit genug für den Oberstleutnant, um zur Tür zu gelangen. Wie durch Geisterhand löste sich dieses Mal das Rad und die Tür schwang auf.

Brunner stürmte hindurch und wäre fast mit Paul und dem vierten Soldaten zusammengestoßen. Erschrocken sahen sie den Oberstleutnant an, der sich mit Furcht verzerrtem Gesicht in den Flur hineindrängte. Noch bevor sie ein Wort herausbringen konnten, drückte er sie zur Seite und hinter sich die Tür zu. Im gleichen Moment krachte von draußen das Monster dröhnend dagegen.

Panisch entfernte sich der Offizier von der Tür und stellte erleichtert fest, dass die Schließung wieder aktiv war. Jetzt bemerkte er auch die nur von innen angebrachte Verriegelung, die wahrscheinlich von Paul und dem Soldaten gelöst worden war. Während von draußen Schläge gegen die Tür hagelten, herrschte drinnen entsetztes Schweigen. Paul war es schließlich, der den Bann durchbrach:

„Was zur Hölle ist da draußen?“

„Etwas, dass sie nicht sehen wollen. Verschwinden wir hier und zwar schleunigst.“, antwortete der Oberstleutnant militärisch kurz angebunden und machte sich sogleich auf den Weg zurück zum Fahrstuhl.

Ohne weitere Fragen zu stellen, folgten ihm Paul und der Soldat. Zu dem Lärm, den die Fäuste an der Stahltür veranstalteten, hatte sich inzwischen ein anderer Laut gesellt. Das Material konnte nicht länger der Kraft des Mutanten stand halten und begann sich lautstark zu verformen. Es klang, als würde der Stahl gegen die Misshandlung protestieren. Schrill und dumpf. Der Riegel lockerte sich zusehends.

Kurze Ruhe. Dann explodierte die Tür förmlich und das Monster stand im Flur. Sein Arm war von Schürf- und Schnittwunden übersät, schlossen sich aber im nächsten Moment. Als der Arm nur noch die mutationsbedingten Verunreinigungen aufwies, löste er sich aus seiner Starre und rannte los. Dumpf hallten die Schritte durch den Flur und schon bald konnten die Verfolgten ihre nahende Nemesis hören.

Brunners Verletzung hatte die Flucht verlangsamt und ihre Chancen damit gemindert. Der Krach der zerstörten Tür hatte zwar die Panik unter ihnen angeheizt, konnte aber letztendlich die Verletzung des Offiziers nicht überwinden. Paul hatte sich bereits abgesetzt und beschleunigte noch mehr. Eine düstere Vorahnung überkam ihn und er wollte dem Rat Brunners jetzt unbedingt folgen, also erhöhte er den Abstand noch weiter.

Die nahenden Schritte veranlassten den Oberstleutnant schließlich dazu, seinen letzten verbliebenen Mann zu opfern. Obwohl er wusste, dass das dessen Todesurteil war, befahl er ihm die Stellung unter allen Umständen zu halten, bevor er weiter humpelte. Der Soldat tat wie ihm geheißen und nur Augenblicke später offenbarte sich ihm das Grauen in Gestalt von Braun. Brachten die Schüsse das Ungetüm noch für wenige Augenblicke ins Stocken, hatte der Soldat in dem Moment verloren, in dem er das Magazin wechseln musste.

Wie ein Derwisch schoss Braun heran, packte den Mann, hob ihn über den Kopf und riss ihn förmlich auseinander. Blut und Eingeweide regneten auf Braun herab, während er sie wie einen warmen Sommerregen willkommen hieß. Im Lauf warf er die Überreste des Toten beiläufig zur Seite, bog um die Ecke und sah zu Brunner, den nur noch wenige Meter vom Fahrstuhl trennten.

„Bruuunnnäääärrrr“

Die Nennung seines Namens ließ den Offizier kurz erstarren. Der von Brunner zurück geworfene Blick hatten seine Chancen endgültig dahin gerafft. Paul stand bereits in der Fahrstuhlkabine und musste mit ansehen, wie das Monster auf den Offizier zugeschossen kam und im nächsten Moment seine Faust von hinten durch den Körper von Brunner stieß. Vorne trat sie wieder heraus und zog dabei die Innereien aus dem Bauch, bevor die unförmige Hand schlagartig wieder zurückgezogen wurde. Schnell bemühte Paul die Fahrstuhltüre zu schließen, indem er auf die Knöpfe hämmerte.

Montag, 19. September 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 91

Kapitel 91

Einer der Soldaten hing einfach in der Luft. Seine Beine baumelten herab und seine Schreie wurden sekündlich schwächer. Um seinen Hals war etwas Großes und Dunkles. Erst nach einiger Zeit erkannte Brunner darin die Klaue des Monsters. Viel zu schnell hatte dieses Ungetüm sich in Bewegung gesetzt und einen der Soldaten am Hals gepackt. Mit einer kurzen Drehbewegung brach das Ding dem Soldaten das Genick. Das Schreien erstarb und der nun regungslose Körper flog schon beinahe beiläufig zur Seite.

„Bruuunnnäääärrrr“, brummte etwas tief aus der Kehle dieses Ungetüms.

Statt weiter zu feuern, drehte sich Brunner um und lief drauf los. Er rannte zum Ende der Höhle und konnte dabei nur mühsam seinen Schließmuskel unter Kontrolle halten. Einer der Soldaten erkannte das Vorhaben seines Vorgesetzten und folgte ihm, während der letzte der Soldaten einen Sekundenbruchteil zu lang zögerte. Schon war das, was einmal Braun war, bei ihm.

Der Soldat spürte den Angriff kaum. Er registrierte einen heftigen Schlag in den Magen, aber statt der erwarteten Schmerzen trat nur ein leichtes Brennen auf. Dann erfasste den Mann eine nie gekannte Leichtigkeit. Er hustete und spürte Blut. Mit einem kraftlosen Arm fuhr er sich über den Mund und wischte sich das Blut von den Lippen. Dann sah er, wie der Mutant seinen Arm zurückzog und etwas in der Hand hatte. Er erkannte noch, dass es sich dabei um Innereien handelte, bevor er leblos zusammenbrach.

Mit einem schmatzenden Geräusch stopfte sich der ehemalige Sektenführer die Gedärme des toten Soldaten in sein riesiges Maul und kaute darauf herum. Nur kurz, denn schon im nächsten Moment setzte er zur einen weiteren Verfolgung an. Trotz seiner Größe und der mutierten Gliedmaßen bewegte er sich schnell und gewandt. Nach nur wenigen Augenblicken hatte er den anderen Soldaten eingeholt.

Aus einer fließenden Bewegung heraus, schnellte der linke Arm des Ungetüms vor und traf den Mann von hinten. Die Wucht des Schlags hob den Soldaten kurz hoch, bevor er mit dem Kopf voran auf den harten Steinboden krachte und dort reglos liegen blieb. Das Monster hielt sich nicht länger mit dem am Boden liegenden Mann auf, sondern stürmte weiter Brunner hinterher.

Der hatte schon fast das Ende des Tunnels erreicht. Tageslicht durchflutete den Bereich und ließ den Oberstleutnant Hoffnung tanken. Als er gerade die ersten Sonnenstrahlen auf seiner Haut spürte, riss ihn eine gewaltige Kraft zu Boden. Hände wie Schraubstöcke hatten sich um seine Handgelenke geschlossen und drückten ihn mit dem Gesicht nach unten auf den Boden.

Etwas über ihm knurrte und wieder platschten Körperflüssigkeiten auf ihn. Brunner lag da und wartete auf die Erlösung, aber es geschah nichts dergleichen. Das Ding schien zu überlegen, und sich etwas durch den Kopf gehen zu lassen. Vorsichtig versuchte der Offizier einen Blick zu erhaschen. Er drehte angestrengt den Kopf und sah was aus Braun geworden war. Sonnenstrahlen erhellten den geschundenen Körper, und viele nässende Stellen sonderten diese ekelhafte Flüssigkeit ab. Von den Einschusslöchern war indes nichts mehr zu sehen.

„Bruuunnnäääärrrr“

Erneut ein tiefes Brummen, wiedergegeben von den geschundenen Stimmbändern und einer durch Mutation verunstalteten Kehle. Die Stimme ließ den Oberstleutnant erschaudern. Das unangenehme Gefühl verstärkte sich, als der Mutant seinen Oberkörper herab senkte und ihn ganz nah an den Kopf des Offiziers heranführte. Es wirkte, als wollte er ihm ein Geheimnis ins Ohr flüstern. Etwas, das nur für die Ohren des Oberstleutnants bestimmt war.

Eine Explosion vor der Höhle schreckte Braun auf. Dem Lärm folgte dichter Rauch. Der Wind trug etwas von dem Gestank in die Höhle und ließ das Ungetüm in seiner Haltung verharren.

„Oh, ich glaube wir haben vergessen zu erwähnen, dass Helikopter und Kampfflieger die Küste überwachen.“, quetschte Brunner hervor. „Du kommst hier nicht raus.“

Wieder ein Knurren und plötzlich wurde der Offizier an den Händen hochgezogen und gleichzeitig sein Körper gedreht. Er hing nun in den Armen des Monsters und damit Auge in Auge mit Braun. Die Augen des Monsters musterten ihn. Brunner sah für sich eine kleine Chance.

„Mein Tod würde dir gar nichts bringen. Aber wenn du mich gehen lässt, könnte ich dafür sorgen, dass man dich nicht tötet. Wenn ich tot bin, ist dein Todesurteil bereits so gut wie unterzeichnet.“

Statt einer Antwort schwang Braun herum und öffnete dabei seine Hände. Aus dem Schwung heraus donnerte Brunner gegen die Höhlenwand. Seine Knochen krachten bei dem Aufprall und sein Körper schmerzte, aber außer Prellungen und Schürfwunden konnte er keine ernsthaften Verletzungen feststellen. Während er sich wieder aufrappelte beobachtete er das Monster, das ungläubig an den Ausgang der Höhle trat und offenbar das vor ihm liegende Bild in sich aufnahm.

Der Oberstleutnant konnte nur mutmaßen, was Braun jetzt sah, aber wenn alles nach Plan verlaufen war, hatte eben ein Hubschrauber mit Luft-Boden-Raketen die dort liegenden und nicht registrierten Boote zerstört. Eine Maßnahme, die er selbst noch in die Wege geleitet hatte, wie er sich irgendwie stolz in Erinnerung rief. Der Weg nach draußen war durch das Ungetüm verstellt, also blieb ihm nur der Weg zurück. Unter Schmerzen richtete er sich schnellstmöglich auf, und humpelte zur verschlossenen Tür, die zurück in das Gebäude führte. Brunner lief erst noch langsam, wurde aber mit jedem Schritt schneller. Nach ungefähr hundert Metern hörte er ein bekanntes Geräusch hinter sich. Das Monster hatte sich wieder auf den Weg gemacht.

