Dienstag, 27. September 2011

Sucker Punch

Zack Snyder ist so ein kleiner Tausendsassa. So richtig kam seine Karriere ausgerechnet mit dem Remake des Romero-Klassikers Dawn of the Dead in Fahrt, mit dem er - zusammen mit 28 Days Later (jaja, Infizierte, keine Zombies) - die rennenden Zombies etablierte. Gut, ich mag die langsamen lieber, aber trotzdem eine Genrereferenz.
Danach erntete er viel Beifall, aber auch Kritik, für seine Interpretation von 300. Mag man von dem Film halten was man will, aber die Bildsprache ist der Wahnsinn und einer der seltenen Fälle, in denen eine Comicverfilmung auch tatsächlich wie ein Comic wirkt.

Zurecht wurde Snyder die Regiearbeit von Watchmen übertragen und er schuf auch hier nicht weniger, als ein kleines Meisterwerk. Vor allem die Eröffnungssequenz gehört zusammen mit der aus 28 Weeks Later zu den größten Momenten der Filmgeschichte. Meiner bescheidenen Meinung nach.

Mit Legende der Wächter liefert Snyder dann einen unterschätzten Animationsfilm ab, der zwar etwas rar an Höhepunkten ist, davon ab aber eine schöne Geschichte, schöne Bilder und tolle Animationen liefert.

Und jetzt Sucker Punch.

Der Film wurde in der Presse förmlich zerrissen. Ich hab wesentlich mehr schlechte, als wohlwollende Kritiken vernommen und auch letztere lasen sich dann doch eher zurückhaltend und unfähig, den Film in ein Korsett zu schnüren. Und bei Gott (oder wem auch immer): das ist wirklich nicht so ohne weiteres möglich.

Bereits die Eröffnungssequenz ist für mich die beste seit Watchmen. Leck mich fett. Snyder gelingt es tatsächlich erneut, zu Beginn mit audiovisuellen Mitteln einen Einstieg zu erzeugen, dem man sich nicht mehr entziehen kann. Die ersten Dialoge wirken dagegen fast wie ein Fremdkörper und überhaupt gibt es Momente, in denen ich mir den Film komplett ohne Dialoge gewünscht hätte. Zu perfekt sind Musik und Bild aufeinander abgestimmt und lassen Teile des Films wie ein überlanges Musikvideo wirken. Es ist unübersehbar, dass Snyder früher Musikvideos gedreht hat. Die Musikauswahl reicht dabei von gigantisch bis absolut passend.

Die Bildsprache ist darüber hinaus der Hammer. Aus jeder Szene triefen Eindrücke, nein, schlagen auf den Seher ein. Bei mancher Szene fühle ich mich regelrecht durchgeprügelt, nur um am Ende hilflos zurück zu bleiben. Rund die Hälfte des Films würde im Standbild als Wallpaper durchgehen und unterstreicht damit den Comic-Touch, den der Snyder einfach so toll drauf hat. 300 und Watchmen haben ihn in der Vergangenheit offensichtlich stark geprägt.

Der Film selbst... ist nebensächlich. Die Handlung läuft auf drei Ebenen, aber für mich persönlich jetzt nicht so ungewöhnlich oder deutungsschwanger, wie hier immer getan wird. Oder ich hab's nicht verstanden. Kann ja auch sein.

Die Charaktere sind mir ebenso egal, wie die Handlung und doch zieht mich der Film zwei Stunden lang in seinen Bann. Die Traumsequenzen sind der animierte Wahnsinn und das in zweierlei Hinsicht. Natürlich die Renderhölle, aber so überdreht, dass das eigentlich nur Pedanten aufstösst. Dabei scheißt der Regisseur auf Logik und historische Authenzität; lässt zum Beispiel Mechs in den Gräben des ersten Weltkriegs gegen dampfbetriebene deutsche Zombiesoldaten antreten. Immer mitten drin: die sexy Hauptdarstellerinnen in knappen Outfits.


Gesehen hab ich den Directors Cut und frag mich, wo die zusätzlichen 17 Minuten herkommen. Ich fand keine Minute des Films überflüssig und könnte mir damit evtl. das eine oder andere Verständnisproblem erklären.

Fazit: Ein audiovisuelles Meisterwerk! Ohne Wenn und Aber. Entsprechendes Equipment vorausgesetzt.

Trotzdem kein Film für Jedermann. Dazu ist er zu speziell, zu abgedreht, zu laut zu bunt und abseits des Audivisuellen zu wenig. Wer sich selber ein Bild machen will, kann sich den Film mit dem Code hier kostenlos und legal runterladen (Code ist nur einmal verwendbar, gilt nur in D/AT, nur Windows-Rechner, keine portablen Geräte):

(Ein kurzes "Danke" nach Gebrauch in den Kommentaren wäre nett. Dann nehm ich den Gutschein wieder raus.)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen