Montag, 12. September 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 84

Kapitel 84

„Ich wusste gar nicht, dass Sie Freunde mitgebracht haben. Ehrlich gesagt habe ich auch gar nicht mit so plötzlichen Besuch gerechnet und bin daher schlecht vorbereitet. Das ist jetzt auch insofern unpassend, weil der Erreger noch nicht in Ihrem Blut aufgegangen ist.“

Braun setzte einen nachdenklichen Blick auf, während er Paul musterte.

„Ich würde Sie ja gerne in den Arm nehmen und trösten. Ich befürchte aber, dass das Ihre Zombies hier nicht zulassen werden.“, gab dieser zynisch zurück.

„Und ich befürchte, dass Ihr Griff so ganz und gar nicht angenehm wäre. Strecken Sie Ihre Hand aus.“, antwortete ihm dieser schroff.

Als Paul der Aufforderung nicht nachkam, ordnete er eine der Drohnen an, etwas nachzuhelfen. Während Braun sich kurz entfernte, wurde Pauls Arm mit Gewalt ausgestreckt und eine andere Drohne zog seine Uniform bis hinter den Ellbogen zurück. Mit einer Spritze kam der Sektenführer zurück.

„So, jetzt bitte ganz ruhig halten. Je mehr Sie rumzappeln, desto mehr Versuche benötige ich und desto schmerzhafter wird es für Sie.“

„Was soll das werden?“, presste Paul zwischen seinen Lippen hervor.

„Wir werden durch einen Geheimgang fliehen. Wir haben ein Boot vor Anker liegen, dass uns von hier fort bringt. Wir haben weltweit Stützpunkte, auf die wir uns zurückziehen können. Wenn nämlich die hier im Gebäude liegende Atombombe explodiert, werden Sie froh sein, nicht mehr hier zu sein. Trotzdem besteht natürlich die Möglichkeit, dass wir uns von Ihnen schweren Herzens trennen müssen. In dem Fall könnte es von Vorteil sein, zumindest einen Teil Ihres noch nicht vollständig verwandelten Blutes für weitere Forschungszwecke auf Vorrat zu haben. So, sehr schön. Eine Kanüle noch, ist doch gar nicht so schlimm, oder?“

Als das Blut durch die Nadel in die Kanüle gedrückte wurde, fühlte es sich für Paul an, als würde mit jedem Tropfen Blut ein Stück seiner Lebenskraft aus seinem Körper gezogen werden. Im unteren Teil seines Armes stellte sich ein seltsam taubes Gefühl ein, als dringend benötigtes Blut die dortigen Blutgefäße nicht mehr erreichen konnte und plötzlich hörte er Brauns Stimme nur noch wie durch Watte.

„Sie werden mir doch nicht ohnmächtig werden? Ein großer starker Mann wie Sie. Haltet ihn fest. Ich bin gleich fertig. So, das war’s. Da.“ Er reichte einem der Bewacher ein Stück Stoff. „Drück ihm das auf die Wunde und setzt ihn hin.“

Wie befohlen, presste einer von den Drohnen den Stoff auf den Arm, während er von den anderen auf den Stuhl gesetzt wurde. Langsam verschwand das seltsame taube Gefühl und mit dem Blut kam die Kraft zurück in seinen Körper. Währenddessen war der Sektenführer damit beschäftigt, die Kanülen in einen gepolsterten Stahlkoffer zu verfrachten. Eine davon setzte er direkt in ein Injektionsgerät ein, bevor er es in eine dafür gemachte Polsterung lag.

„So, das war’s dann eigentlich schon. Wir können los. Hebt ihn hoch und folgt mir.“

Während er sich erhob, nahm er ein Gerät, das wie ein Mobiltelefon aussah, zu Hand und gab damit an eine unbekannte Person Anweisungen aus. Er befahl, dass der Komplex um jeden Preis zu halten sei, dass die Passage zur Anlegestelle frei geräumt und gesichert sein solle und dass die Selbstzerstörungssequenz aktiviert werden solle, sobald er den Explosionsradius verlassen habe. Sein Blick fiel auf einen Monitor und mit einem Mal verstummte er. Auf dem Monitor war das Gesicht eines Mannes zu sehen, kurz bevor dieser ein Gewehr auf die Kamera richtete und die Übertragung damit beendete.

„Brunner, der Feldwebel. Verdammt, was macht der denn hier?“

„Lassen Sie mich raten: Damit haben Sie nicht gerechnet. Kann es sein, dass Ihre ganze Sache hier doch nicht so ausgereift war, wie Sie dachten?“

„Halten Sie Ihr Maul. Was wissen Sie denn schon? Sie sind doch nur ein kleiner, mieser Polizeihauptmeister. Sie ahnen doch nicht einmal, mit wem oder was Sie sich hier angelegt haben. Weder Sie, noch dieser kleine Feldwebel können mich aufhalten. Ich habe zwar noch nicht Ihr fertiges Blut, aber der normale Virus wird reichen müssen. Wir haben hier noch ein paar Versuchspersonen, die diese Maden lange genug aufhalten werden.“

Wieder packte er sein Kommunikationsgerät und gab den weiteren Befehl, die Versuchspersonen mit Z1 zu infizieren und sie bei einer zunehmenden Bedrohung in den mittleren Korridor zu entlassen.

„Z1 enthält das normale Zombievirus. Wir haben es überarbeitet, so dass es innerhalb von 15 Minuten die Versuchsperson tötet und als Geschöpf Gottes auferstehen lässt. Wir haben das Mittel erstmals in Moskau getestet. Vielleicht erinnern Sie sich. Ein durchschlagender Erfolg, außer natürlich für die Bewohner der Region, an der sich Russland anschließend gerächt hat. Nun ja. Aber den Rest des Landes konnten wir mit Gottes Gnaden später doch noch bei führen. Mit Hilfe des Lockstoffs war es ein Leichtes, die Horden zu kontrollieren und sie die Stellungen der Verteidiger überrennen zu lassen.“ Braun redete ohne Unterlass, während sie sich auf den Weg machten.

Am Ende des Flurs erreichten sie einen Fahrstuhlschacht. Anhand der Kennzeichnung schloss Paul, dass dieser nur nach unten führte. Braun drückte einen Knopf und eine Lampe signalisierte, dass ein zu ihnen Aufzug unterwegs war. Die Tür schwang auf und darin stand Horst. Blut lief an seinem Nacken herab und durchtränkte den Kragen seines Hemds. In den Händen trug er eins der Sturmgewehre, die sie mitgebracht hatten, das andere hing am Riemen auf seinem Rücken. Ohne ein Wort zu reden trat er aus der Kabine und ohne Vorwarnung eröffnete er das Feuer.

Kommentare:

  1. Moin Moin!

    Kleiner Tipp vom medizinischen Fachpersonal ;)

    Eine Kanüle ist lediglich eine Hohlnadel. Das Röhrchen, das das Blut aufnimmt heißt auch genau so: Röhrchen (Naja, eigentlich Monovette - aber das sagt keine Sau)

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  2. Auch hier nochmal mein Dank für den Hinweis. Das ist jetzt natürlich auch schon irgendwie ein Stück weit peinlich. :)

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