Sonntag, 18. September 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 90

Kapitel 90
Die schwere Tür bewegte sich beinah lautlos, das fast unhörbare Quietschen ging im lauter werdenden Rauschen des Meeres unter. Der Knall, als sich die Tür endgültig schloss, war dagegen deutlich zu hören und blieb auch dem kleinen Trupp nicht verborgen. Ohne Verzögerung wirbelten sie herum und starrten in das dunkle Loch. Die Strahlen der Taschenlampen versuchten verzweifelt etwas einzufangen, huschten herum und tasteten flächendeckend Boden und Wände ab.
Sie waren unvorsichtig gewesen. Der Jagdinstinkt hatte Brunners Verstand ausgehebelt und die möglichen Gefahren ausgeblendet. Mit minimaler Feuerkraft waren er und seine Leute in unbekanntes Gebiet vorgestoßen. Und sie waren bisher alleine gewesen. Der Gang war leer, auch in der Höhle hatten sie keine Anzeichen von Leben oder Toten gefunden. Vielleicht hatte der Durchzug die Tür zugeworfen? Eine schwere Eisentür? Nein, absolut unmöglich. Wahrscheinlicher war, dass die Tür über eine Elektronik gesteuert wurde.
So oder so erschien ein weiteres Vorgehen plötzlich riskanter als zuvor. Brunner befahl den langsamen Rückzug. So leise wie möglich marschierte der Trupp geduckt zur Tür zurück, ständig darauf bedacht, sich nach allen Richtungen abzusichern. Meter um Meter legten sie zurück, bevor sie an der Tür zum Stehen kamen. Zwei Männer mühten sich ab, die Tür zu öffnen, konnten das Rad aber nicht ansatzweise bewegen. Es war, als wäre das Rad seit Jahren nicht gedreht worden und daher von salziger Meeresluft eingerostet.
Während sich die Männer weiter abmühten, sicherte Brunner den Höhleneingang. Etwas tropfte dabei stetig auf seinen Helm. Eine Kleinigkeit daran irritierte Brunner. Mit einem platschenden Geräusch landete abermals ein Tropfen auf dem Helm und plötzlich wusste er, was ihn daran störte. Die Höhlenwände waren eigentlich trocken. Wieder ein Platschen. Trotz der Nähe zum Meer waren die Wände definitiv trocken. Das Geräusch glich auch weniger einem Tropfen Wasser. Platsch. Es klang dickflüssiger.
Plötzlich fühlte sich Brunners Hals trocken an und Schweiß sammelte sich in seinem Nacken. Es war mehr ein Gefühl, aber sollte sich die Vermutung als richtig erweisen, hätten sie jetzt ein gewaltiges Problem. Seine Gedanken überschlugen sich und er plante krampfhaft sein weiteres Vorgehen. Er wusste nicht, wie viel Zeit im blieb. Aber er musste sicher schnell reagieren. Wahrscheinlich hatte er nur Sekundenbruchteile. Platsch. Etwas von der Flüssigkeit löste sich von seinem Helm und tropfte ihm auf die Jacke. Aus den Augenwinkeln betrachtete er die rot gelbe Masse, wie sie nun langsam und zäh an dem wasserabweisenden Material nach unten lief. Er hörte ein Knurren.
Es war Zeit zu handeln. Er hatte nur eine Chance und war bereit, diese auch voll zu nutzen. Mit einem Sprung hechtete er zur Seite und warf sich auf den Boden. Dabei schwang er das Gewehr nach oben und gab einen Feuerstoß auf die Höhlendecke ab. Keine Schussgeräusche hallten durch die Höhle und kein Mündungsfeuer erhellte die Decke. Ein dumpfer Schlag zeugte aber davon, dass eine der Kugeln vor dem Aufschlag auf dem nackten Stein noch etwas anderes getroffen haben muss.
Noch während die anderen Soldaten perplex abwechselnd auf ihren Befehlshaber und nach oben starrten, löste sich ein Schatten von der Höhlendecke. Etwas sehr Unförmiges schwang herunter und krachte auf den Boden. Schemenhaft stand es da und bewegte sich nicht. Erst als der Oberstleutnant wieder zu sich gefunden hatte und den Feuerbefehl ausstieß, erwachten die Männer aus ihrer Trance und feuerten auf das Wesen.
Die Kugeln zerfetzten dessen Fleisch, Knochen und Gewebe. Sie drangen vorne ein, kamen rückwärtig wieder raus und zischten als Querschläger über die Wand davon. Doch nichts davon brachte den Schatten zu Fall. Einer der Soldaten fasste  Mut und richtete den Strahl seiner Lampe auf das Ding. Er wünschte sich, er hätte es nicht getan. Das Licht der Lampe legte etwas frei, was nur noch entfernt an einen Menschen erinnerte.
Brunner glaubte Brauns Züge zwischen den Wucherungen im Gesicht zu erkennen, welches wie eine Grimasse verzogen war. Riesige Eiterbeulen überzogen Kopf, Nacken und die Stellen, die nicht weiter von Kleidung bedeckt waren. An den meisten Stellen war diese bereits aufgeplatzt. Die von innen herausgewachsenen Verformungen hatten den Stoff so stark beansprucht, bis er der Belastung nicht mehr stand hielt.
Trotz seines wachsenden Ekels ließ der Soldat das Licht noch weiter nach oben wandern, bis er die Augen des Wesens fand. Diese waren voller Leben, beobachteten alles und wichen auch nicht dem Licht aus. Brunner sah in die Augen, stellte Augenkontakt her und er erkannte darin ein Raubtier, das bereit zum Sprung ist. Unfähig den Blick wieder zu lösen feuerte er geradewegs auf den Kopf und sah Flüssigkeiten und Gewebe auf der anderen Seite im schwachen Schein der Taschenlampe weg spritzen. Braun fiel allerdings nicht.
Es war offensichtlich, dass dieses Ding immer noch am Leben war. Dessen Augen glänzten förmlich. Nein, sie leuchteten, bemerkte Brunner. Sie leuchteten wie ein Feuer, sie flackerten, bereit alle die ihnen im Weg standen aufzufressen. Schon meinte der Oberstleutnant die Feuerzungen an sich hinauf lecken zu spüren, als er sich aus dem Bann reißen konnte. Ruckartig erlosch das Feuer. Das Leuchten war aus den Augen verschwunden und im nächsten Augenblick waren auch die Augen nicht mehr da. An ihrer Stelle war nur noch Dunkelheit.
Ein lauter Schrei tönte durch die Höhle.

