Mittwoch, 7. September 2011

Books of the Dead - Der Todeskreuzer von Joe Schreiber

Nerdgasm! Zombies im Star Wars-Universum.

Zwei Welten prallen aufeinander, die eigentlich unvereinbar scheinen. Imperiale Sternenzerstörer, Sturmtruppen und fleischfressende Zombies prallen in dem Werk von Joe Schreiber aufeinander und erfreuen zwei Seelen in meiner Brust. Die, des Zombienerds und die des Star Wars-Fanboys.

Denk ich an Star Wars, fällt mir als erstes "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" ein, den ich als Steppke im Kino gesehen hab. Bis dahin kannte ich nur die Spielsachen, die uns seinerzeit nur allein aufgrund ihrer Thematik in ihren Bann zogen. Die Filme kannte damals noch keiner. So füllten wir die Charaktere selbst mit Leben und interpretierten Zusammenhänge und zogen uns unsere wenigen Infos aus billigen Comicheftchen.

Dann der Flash. Star Wars im Kino.

Plötzlich wurden die Charaktere für mich, für uns mit Leben befüllt. In über zwei Stunden tauchten wir ein in die Welt von Luke Skywalker und Han Solo. Wir verfolgten eine epische Raumschlacht und Speeder-Bike-Verfolgungsjagden auf Endor und schließlich den Showdown auf dem Todesstern, bei dem Darth Vader die dunkle Seite der Macht in sich besiegen konnte und den Imperator stürzte, um seinen Sohn zu retten. Zwei Stunden, die forthin das Leben der Kinder in unserem Dorf massiv beeinflussen sollten.

Da störte es uns auch nicht, dass der Kinosaal der Nebenraum einer Wirtschaft (bayr. Wirtshaus) war, und bei jedem Rollenwechsel am Projektor eine Zwangspause entstand. Die Pausen wurden genutzt, um über das Gesehene mit den Freunden zu referieren, darin zu schwelgen und Spekulationen anzustellen, wie es weitergehen konnte. Nur Hartgesottene verließen den Saal, um sich in der Zeit ein Eis zu holen. Aus dem Grund ist Episode 6 für mich der beste Teil der Serie und auch Ewoks werden daran nichts ändern.

Zeitsprung in die Gegenwart.

Mit "Der Todeskreuzer" bewegt sich Joe Schreiber weg von Ewoks, lustig dreinplappernden Droiden und tölpelhaften Gungans und fügt dem Star Wars-Universum eine neue Schattierung hinzu. Gab man sich in der Vergangenheit in schriftlicher Form schon immer gern etwas düsterer (z. B. in der Thrawn- / Boba Fett-Trilogie), werden hier noch härtere Töne angeschlagen.

Statt klinisch sauberer Laserschwertschnitte regieren hier mehr oder weniger scharfe Gegenstände, die blutig in Körper gejagt werden und anstatt dunklen Einschußlöchern auf weißen Sturmtruppen-Rüstungen explodieren hier ganze Körperteile in einer Wolke aus Blut und anderen Körpersäften.

Mal kurz zur Handlung. Der Gefängnistransporter "Sühne" schwebt mit seiner Fracht, bestehend aus Häftlingen aller Coleur, durch's Weltall mit dem Ziel, die Gefangenen ihrem Schicksal auf einem Gefängnisplaneten zuzuführen. Unterwegs fällt der Überlichtantrieb aus. Die Scanner erfassen einen aufgegebenen imperialen Sternenzerstörer und kurzentschlossen wird ein Team dorthin geschickt, um Ersatzteile zu besorgen. Doch das Team bringt nicht nur die benötigten Ersatzteile mit sich. Ein Virus greift um sich und tötet innerhalb kürzester Zeit 99,7 % der Besatzung und der Häftlinge. Doch die Toten ruhen nicht für lange.

Zuerst ist das ja alles wie ein feuchter Traum. Das Buchcover macht Lust auf mehr und die Ausgangslage (Zombies im Weltraum) ist auch nicht so verkehrt. Dann. Aber dann. Dann entschließt sich Joe Schreiber zwei wohl bekannte Charaktere aus der alten Trilogie in das Szenario zu werfen und plötzlich ist die Luft raus. Die Bemühungen, die Filmcharaktere mit ihren typischen Verhaltensmustern in dieses Szenario zu transferieren mag meiner Meinung nach nie so recht gelingen. Zudem hemmt es die Spannung, wenn man weiß, dass eben jene Charaktere ein Jahr später auf einem Wüstenplaneten auf einen Jungen in Begleitung von zwei Droiden und seinem älteren Mentor treffen werden.

Was dann folgt ist eine Abfolge von Märschen auf dem als riesig beschriebenen Sternenzerstörer. Dort begegnen sich die wenigen Überlebenden immer wieder mal und auch die eine oder andere wundersame Rettung steht auf dem Stundenplan. Irgendwann hab ich als Leser dann auch den Überblick verloren, wer gerade durch welchen Gang kriecht und warum. Oder eigentlich war es mir nach einiger Zeit auch relativ egal. Mindestens zwei Überlebende stehen von Anfang an ja fest und nein, das ist kein Spoiler. Die Rolle kommt quasi Episode IV zu.

Schade eigentlich. Die Zutaten waren alle vorhanden, um das Star Wars-Universum kräftig aufzurütteln. Dass dann am Ende doch nur ein ganz ordentlicher Roman bei rumgekommen ist, der nur ansatzweise an dem vorhandenen Potenzial kratzt, enttäuscht dann aber doch. Auch schafft Schreiber es kaum, das Universum wirklich mit Leben zu füllen. Wenn ich da die Bücher von Timothy Zahn denke. Ach.

Drei von fünf abgetrennten Sturmtruppenhelmen. Wegen der Idee.

Kommentare:

  1. Hab das Buch vor einiger Zeit gelesen und muss dir zustimmen es ist ganz nett aber auch nur nett.

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  2. Ja, leider. So viel Potenzial... :(

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