Freitag, 2. September 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 74

Kapitel 74
„Wir haben Kontakt. Unsere Nachrichtenspezialisten konnten eine Verbindung nach Rügen aufbauen.“ Carsten stürmte in den Raum.
So aufgeregt hatte Martina Carsten zuvor noch nie erlebt. Ausgerechnet Ümmel, der eigentliche Ruhepol, gab sich aufgeregt wie ein kleines Kind und stürmte unangemeldet in Leyrers Büro, während dieser gerade mit Martina verschiedene Optionen beriet, wie weiter vorzugehen wäre. Die Aufregung sprang sofort auf die Beiden über.
„Wann?“ wollte Leyrer wissen.
„Gerade eben. Drüben im Kommunikationsraum konnte eine Telefonverbindung hergestellt werden und wir haben das Vorzimmer in Rügen dran.“
„Ich komme.“
„Kann ich mitkommen?“ Martinas blaue Augen flehten ihren Vorgesetzten förmlich an. Die Sorge um Paul schien sie förmlich zu zerreißen.
„Ausnahmsweise. Sie halten sich aber im Hintergrund. Was genau wissen wir, Carsten?“
Noch im Gehen erteilte ihm Ümmel einen Rapport mit allen Erkenntnissen der letzten Minuten. In dem Hauptverteiler für München wurden sämtliche ausgehenden Leitungen zerstört. Da Telekomtechniker zur Zeit rar waren, konnte der Schaden dadurch erst spät ausfindig gemacht werden. Zudem wurden auf der Strecke nach Rügen mehrere Störsender ausfindig gemacht, die dafür sorgten, dass die Funkverbindungen brach lagen. Wie im LKA strömten diese außerdem einen Lockstoff aus und waren daher schon von weitem durch Zombieansammlungen erkennbar, aber daher folglich trotzdem nicht erreichbar. Die nachrichtendienstlichen Beamten konnten dafür im Verteilerraum die ausgehende Telefonie ermöglichen und so wieder eine Verbindung zur Außenwelt herstellen.
Auch auf Rügen war die Funkverbindung ausgefallen, die Polizisten Mewes oder Bährer waren bisher nicht angekommen. Leyrer verlangte unverzüglich einen diensthöheren Beamten zu sprechen und betonte erneut die Wichtigkeit seines Anliegens. Trotzdem ließ sich sein Gegenüber nur widerwillig überreden und versprach ihm, das Gespräch zeitnah zu ermöglichen. Leyrer möge doch derweilen in der Leitung warten.
Außer sich vor Wut musste Leyrer sich beherrschen, den Hörer nicht einfach wieder auf den Apparat zu knallen. Stattdessen aktivierte er unwirsch die Freisprecheinrichtung. Klassische Musik drang aus den Lautsprechern nach draußen und beschallte die Wartenden. Die Melodie kam Martina bekannt vor, sie konnte sie aber keinem Namen zuordnen. Klassik war nicht ganz ihre bevorzugte Musikrichtung gewesen und ihr Interesse entsprechend gering.
Trotzdem empfand sie die Musik in diesem Moment als wunderschön. Wie etwas Vergessenes aus einer anderen Zeit, dass durch Zeit und Raum gereist war und ein Stück Normalität in ihr Leben zurück brachte. Sie schloss die Augen und stellte sich vor, in diesem Moment mit Paul in einem Konzerthaus zu sitzen. In ihren Gedanken trug sie ein herrliches rotes Abendkleid, hohe Schuhe und hoch gesteckte Haare. Paul bedachte den feierlichen Rahmen in einem schwarzen Smoking, sauber rasiert und die Haare ordentlich gestutzt. Sie sah vor sich das Orchester, die Bühne, die Vorhänge. Alles wirkte so real, bis sie eine Stimme aus ihren Gedanken riss.
Am anderen Ende der Leitung meldete sich ein Landespolizeipräsident Erwin Schober. Bei dem Namen keimte eine Erinnerung im Kopf der Polizistin auf, aber sie konnte sich nicht genau erinnern. Konzentriert darauf, woher sie den Namen kannte, verfolgte sie nur oberflächlich das Gespräch. Nicht zu übersehen war aber Leyrers wachsende Verstimmung.
Nach mehreren deutlichen Ausführungen von Leyrer zog Schober es tatsächlich in Erwägung, die nächsten Stunden seinen E-Mail Eingang zu überprüfen, um diesen nach einer Mail von Herling zu durchsuchen. Daneben gab er Leyrer aber zu verstehen, dass er sich für Nachrichten, die eigentlich an Leyrers Beamten gerichtet wären doch bitte an die Dienststelle zu wenden habe, da er sich nicht als Vermittlungsstelle sehe. Noch bevor Leyrer etwas erwidern konnte, hing er in einer Warteschleife und wurde erneut von einem wahrscheinlich schon längst toten Orchester mit klassischer Musik beschallt.
Nach unendlich erscheinenden Minuten nahm überraschend eine entspannt wirkende Dame den Anruf entgegen. Statt sich vorzustellen, fragte sie nur nach dem Grund des Anrufes, und wie sie ihnen weiterhelfen könne. Martina sah, dass Leyrer kurz davor war, die Geduld zu verlieren, behielt aber die Ruhe. Eindringlich und mit klaren Worten schilderte er der Dame, was sie wussten. Am Ende kam das Gespräch auf den Verräter und plötzlich erfreute er sich ihrer vollen Aufmerksamkeit.

Kommentare:

  1. Hi,
    ich glaube, dass die Abkürzung HVT im allgemeinen nicht so geläufig ist für nicht-Telekommer. Vielleicht sollte man das ausschreiben. Ansonsten muss ich sagen, dass Teil 3 mir bis jetzt echt sehr gefällt, definitiv das Beste von dir!

    Grüße aus Trier

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  2. Stimmt. Da schlägt die Arbeit mal wieder durch. :)

    Hab's geändert, danke für den Hinweis.

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