Dienstag, 20. September 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 92

Kapitel 92

Brunner machte sich innerlich auf den Aufprall gefasst. Während des Laufens spannte er seine Muskeln an und rechnete fest damit, im nächsten Moment von hinten überrannt zu werden. Jedoch passierte nichts. Stattdessen verstummten die Geräusche. Dann setzten plötzlich Schreie ein. Der zuvor achtlos zur Seite gestoßene Soldat war wieder zu sich gekommen und feuerte nun auf den Mutanten.

Erneut durchbohrten die Kugeln den massiven Körper von Braun und Brunner glaubte durch die Löcher hindurchsehen zu können, bevor sie sich einfach wieder verschlossen. Der Mutant stoppte nur kurz, wartete ab bis der Soldat sein Magazin leer geschossen hatte und machte dann einen Satz nach vorne. Noch bevor das neue Magazin eingerastet war, beförderte ein Schlag das Gewehr des Soldaten zur Seite. Dem zweiten Schlag wich der Soldat geschickt aus. Der Schlag war schnell, aber zu hoch angesetzt und verfehlte den Mann daher um wenige Zentimeter.

Eine Rolle brachte ihn aus der unmittelbaren Gefahrenzone, aber bevor er sich wieder aufrichten konnte, war Braun schon bei ihm und stieß ihm seinen Fuß in den Unterkörper. Wie ein Stofftier flog der Soldat davon und prallte gegen die Wand. Der Schlag war mit einer Kraft und Wucht ausgeführt worden, dass dabei sicher einige innere Organe Schaden genommen hatten. Fasziniert löste sich Brunner von dem Anblick und lief weiter zur Tür.

Aus dem Grund sah er auch nicht mehr, wie Braun den halbtoten Mann zu sich hochzog und ihm mit einem Bissen die Schädeldecke abtrennte. Fast schon geschickt zog er das Gehirn heraus und stopfte sich die graue Masse in den gierigen Schlund. Das alles passierte in wenigen Sekunden. Aber Zeit genug für den Oberstleutnant, um zur Tür zu gelangen. Wie durch Geisterhand löste sich dieses Mal das Rad und die Tür schwang auf.

Brunner stürmte hindurch und wäre fast mit Paul und dem vierten Soldaten zusammengestoßen. Erschrocken sahen sie den Oberstleutnant an, der sich mit Furcht verzerrtem Gesicht in den Flur hineindrängte. Noch bevor sie ein Wort herausbringen konnten, drückte er sie zur Seite und hinter sich die Tür zu. Im gleichen Moment krachte von draußen das Monster dröhnend dagegen.

Panisch entfernte sich der Offizier von der Tür und stellte erleichtert fest, dass die Schließung wieder aktiv war. Jetzt bemerkte er auch die nur von innen angebrachte Verriegelung, die wahrscheinlich von Paul und dem Soldaten gelöst worden war. Während von draußen Schläge gegen die Tür hagelten, herrschte drinnen entsetztes Schweigen. Paul war es schließlich, der den Bann durchbrach:

„Was zur Hölle ist da draußen?“

„Etwas, dass sie nicht sehen wollen. Verschwinden wir hier und zwar schleunigst.“, antwortete der Oberstleutnant militärisch kurz angebunden und machte sich sogleich auf den Weg zurück zum Fahrstuhl.

Ohne weitere Fragen zu stellen, folgten ihm Paul und der Soldat. Zu dem Lärm, den die Fäuste an der Stahltür veranstalteten, hatte sich inzwischen ein anderer Laut gesellt. Das Material konnte nicht länger der Kraft des Mutanten stand halten und begann sich lautstark zu verformen. Es klang, als würde der Stahl gegen die Misshandlung protestieren. Schrill und dumpf. Der Riegel lockerte sich zusehends.

Kurze Ruhe. Dann explodierte die Tür förmlich und das Monster stand im Flur. Sein Arm war von Schürf- und Schnittwunden übersät, schlossen sich aber im nächsten Moment. Als der Arm nur noch die mutationsbedingten Verunreinigungen aufwies, löste er sich aus seiner Starre und rannte los. Dumpf hallten die Schritte durch den Flur und schon bald konnten die Verfolgten ihre nahende Nemesis hören.

Brunners Verletzung hatte die Flucht verlangsamt und ihre Chancen damit gemindert. Der Krach der zerstörten Tür hatte zwar die Panik unter ihnen angeheizt, konnte aber letztendlich die Verletzung des Offiziers nicht überwinden. Paul hatte sich bereits abgesetzt und beschleunigte noch mehr. Eine düstere Vorahnung überkam ihn und er wollte dem Rat Brunners jetzt unbedingt folgen, also erhöhte er den Abstand noch weiter.

Die nahenden Schritte veranlassten den Oberstleutnant schließlich dazu, seinen letzten verbliebenen Mann zu opfern. Obwohl er wusste, dass das dessen Todesurteil war, befahl er ihm die Stellung unter allen Umständen zu halten, bevor er weiter humpelte. Der Soldat tat wie ihm geheißen und nur Augenblicke später offenbarte sich ihm das Grauen in Gestalt von Braun. Brachten die Schüsse das Ungetüm noch für wenige Augenblicke ins Stocken, hatte der Soldat in dem Moment verloren, in dem er das Magazin wechseln musste.

Wie ein Derwisch schoss Braun heran, packte den Mann, hob ihn über den Kopf und riss ihn förmlich auseinander. Blut und Eingeweide regneten auf Braun herab, während er sie wie einen warmen Sommerregen willkommen hieß. Im Lauf warf er die Überreste des Toten beiläufig zur Seite, bog um die Ecke und sah zu Brunner, den nur noch wenige Meter vom Fahrstuhl trennten.

„Bruuunnnäääärrrr“

Die Nennung seines Namens ließ den Offizier kurz erstarren. Der von Brunner zurück geworfene Blick hatten seine Chancen endgültig dahin gerafft. Paul stand bereits in der Fahrstuhlkabine und musste mit ansehen, wie das Monster auf den Offizier zugeschossen kam und im nächsten Moment seine Faust von hinten durch den Körper von Brunner stieß. Vorne trat sie wieder heraus und zog dabei die Innereien aus dem Bauch, bevor die unförmige Hand schlagartig wieder zurückgezogen wurde. Schnell bemühte Paul die Fahrstuhltüre zu schließen, indem er auf die Knöpfe hämmerte.

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