Sonntag, 4. September 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 76

Kapitel 76
„Ich  habe Frau Schlagges alles mitgeteilt was wir wissen. Zusammen mit Brunos Email waren das hoffentlich genügend Informationen.“ Informierte Leyrer Carsten und Martina über die jüngsten Ereignisse.
„Was ist mit Paul?“ wollte Martina wissen.
„Nichts. Sie hat die Datenbanken überprüft und zuletzt sind nur ein Günther Weiß und ein Markus Schmidt in Rügen angekommen. Beide Beamte aus München, wie die Schlagge meint. Sind euch die Namen geläufig? Ich hab bei mir im Rechner nachgesehen und find dazu nur die Daten von zwei Kollegen, die wir im Februar diesen Jahres bei einer fehlgeschlagenen Säuberungsaktion verloren haben.“
Ümmel runzelte die Stirn. „Seltsamer Zufall, oder?“
„Dachte ich mir auch gerade.“ Pflichtete ihm Martina bei.
„Ich glaube, ich kenne die beiden. Waren im dritten Zug. Der Weiß war ein dunkelhaariger. Konnte ich mir merken, weil ihn alle Schwarz nannten, was er gar nicht witzig fand. Könnte sein, dass Schmidt sein Partner war.“, mutmaßte Ümmel weiter.
„Ja, die beiden waren tatsächlich Partner.“, bestätigte Leyrer die Vermutung seines Freundes. „Aber eben tot. Sie wollte mir noch einen Scan der Ausweise schicken. Vielleicht erkennt ihr die Gesichter ja wieder.“
„Was gab’s sonst noch? Ihr habt doch gut und gerne zwei Stunden telefoniert.“
„Eigentlich nichts, was euch interessieren sollte. In dem Fall wird ich aber eine Ausnahme machen.“
Er zwinkerte Martina übertrieben zu, bevor er fortfuhr.
„Wir sind die von Bruno verschickten Unterlagen durchgegangen. Ich habe diese um Fakten ergänzt, die uns vorliegen, und ihr noch einige Erklärungen zu den Unterlagen gegeben. Darüber hinaus habe ich sie natürlich mit der Information über die undichte Stelle ausgestattet.“
„Und? Was jetzt? Machen sie die Bude dem Erdboden gleich?“ Martina schlug mit der Faust demonstrativ auf den Tisch.
„Nein, das ist nicht so einfach. Das Gebäude dient zur Entwicklung und dem Test von neuen Waffen gegen die Untoten. Die Einrichtung wurde direkt vom Verteidigungsministerium noch unter dem alten Verteidigungsminister geplant. Die Umsetzung selbst geschah noch vor den Ereignissen des letzten Jahres. Stattdessen will man eine offizielle Untersuchung einleiten, wofür aber erst der Segen der Regierung eingeholt werden muss. Man kann nicht einfach eine Einrichtung der Armee stürmen. Nicht mehr. Oh, eine neue Email.“
Etwas unbeholfen fuhr Leyrer mit der Maus herum, fluchte einmal kurz und holte sich schließlich Martina zur Hilfe, die die Dateien von der Email löste. Weil sie in einem für den Rechner unbekannten Format waren, wählte sie ein dafür geeignetes Standardprogramm, und öffnete die Datei. Statt in die Augen eines Unbekannten, blickte sie in Pauls braune Augen. Schnell öffnete sie die zweite Datei und folgerichtig sah sie darin Horst, der den Namen Markus Schmidt trug.
Sprachlos sah sie zu Leyrer, der ebenfalls kein Wort herausbrachte. Martina sah Ümmels fragenden Blick auf sich lasten und winkte ihn herum. Schwerfällig erhob er sich aus seinem Stuhl, ging um den Schreibtisch und verstand die Sprachlosigkeit seiner beiden Kollegen.
„Verdammt Klaus, du musst diese Schlagge nochmal anrufen. Sie sind bereits auf Rügen.“
„Scheiße, scheiße, scheiße. Ja. Scheiße. Bruno muss sie mit neuen Papieren ausgestattet haben, damit sie nicht auffallen. Er konnte ja nicht ahnen, dass…“
Noch während Leyrer sprach, huschten seine Finger über die Tasten seines Telefons und noch während er mit Carsten sprach, meldete sich eine Frau am anderen Ende der Leitung.
„Hallo?“
„Ja, hallo. Hier ist nochmal Leyrer. Hören Sie, Polizeioberrat Herling hat den beiden Beamten neue Dienstausweise mit Scheinidentitäten ausstellen lassen. Seine Gründe hierfür sind uns nicht bekannt, aber halten Sie nach Weiß und Schmidt Ausschau. Informieren Sie alle Außenposten, das Militär und Patrouillen. Verteilen sie die Bilder an jeden Beamten im Einsatz und informieren Sie die Kollegen über die beiden.“
„In Ordnung.“ Die Stimme am anderen Ende des Telefons klang ruhig und beherrscht.
„Nur eine Frage noch. Wie konnte euch so eine Schlamperei passieren?“
Statt einer Antwort hatte Leyrer nur Schweigen für die Frau auf Rügen parat.

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