Freitag, 30. September 2011

Books of the Dead - Die Kammer der toten Kinder von Franck Thilliez


Nach einer Empfehlung von David Gray.

Es ist schon eine Achterbahn der Gefühle, über die man von Franck Thilliez geschickt wird.

Doch von Anfang an. Nach Cody McFadyen noch ein Thriller. Noch ein Serienmörder. Noch eine Polizistin.

Ein geheimnisvoller Kindesentführer und Mörder schockt die französische Provinz. Eine Polizistin und Mutter sieht in der dünn besetzten Vorweihnachtszeit ihre Chance den alltäglichen Verwaltungstrott zu durchstoßen und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Dabei stößt sie auf ein schreckliches Geheimnis und begibt sich selber in tödliche Gefahr.

Haha, der letzte Satz ist aus der Buchbeschreibungshölle entliehen, aber recht viel mehr gibt es zur Handlung nicht zu erzählen, wenn ich nicht spoilern will.
Im Gegensatz zu Cody McFadyen umgeht Franck Thilliez aber geschickt Logiklöcher und vermeidet den Einsatz von Stereotypen. Die Polizistin und Mutter hat selber ein dunkles Geheimnis, das sie fortwährend verfolgt und gibt sich nicht durchgehend Selbstzweifeln, oder anderen unwichtigen Gedankengängen hin. Die Polizeiarbeit wirkt realistisch, die hinzugezogenen Beamten sind gut, aber keine Elite-Truppe mit fast übernatürlichen Fähigkeiten. Passt.

Die Kammer der toten Kinder ist sehr stringent erzählt und steuert unvermeidbar auf den Storyclimax zu. Soweit, so kurzweilig.

Leider hat Thilliez es sich zur Aufgabe gemacht, den Leser ständig auf falsche Spuren zu hetzen. Das macht er mal mehr, mal weniger gut. In den schlechten Momenten ist die Auflösung nur einige (Ab-) Sätze entfernt. Anstatt die Hinweise geschickt im Text unterzubringen und aufgrund einer vordergründigen Faktenlage den Leser auf eine falsche Spur zu bringen, wird hier mit dem Holzhammer gearbeitet. Das macht dann den Lesegenuss etwas holprig, vor allem, wenn man das Muster durchschaut hat.

In den guten Momenten streut er dagegen tatsächlich falsche Hinweise, denen Ermittler und Leser gleichermassen auf den Leim gehen und deren Auflösung tatsächlich überraschend ist.

Auch nicht so gefallen hat mir das Ende. Alles steuert auf den Höhepunkt zu. Die Spannung steigt ins Unermessliche. Dann... vorbei. Nur um den eigentlichen Höhepunkt im nachhinein durch Charaktere rekapitulieren zu lassen. Das nimmt meiner Meinung nach schon einiges an Dramatik raus. Das wär so, als hätt ich Band 3 damit enden lassen, dass...

ACHTUNG SPOILER ZU BAND 3

(Text markieren um ihn lesbar zu machen)

ein Polizist beerdigt wird. Dann stellt sich heraus, dass der überhaupt nichts zur Handlung beigetragen hat, Paul lebt und der erzählt nebenbei Martina, wie er Braun dank des Granatwerfers im letzten Moment in die Knie zwingen konnte.
SPOILER ENDE

Trotzdem ist das Buch bis zum Ende spannend erzählt, bietet einige Irrungen und Wendungen und kann durchaus unterhalten.

Vier von fünf toten Katzen

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