Dienstag, 25. Oktober 2011

Books of the Dead Doppelpack - Jean-Christophe Grangé

Während und nach meinem Urlaub hab ich mich zwei Werken von Jean-Christophe Grangé  gewidmet.

Beginnen möchte ich mit „Der Flug der Störche“.

Der Hauptdarsteller, Louis Antioche, erhält von einem Schweizer Ornithologen den Auftrag, den Störchen auf ihrer Reise nach Süden hinterher zu reisen und dabei zu erkunden, warum ein Großteil von ihnen nicht mehr den Weg nach Hause gefunden hat. Die Reise führt ihn über Osteuropa, Israel bis nach Zentralafrika. Auf seinem Weg findet er nicht nur Störche. Auch Leichen pflastern seinen Weg.

Also erst mal das Positive. Der Roman liest sich super. Schon nach den ersten Seiten zieht die Spannung ungemein an und lässt den Leser kaum noch los. Viele Irrungen und Wirrungen halten dabei die Spannung über die gesamte Distanz aufrecht. Durchhänger erlaubt sich das Buch kaum und spart auch nicht mit expliziten Szenen, die aber meist mit genügend Distanz erzählt werden.

Was mir nicht so gefallen hat war die Wandlung des Hauptcharakters. Vom antriebslosen Langzeitstudenten zum furchtlosen Abenteurer in wenigen Tagen. Das geht mir zu schnell. Zudem lebt das Buch von seinen Zufällen und Zusammenhängen, die sich durch die ganze Story ziehen und irgendwann kein Aha-Erlebnis mehr auslösen. Stattdessen büßt das Buch hier meiner Meinung nach etwas an Nachvollziehbarkeit und Glaubwürdigkeit ein. Auch stört so a bisserl, dass man dem Buch schon anmerkt, dass es zu einer Zeit entstanden ist, als Mobiltelefone noch nicht wirklich verbreitet waren.

Trotzdem reicht’s locker für vier von fünf gerupften Störchen.

Das Herz der Hölle“ ist das zweite Buch aus der Feder von Grangé. Also das zweite, das ich gelesen habe.

In dieser Geschichte begleitet der Leser den Pariser Polizisten Mathieu Durey auf seiner Suche nach der Wahrheit. Sein Kollege und bester Freund Luc liegt im Koma. Dem voraus ging ein offensichtlicher Selbstmordversuch. Dabei ist Luc, wie Mathieu, praktizierender Katholik, Familienvater und allgemein nicht der Mensch, der sein Leben einfach wegwerfen würde. Schon bald findet Mathieu eine Spur und enthüllt nach und nach das Geheimnis um Lucs angebliche Verzweiflungstat.

War „Flug der Störche“ eine Appetit anregende Vorspeise, ist „Das Herz der Hölle“ das wohlschmeckende Hauptgericht. An dem Buch stimmt einfach alles. Spannungskurve, Charakterisierung, Lesereinbindung, Sprache und Lesefluss bilden eine seltene Eintracht. Zu keiner Zeit zweifle ich die Motive des Hauptcharakters an, zu keiner Zeit wird dem Leser eine Information vorenthalten und nicht selten kommt man als Leser früher zu den Schlussfolgerungen, die der Hauptcharakter erst viel später trifft.
Nie komme ich auf den Gedanken, das Buch freiwillig zur Seite zu legen und trotz des religiösen Ansatzes verliert das Buch nie seine weltliche Bodenhaftung.

Ich wage sogar zu behaupten, dass „Das Herz der Hölle“ der beste Roman ist, den ich seit langem gelesen habe.

Möchte man zwingend nach einem Haar in der Suppe suchen, könnte man anführen, dass einige Elemente der Geschichte nicht zu Ende geführt werden, oder plötzlich und eher beifällig an Wichtigkeit verlieren. Oder dass der Hauptcharakter oft recht lange dafür benötigt, das Offensichtliche zu erkennen.

Trotzdem fünf von fünf verwesten Leichen 



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