Mittwoch, 14. September 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 86

Kapitel 86
Der Widerstand im unteren Bereich nahm zu, je tiefer sich die Soldaten der Bundeswehr in die Eingeweide des Komplexes vorarbeiteten. Begegneten Brunners Männern zu erst überwiegend normal gekleidete Wachleute, liefen ihnen in den Labortrakten Welle um Welle der mittels elektronischer Hilfsmittel beeinflussten Kämpfer entgegen. Der Wucht der neuen Waffen hatten aber auch ihre Hightec-Uniformen nichts mehr entgegenzusetzen. Sie starben einen schnellen und lautlosen Tod, dezimierten Brunners Trupp dabei aber empfindlich.
Meter für Meter kämpften sich die Soldaten vorwärts, bis sie einen Raum erreichten, von dem aus drei Gänge tiefer in die Anlage führten. Zwei Gänge endeten in Laboren, im mittleren Hauptgang zweigten mehrere Türen ab, die in Krankenreviere oder Wohnmodule führten. Namensschilder an den Türen bestätigten zunächst die Annahme. Da sich jedoch keine Möglichkeit fand, die Türen von außen zu öffnen, entschloss sich Brunner dazu, den Flur mit einigen Männern abzusichern. Die Räume blieben verschlossen, vorerst war es wichtiger, schnell das Kontrollzentrum zu finden und den Komplex zu sichern.
Am Ende des Gangs teilte dieser sich in zwei weitere Gänge auf. An dieser Gabelung nahm der Widerstand erheblich zu. Bunkerähnliche Barrikaden waren errichtet worden, um den Verteidigern einen Vorteil zu verschaffen. Brunner blieb nichts anderes übrig, als die vordere Gruppe zu verstärken und dafür die Sicherung des Flurs zu vernachlässigen. Genau in dem Moment, als sich die zweite Gruppe nach vorne bewegte, öffneten sich die Türen.
Sofort verharrten die Männer mit dunklen Vorahnungen in ihren Bewegungen. Die Räume waren dunkel und gaben ihren Inhalt noch nicht preis. Von den Kampfgeräuschen am Ende des Gangs abgesehen blieb alles ruhig. In Wände einschlagende Geschosse zogen dumpfe Schlaggeräusche nach sich. Irgendetwas zischte leise. In der Decke waren kleine Düsen eingelassen, die nun eine übel riechende Flüssigkeit auf die darunter stehenden Männer versprühte.
Nur Sekunden später kamen sie. Ungelenk wankten sie aus den jetzt geöffneten Räumen und warfen sich sofort auf die überraschten Soldaten. Nur Sekundenbruchteile später fielen die ersten der Zombies von Kugeln durchsiebt auf den Boden und doch füllte sich der ganze Flur innerhalb kurzer Zeit mit ihnen. Die lebenden Leichen waren offenbar ehemalige Zivilisten aus allen Altersschichten. Neben Alten und einst Gebrechlichen standen Junge, Teenager und sogar Kinder. Die Umwandlung musste in den letzten Minuten stattgefunden haben. Weder zeigten sich Anzeichen von Verrottung, noch drang der für diese Kreaturen typische Verwesungsgestank durch die Gänge.
Vor allem die Kinder brachten den einen oder anderen der Soldaten vollkommen aus dem Konzept. Viele von ihnen waren selber Väter und zögerten, auf die wie verschlafene Kinder aussehenden Untoten zu feuern. Manche zögerten dabei zu lange. Auch die, die noch bei Brunner verharrten, konnten sich nicht sofort zu gezieltem Feuer durchringen. Das Risiko, dass die eigenen Männer ins Kreuzfeuer gerieten, war einfach zu groß.
Die Eingeschlossenen waren nach der Schreckminute nicht mehr ganz so zimperlich und feuerten drauf los. Die Salven durchschlugen mehrere Körper, bis sie von einer Wand oder einem anderen Hindernis gestoppt wurden. Mitunter durchschlugen die Kugeln dabei auch Kameraden, die das Pech hatten, für den Schützen nicht sichtbar hinter einem Toten zu stehen. Weil die Umwandlung nur Minuten zurücklag, ließ jeder Treffer Körpersäfte durch die Gegend spritzen und verteilte diese auf Boden und Wänden und verwandelten den Gang in ein Schlachthaus. Im Nahkampf attackierte Soldaten konnten durch das Glitschige kaum Halt finden und wer dann zu Boden ging, hatte schon verloren.
Als sich die Untoten dem Ende des Gangs näherten, gab Brunner den Eingeschlossenen den Befehl, sich entweder in einen der Räume zurückzuziehen, oder sich zu ducken. Dann befahl er zu feuern. Gezielte Salven mähten ganze Reihen der Untoten hinweg, aber auch die, die dem vorangegangenen Befehl keine Folge leisten konnten, oder die Anweisung im Eifer des Gefechts überhört hatten. Tolerierbare Verluste, wie Brunner es nannte.
Weitere Feuerstöße beendeten auch das letzte untote Leben im Flur und schon bald hatte die Truppe wieder die Oberhand. Fast der komplette Boden war von Leichen bedeckt. Einige Wenige zuckten noch, und versuchten sich auch ohne Füße vorwärts zu ziehen, immer wieder auf die Lebenden zu, bevor sie von den Soldaten aus nächster Nähe mit Kopfschüssen erschossen wurden.
Wer von den Zombies gebissen worden war, wurde an Ort und Stelle exekutiert. Die Befehle für solche Fälle waren eindeutig. Andere Verwundete wurden aus dem Chaos getragen und auf mögliche Infektionen untersucht. Alles in allem verlor Brunner bei diesem Manöver fast die Hälfte seiner Männer. Mehr als ein Viertel war tot, oder kurz davor. Dafür würde er sich verantworten müssen. Aber dieser Krieg forderte nun einmal Opfer und herkömmliche Gefechtstaktiken waren schon lange ad acta gelegt worden.
Währenddessen feuerten die Verteidiger aus ihren gesicherten Stellungen noch immer auf die Eindringlinge. Brunner würde dies nicht länger tolerieren. Er war wütend. Zu viele Männer und zu viel Zeit hatten sie hier schon verloren. Eine Rauchgranate nahm den Verteidigern die Sicht. Wahllos schossen sie weiter in den Nebel hinein, trafen vereinzelt auch. Aber ein einziger Bundeswehrsoldat reichte letztendlich aus, um eine Granate hinter die Absperrung zu werfen und so den Weg für die nachfolgenden Soldaten frei zu machen.

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