Samstag, 17. September 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 89

Kapitel 89
Brunner erschien über die Nachricht nicht gerade erfreut und forderte Paul auf, ihn zur Leiche zu führen. Gleichzeitig verlangte er einen Abriss der vorangegangenen Ereignisse. Glasscherben knirschten unter ihren Stiefeln, während sie sich zu dem Fahrstuhl begaben, der sie näher an die Oberfläche führen sollte. Wieder passierte Paul seinen toten Freund und erneut stieg in ihm ein Gefühl der Hilflosigkeit empor. Es war unnötig, so unnötig. Das alles hier.
Der Oberstleutnant blieb bei den drei Leichnamen stehen und bat um die Herausgabe des Chips, der in Horsts Nacken gesteckt hatte. Eine Bitte, der Paul erst mal nicht so ohne Weiteres nachkommen konnte. Paul musste erst überlegen, bevor ihm wieder einfiel, dass Horst den Chip in seiner Hand hielt, als er verstarb. Traurig wandte er sich seinem Freund zu, öffnete seine Hand, fand darin den Fingernagel großen Chip und überreichte ihn Brunner. Der besah sich das elektronische Wunderwerk, drehte es etwas, bevor er einen Soldaten herbeirief und es ihm zur Verwahrung und Sicherung übergab.
Mit der Karte öffnete Paul erneut die Fahrstuhltür. Wie ein offener Schlund lag sie vor ihm, bereit ihn und alle, die bei ihm waren zu verschlucken. Sein Hals wurde trocken und nur widerwillig konnte er seinen Körper in die plötzlich viel zu kleine Kabine bewegen. Jeder Schritt fühlte sich an, als würde er durch Watte stapfen. Alle im Raum befindlichen Elemente schienen ihn plötzlich davon abzuhalten wollen, diese Kabine zu betreten. Paul kämpfte dagegen an, zwang seinen Körper weiter nach vorne und rang das Gefühl der Angst nieder. Wie ein Insekt verkroch es sich wieder in sein Unterbewusstsein und verharrte dort, bereit zu einem unpassenden Zeitpunkt wieder hervor zu preschen.
Obwohl es sich für Paul wie eine Ewigkeit anfühlte, waren nur wenige Sekunden vergangen. Brunner hatte mit vier Männern bereits den Fahrstuhl betreten und starrte etwas ratlos auf den Beamten, der wie in Trance und fernab seiner Gedanken in den Fahrstuhl zu schweben schien. Doch schnell verschwand der träumerische Ausdruck aus seinen Augen und machte dem scharfen und geschulten Blick eines langjährigen Polizeibeamten Platz. Entschlossen, als wäre nie etwas gewesen, drückte Paul den Knopf und fast lautlos rauschte die Kabine nach oben.
Die Fahrstuhltür öffnete sich und gab den Blick auf den trostlosen Flur frei. Wortlos setzten sich der Trupp in Bewegung und folgten dem Gang. Als sie um die zweite Ecke bogen sahen sie dort, wo eigentlich Brauns Leiche liegen sollte, nur die Spuren der vorigen Auseinandersetzung. Körpersäfte und Einschusslöcher im Boden waren zu sehen, aber von der Leiche fehlte jede Spur.
Brunner beugte sich hinunter und tauchte seine in einen Handschuh gekleideten Finger in die am Boden klebende Flüssigkeit. Mit den Fingern rieb er sie, roch daran und sah zu Paul hoch.
„Wo ist jetzt ihre Leiche?“
„Die Leiche von Braun sollte hier liegen.“, antwortete Paul. „Ich habe ein ganzes Magazin in seinen Körper gejagt, er ist tot.“ Seine Stimme hatte etwas leicht verzweifeltes.
„Haben Sie ihm auch eine Kugel in den Kopf verpasst?“
„In den Kopf? Ich, ich weiß nicht. Ich glaube nicht. Warum in den Kopf, er war doch nicht infiziert.“ Die Verzweiflung in Pauls Stimme nahm weiter zu.
„Und wenn doch? Gut, im schlimmsten Fall irrt er hier unten als Untoter herum. Die Gänge bieten ja nicht sehr viele Möglichkeiten sich zu verstecken. Wir folgen dem Verlauf des Gangs und suchen ihn, bringen ihn zu Fall und entscheiden dann, was wir mit seinen Überresten machen.“, erwiderte Brunner emotionslos.
Bei Paul nahm derweil die Verzweiflung weiter zu. Eine Erkenntnis machte sich ihn ihm breit.
„Oh Gott, mein Blut. Er hat sich mein Blut injiziert. Irgendetwas ist in meinem Blut. Und das ist jetzt auch in seinem Blut.“
Etwas Wirres trat in Pauls Augen und Brunner befürchtete für einen Moment, dass er sich die Pulsadern aufreißen könnte, um das, was auch immer sich in seinem Blut befand, aus seinem Körper zu reißen. Stattdessen schlug er sich die Hände vor die Augen und fiel auf den Boden. Erstickte Laute drangen nach außen. Der Oberstleutnant war kurz unschlüssig, gab einem der Soldaten den Befehl bei dem Beamten zu warten und marschierte mit den anderen weiter.
Wieder bog der Gang um eine Ecke, nur befand sich diesmal eine Tür hinter der Biegung. Die Tür stand offen und offenbarte den Blick in eine unbeleuchtete Höhle. Durch die Höhle drang das Geräusch von brandendem Wasser nach innen. Ein Licht am Ende der Höhle bedeutete, dass es dort ins Freie ging. Wenn jemand die Leiche dorthin geschafft hatte, oder womöglich Braun ein Zombie war und allein hierher gewankt ist, war er möglicherweise schon längst außer Reichweite.
Um keine weitere Zeit zu verlieren, jagte der Oberstleutnant die Soldaten durch die Tür und in die dunkle Höhle. Nachtsichtgeräte waren nicht ausgegeben worden und die Strahlen der Taschenlampen huschten hektisch an den Höhlenwänden umher. Schatten täuschten Bedrohungen vor, die es nicht gab und Stellen, die nicht erleuchtet wurden, hielten ihre Bedrohung verborgen. Als die Männer 100 Meter in die Höhle vorgedrungen waren, fiel die schwere Tür hinter ihnen ins Schloss.