Sonntag, 11. September 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 83

Kapitel 83
Oberfeldwebel, bzw. Oberstleutnant, Brunner stand vor der Glasfront des Gebäudes und befehligte den Sturmangriff. Nach Herlings Nachricht war er sofort aufgebrochen und hatte einen Trupp seiner am meisten vertrauenswürdigen Männer um sich geschart.
Der Eingangsbereich des zu erstürmenden Gebäudes war kaum gesichert, aber über Beziehungen war Brunner an die Originalpläne des Bauwerks gelangt und damit auch an Wege, die über 20 Stockwerke, der in die Tiefe reichenden Anlage zu infiltrieren.
Neben Polizeioberrat Herling, der für die Polizei eingesetzt wurde, war er die Kontaktperson des Heeres und gleichzeitig auch der Untersuchungsbeauftragte der internen Untersuchungskommission. Die Unterwanderung durch die Erben war der Armee nicht verborgen geblieben, ebenso wenig das Interesse an der Person Paul Bährer. Die Kontaktpersonen standen in direkter Verbindung mit dem neu geschaffenen Inlandsgeheimdienst des Innenministeriums.
Nachdem man dort sicher war, dass das Hauptinteresse Paul direkt galt, ging man dazu über, diese übermäßige Aufmerksamkeit auszukundschaften. Bis zuletzt war die Rolle des Polizeihauptmeisters aber unklar. Aufgrund der Gefahr, die von den Erben ausging, war man auch bereit, Menschenleben für dieses Geheimnis zu opfern. Sofern Pauls Ableben erforderlich gewesen wäre, hätte man keine Sekunde gezögert, bzw. ging auch soweit zu testen, wie wichtig das Leben des Polizisten für diese Organisation war.
Eine Explosion erschütterte die Eingangshalle, als ein Sprengsatz den Fahrstuhlschaft freilegte. Wie vereinbart sorgten weitere Sprengsätze für Verwirrung und Ablenkung in den Hallen des Feindes. Brunner kannte das Gebäude und hatte sich vor dem Sturm die Blaupausen eingeprägt. Das dafür Erpressung und Folter angewandt werden musste, focht ihn wenig. Deutschland lag im Sterben und sie würden alles dafür tun, das Land wieder zum neuen Leben zu erwecken. Sie würden dafür sprichwörtlich über Leichen gehen.
Über ein Treppenhaus stürmten gegnerische Soldaten in den Empfangsraum, gekleidet in die für sie typischen Schutzanzügen. Kaum, dass sie es verlassen hatten, brachen sie lautlos unter den Salven der Angreifer zusammen. Für den Angriff hatte Brunner genügend Experimentalwaffen beschaffen können, um sich und seine Männer damit auszurüsten. Ob hinter der Maske ein verblendeter Sektenanhänger steckte, oder ein von der Sekte manipulierter Unschuldiger interessierte Brunner nicht. Sie konnten keine Rücksicht nehmen, sie hatten schon viel zu lange gewartet.
Die Erben hatten Bährer in ihrer Gewalt und damit ihr Ziel erreicht, auf das sie seit Monaten hingearbeitet hatten. Horst Mewes stand schon länger unter Beobachtung der Sicherheit. Seine Probleme mit der Befehlskette und bestimmte Äußerungen hatten ihn zum Ziel umfangreicher Überwachungsmaßnahmen gemacht. Neben ihm wurden alle, die mit ihm in Kontakt standen überwacht. Bei der Überwachung fiel auf, dass Konten unlängst ausgeglichen wurden und der Polizist Mewes einen viel zu hohen Lebensstandard aufwies. Bei der Rückverfolgung der Gelder konnte die Verbindung ins Verteidigungsministerium nachgewiesen werden, womit vieles seinen Anfang nahm.
Der Eingangsbereich war mittlerweile geräumt, die Aufzugsschächte gesichert. Die Verluste in den eigenen Reihen waren im grünen Bereich, das Verhältnis lag hier bei fünf zu eins. In MO1 war das Verhältnis erheblich schlechter gewesen, aber sie waren auch nicht vorbereitet gewesen. Der Überfall damals war überraschend geschehen. Das Leutnant Braun in die Machenschaften verwickelt war, wusste Brunner zu der Zeit schon. Dummerweise hatte er ihn bei diesem Einsatz unterschätzt.
Nachdem Brunner sichergestellt hatte, dass er Braun zugeteilt wurde, konnte er die Entwicklungen vor Ort aus erster Hand beobachten und notfalls eingreifen. Brunner hätte keine Skrupel gehabt, einen oder alle Polizisten damals zu opfern. Zu diesem Zeitpunkt wussten sie einfach noch zu wenig über ihren Feind. Umso dankbarer war man über die Daten gewesen, die die Beamten sichern und übergeben konnten. Es war eine Blamage für die innere Sicherheit. Mit zwei Polizei - Stubenhockern konnte ein Polizeihauptmeister innerhalb weniger Tage mehr Informationen sicherstellen, als die innere Sicherheit des Heeres in einem Jahr.
Die Antwort der Sekte war hart und gnadenlos. Nur durch den Einsatz einer umsichtigen Beamtin war die Situation gerettet worden. Noch ging die Sekte davon aus, mit ihrem Anschlag erfolgreich gewesen zu sein. Bisher fühlten sie sich in Sicherheit. Der ideale Zeitpunkt für den Zugriff. Obwohl sie militärisch straff organisiert waren, bestanden sie letzten Endes doch nur aus einem Haufen fundamentalistischer Spinner, halt einfache, leider jedoch äußerst erfolgreiche Terroristen.
Aus dem Schacht kam das Signal, dass die untere Ebene gesichert war. Zeit für den Abstieg. Auf keinen Fall wollte sich der Oberstleutnant die Konfrontation mit Braun entgehen lassen.

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