Montag, 19. September 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 91

Kapitel 91

Einer der Soldaten hing einfach in der Luft. Seine Beine baumelten herab und seine Schreie wurden sekündlich schwächer. Um seinen Hals war etwas Großes und Dunkles. Erst nach einiger Zeit erkannte Brunner darin die Klaue des Monsters. Viel zu schnell hatte dieses Ungetüm sich in Bewegung gesetzt und einen der Soldaten am Hals gepackt. Mit einer kurzen Drehbewegung brach das Ding dem Soldaten das Genick. Das Schreien erstarb und der nun regungslose Körper flog schon beinahe beiläufig zur Seite.

„Bruuunnnäääärrrr“, brummte etwas tief aus der Kehle dieses Ungetüms.

Statt weiter zu feuern, drehte sich Brunner um und lief drauf los. Er rannte zum Ende der Höhle und konnte dabei nur mühsam seinen Schließmuskel unter Kontrolle halten. Einer der Soldaten erkannte das Vorhaben seines Vorgesetzten und folgte ihm, während der letzte der Soldaten einen Sekundenbruchteil zu lang zögerte. Schon war das, was einmal Braun war, bei ihm.

Der Soldat spürte den Angriff kaum. Er registrierte einen heftigen Schlag in den Magen, aber statt der erwarteten Schmerzen trat nur ein leichtes Brennen auf. Dann erfasste den Mann eine nie gekannte Leichtigkeit. Er hustete und spürte Blut. Mit einem kraftlosen Arm fuhr er sich über den Mund und wischte sich das Blut von den Lippen. Dann sah er, wie der Mutant seinen Arm zurückzog und etwas in der Hand hatte. Er erkannte noch, dass es sich dabei um Innereien handelte, bevor er leblos zusammenbrach.

Mit einem schmatzenden Geräusch stopfte sich der ehemalige Sektenführer die Gedärme des toten Soldaten in sein riesiges Maul und kaute darauf herum. Nur kurz, denn schon im nächsten Moment setzte er zur einen weiteren Verfolgung an. Trotz seiner Größe und der mutierten Gliedmaßen bewegte er sich schnell und gewandt. Nach nur wenigen Augenblicken hatte er den anderen Soldaten eingeholt.

Aus einer fließenden Bewegung heraus, schnellte der linke Arm des Ungetüms vor und traf den Mann von hinten. Die Wucht des Schlags hob den Soldaten kurz hoch, bevor er mit dem Kopf voran auf den harten Steinboden krachte und dort reglos liegen blieb. Das Monster hielt sich nicht länger mit dem am Boden liegenden Mann auf, sondern stürmte weiter Brunner hinterher.

Der hatte schon fast das Ende des Tunnels erreicht. Tageslicht durchflutete den Bereich und ließ den Oberstleutnant Hoffnung tanken. Als er gerade die ersten Sonnenstrahlen auf seiner Haut spürte, riss ihn eine gewaltige Kraft zu Boden. Hände wie Schraubstöcke hatten sich um seine Handgelenke geschlossen und drückten ihn mit dem Gesicht nach unten auf den Boden.

Etwas über ihm knurrte und wieder platschten Körperflüssigkeiten auf ihn. Brunner lag da und wartete auf die Erlösung, aber es geschah nichts dergleichen. Das Ding schien zu überlegen, und sich etwas durch den Kopf gehen zu lassen. Vorsichtig versuchte der Offizier einen Blick zu erhaschen. Er drehte angestrengt den Kopf und sah was aus Braun geworden war. Sonnenstrahlen erhellten den geschundenen Körper, und viele nässende Stellen sonderten diese ekelhafte Flüssigkeit ab. Von den Einschusslöchern war indes nichts mehr zu sehen.

„Bruuunnnäääärrrr“

Erneut ein tiefes Brummen, wiedergegeben von den geschundenen Stimmbändern und einer durch Mutation verunstalteten Kehle. Die Stimme ließ den Oberstleutnant erschaudern. Das unangenehme Gefühl verstärkte sich, als der Mutant seinen Oberkörper herab senkte und ihn ganz nah an den Kopf des Offiziers heranführte. Es wirkte, als wollte er ihm ein Geheimnis ins Ohr flüstern. Etwas, das nur für die Ohren des Oberstleutnants bestimmt war.

Eine Explosion vor der Höhle schreckte Braun auf. Dem Lärm folgte dichter Rauch. Der Wind trug etwas von dem Gestank in die Höhle und ließ das Ungetüm in seiner Haltung verharren.

„Oh, ich glaube wir haben vergessen zu erwähnen, dass Helikopter und Kampfflieger die Küste überwachen.“, quetschte Brunner hervor. „Du kommst hier nicht raus.“

Wieder ein Knurren und plötzlich wurde der Offizier an den Händen hochgezogen und gleichzeitig sein Körper gedreht. Er hing nun in den Armen des Monsters und damit Auge in Auge mit Braun. Die Augen des Monsters musterten ihn. Brunner sah für sich eine kleine Chance.

„Mein Tod würde dir gar nichts bringen. Aber wenn du mich gehen lässt, könnte ich dafür sorgen, dass man dich nicht tötet. Wenn ich tot bin, ist dein Todesurteil bereits so gut wie unterzeichnet.“

Statt einer Antwort schwang Braun herum und öffnete dabei seine Hände. Aus dem Schwung heraus donnerte Brunner gegen die Höhlenwand. Seine Knochen krachten bei dem Aufprall und sein Körper schmerzte, aber außer Prellungen und Schürfwunden konnte er keine ernsthaften Verletzungen feststellen. Während er sich wieder aufrappelte beobachtete er das Monster, das ungläubig an den Ausgang der Höhle trat und offenbar das vor ihm liegende Bild in sich aufnahm.

Der Oberstleutnant konnte nur mutmaßen, was Braun jetzt sah, aber wenn alles nach Plan verlaufen war, hatte eben ein Hubschrauber mit Luft-Boden-Raketen die dort liegenden und nicht registrierten Boote zerstört. Eine Maßnahme, die er selbst noch in die Wege geleitet hatte, wie er sich irgendwie stolz in Erinnerung rief. Der Weg nach draußen war durch das Ungetüm verstellt, also blieb ihm nur der Weg zurück. Unter Schmerzen richtete er sich schnellstmöglich auf, und humpelte zur verschlossenen Tür, die zurück in das Gebäude führte. Brunner lief erst noch langsam, wurde aber mit jedem Schritt schneller. Nach ungefähr hundert Metern hörte er ein bekanntes Geräusch hinter sich. Das Monster hatte sich wieder auf den Weg gemacht.

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