Freitag, 23. September 2011

Untot - Band 3 - Kapitel 95

Kapitel 95

Panisch hantierte der Feldwebel an seinem Sturmgewehr herum. Die Einweisung in die neuen Waffen war kurz gewesen und die jahrelang einstudierten Bewegungsabläufe hinfällig. Schließlich rastete das Magazin doch ein, aber bevor er die erste Kugel in die Kammer befördern konnte, rissen riesige Pranken das Gewehr aus seinen Händen und schleuderten es schwungvoll davon. Ungläubig verfolgte Urban die Flugbahn des Gewehrs, bis diese von dem massigen Körper des Ungetüms verdeckt wurde.

Anstatt zu fliehen, zog der Soldat ein Messer aus seinem Gürtel und stürzte sich in einen ungleichen Kampf. Braun machte sich nicht die Mühe dem Stoß auszuweichen. Stattdessen empfing er ihn mit offenen Armen, nur um diese gleich wieder zu schließen, als Urban zugestoßen hatte. Das Messer verschwand in dem mutierten Körper und die Hände schnellten wie zum Applaus zusammen. Doch anstatt zu klatschen, zerquetschte der Mutant den Kopf des Feldwebels wie eine reife Tomate zwischen seinen übergroßen Händen.

Teile von Urbans Gehirn spritzen auf Paul herab, der noch immer atemlos und ungläubig da saß. Regungslos und mit großen Augen starrte er zu dem Monster hinauf, der gerade seine Arme öffnete und die Leiche des Soldaten damit wieder freigab. Der zerquetschte Schädel rutschte an seiner Handfläche entlang und nur langsam beförderte ihn sein Eigengewicht auf den Boden. Bei dem Anblick musste Paul sich unweigerlich übergeben. Wiederholt stülpte sich sein Magen nach außen und Galle tropfte aus seinen Mundwinkeln, als er fertig war.

„Bäääääääärrrraaaaaaa“

Statt sich gleich auf ihn zu stürzen, stand der Mutant ruhig über Paul und beobachtete ihn. Ohne Braun aus den Augen zu lassen, drückte sich Paul langsam mit seinen Füßen von ihm weg. Stets darauf bedacht, keine ungewollte Reaktion bei dem Monster zu verursachen, arbeitete er sich nach hinten und bemühte Augenkontakt zu halten. Ein Motor heulte auf.

Einer der Soldaten hatte sich hinter das Steuer eines Fuchs begeben, den Motor gestartet und hielt frontal auf Braun zu. Wieder machte dieser sich keine Mühe auszuweichen. Im Gegensatz zu Paul, der den Zusammenprall nicht erleben wollte. Unter der Aufbringung aller Kraftreserven presste er sich hoch, und rannte davon. Sekunden später war der Transportpanzer heran geprescht und hielt direkt auf den Mutanten zu.

Wenige Meter bevor er von dem Fahrzeug erfasst wurde, stieß Braun sich vom Boden ab, und landete auf dem Dach des Fahrzeugs. Die Dachpanzerung hielt genau zwei Schlägen stand, bevor sich seine Faust in die Fahrkabine vorgearbeitet hatte und er dem Fahrer mit einem Handgriff das Genick brach. Ohne Fahrer bahnte sich der Truppentransporter führerlos seinen Weg über das Schlachtfeld. Mit seinem vorhandenen Restschwung prallte der Wagen in einen LKW, den er noch einige Meter vor sich herschob. Dann erstarb sein Motor.

Fast schon übertrieben lässig schwang sich Braun von dem Panzer herab und suchte nach Paul. Niemand hinderte ihn mehr daran. Der Widerstand war gebrochen. Die, die nicht tot oder verletzt waren, hatten zu Fuß das Weite gesucht und würden sicher bald mit schwerer Unterstützung zurückkehren. Paul musste sich eben nur lange genug vor dem Monster versteckt halten.

Dazu hatte sich der Beamte auf der Ladefläche eines LKWs versteckt, als der Mutant abgelenkt war. Unter der Plane hindurch beobachtete er, wie das Ding draußen nach Überlebenden, oder ihm, suchte. Als Braun sich dem LKW näherte, zog er sich langsam zurück, stark darauf bedacht, dabei keine unnötigen Geräusche zu verursachen. Mit angehaltenem Atem sah er sich im LKW um. Sauber aufgereiht standen hier Munitionskisten, Kisten mit Granaten und Waffen.

Ordentlich aneinandergereiht standen hier fast ein Dutzend G36. Gefüllte Magazine lagen gleich daneben und nur schwerlich konnte Paul dem Reflex widerstehen, ein Gewehr zu beladen und auf den Mutanten zu feuern. Sein nächster Blick fiel auf eine Kiste mit englischer Beschriftung, die den Inhalt als M32 Grenade Launcher auswies. Ein, neben seinem Versteck, stehender Transport-LKW krachte auf die Seite und Paul konnte hören, wie sich das Monster daran zu schaffen machte.

Angesichts des Lärms riskierte er selber einige Geräusche zu machen und begann an der Kiste zu hantieren. Das Schloss war nicht abgesperrt und leicht quietschend sprang der Deckel auf. Darunter erstrahlte ein wahres Ungetüm einer Infanteriewaffe. Sechs Kammern mit Platz für je eine 40 mm-Granate. In der Kiste waren verschiedene Granaten gelagert. Neben Rauchgranaten fand er auch Explosivgranaten, sauber nebeneinander aufgereiht und in einer Halterung in der Kiste eingebettet.

Schnell untersuchte Paul die Waffe nach Ladefunktion und Feuermechanik. Die Zeit wurde knapp und eine ausführliche Unterweisung würde wohl entfallen müssen. Dennoch war das seine einzige Chance. An der Unterseite des Granatenwerfers fand er eine Sicherung, mit der sich die Magazintrommel entsperren und aufklappen ließ. Auf Verdacht führte er die Granaten in die Kammern und rastete die Waffe wieder ein. Er fand etwas, das wie ein Sicherungshebel wirkte und legte sie um.

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