Freitag, 23. Dezember 2011

I wish you a merry christmas

...and a happy new year! Feliz Navidad! Frohe Weihnachten!

Zugegeben war ich die letzten Monate etwas faul, hab mich wieder stärker aufs konsumieren beschränkt, meine Batterien aufgeladen. Drei Geschichten am Stück, noch dazu in der eh schon knappen Freizeit, haben mich geschichtenmässig etwas ausgebrannt. Zudem war die Zeit nach meinem Urlaub auf Arbeit relativ stressig und die Motivation eine neue Geschichte zu beginnen etwas niedrig. 

Trotzdem hab ich eine kleine Weihnachtsüberraschung. 

Zum einen die finale Version der Kurzgeschichte, die ich hier vor ein paar Monaten schon mal vorgestellt hab. Die Juroren fanden es nicht mal nötig, mir eine Absage zu schreiben. Gut, war ja im Prinzip auch eine extreme Themaverfehlung, aber wenigstens ein "Sorry, nicht ganz das, was wir suchen." hätts schon sein dürfen. 

Zum anderen hab ich die Arbeiten an Band 4 aufgenommen. Mein Ärger, dass ich Teile meiner Geschichte in einem Metro-Ableger wieder erkannt habe, sind verklungen. Also Ärger auf mich selber. Dafür kann der andere ja nix. 

Das schwierigste ist ja immer der Einstieg und den hab ich jetzt hinter mich gebracht. Über die Feiertage werd ich naturgemäß nicht so produktiv sein, aber ich bin ganz zuversichtlich, dass ich da nächstes Jahr wieder an den Start gehen kann.

Auch hab ich noch ein neues Interview mit den "Zombies from Outerspace"-Machern auf Halde. Da wollt ich noch etwas zeitlichen Abstand zum Launchevent reinbringen und andererseits den Abstand bis zur ersten öffentlichen Vorführung verringern. Andernfalls verpufft das ja so a bisserl, find ich. Einerseits sollen Berichte/Interviews ja den Hype schüren, andererseits aber auch den Launch begleitend das Produkt, also in dem Fall den Film, ins Gespräch bringen. Schwierig, weil zum Zeitpunkt des Interviews noch nicht bestätigt war, wann und wo der Film das erste Mal öffentlich präsentiert wird. Aber ich laber wieder und laber... 

Hier als kleine Entschädigung für die Durststrecke der letzten Monate die finale Version (4999 Zeichen) von...

Ausbruch


Als der Strom ausfiel, dachte noch niemand an etwas Böses. Stromausfälle waren der Technik des Gebäudes geschuldet. Auch als auf den Straßen erste Tumulte ausbrachen, waren wir noch guter Dinge. Ein Kollege scherzte noch darüber, dass die Hitze die Menschen verrückt machen würde. Wir lachten. Bis ein Schrei über den Flur drang. Das Lachen verstummte. Aus den Tumulten auf der Straße war ein Massaker geworden. Menschen fielen übereinander her, warfen ihre Opfer zu Boden. Sie rissen ihnen das Fleisch von den Knochen und schlangen es wie Raubtiere hinunter. Sie zerrten an ihnen, bis sie sich nicht mehr bewegten.

Doch schon kurz darauf erhoben sich die Toten und machten Jagd auf die Lebenden. Alle starrten wie gebannt auf das, was sich draußen abspielte. Keiner merkte, wie sich die Tür zum Raum öffnete. Erst, als sie zurück ins Schloss krachte, fiel unser Blick darauf. Eine Kollegin, oder das, was von ihr übrig war, hatte den Raum betreten. Ihr Fleisch hing an ihrem Arm herunter, ihre linke Gesichtshälfte zeigte den blanken Schädel und das Auge hing an einem dünnen Strang. 

Langsam näherte sie sich dem Kollegen, der ihr am nächsten war. Starr vor Angst, sah er die Kreatur auf sich zu schlurfen. Niemand bewegte sich. Es war eine Kollegin, die schließlich all ihren Mut zusammennahm, aufsprang und mit einem Stuhl die Kreatur von dem Kollegen wegstieß. Ausgerechnet Angelika, stets der Ruhepol im Team und als eher zurückhaltend bekannt, löste sich und uns aus der Starre. Wir sprangen auf, packten die Angreiferin an den Armen und zogen sie in eine Ecke. Mit ihren Zähnen schnappte sie, verfehlte uns aber. Zwei weitere Kollegen konnten sie am Ende so fixieren, dass sie sich nicht mehr bewegen konnte. 

Wir berieten unser weiteres Vorgehen. Während ein Teil des Teams über Mobiltelefone erfolglos Notrufnummern anwählte, versuchte der Rest Familie und Bekannte zu erreichen. Statt eines Freizeichens erhielten die Anrufer aber nur Störgeräusche. Die Netze waren ausgefallen oder überlastet. 

Wir wussten, dass wir nur als Team überleben konnten. Jemand fragte, was das für Kreaturen seien und ein anderer warf den Begriff ‚Zombie‘ in den Raum. Unsicheres Lachen ertönte. Zombies gab es nur in schlechten Büchern und Filmen, aber nicht in unserer Welt. Und doch waren sie da draußen. Kreaturen, die das Fleisch von Lebenden fraßen und im Tode wieder auferstanden. 

Etwas drückte die Türe auf. Ich stand der Tür am nächsten und warf mich dagegen, spürte, wie es von draußen weiter gegen die Tür polterte. Mehrere Kollegen eilten zur Hilfe und verbarrikadierten die Tür. Wir saßen in der Falle, eingesperrt mit einem Zombie. Ich sah in ihr gesundes Auge und fühlte, dass sie mich beobachtete. 

Die Datennetze waren mit den Mobilfunknetzen verloren gegangen. Erst Tanja hatte die Idee, das Radio ihres Smartphones zu nutzen. Alle Radiosender strahlten die gleiche Nachricht aus. Über das Stadtgebiet war der Ausnahmezustand verhängt worden. Allen Bewohnern wurde angeraten, die Wohnungen und Häuser nicht zu verlassen, sich einzuschließen und auf die Ankunft von Polizei oder Militär zu warten. 

Im Laufe des Tages wurde es heißer und stickiger im Raum. Fenster und Klimaanlage wurden elektronisch gesteuert. Dazu gesellten sich Hunger und Durst. Die Fenster waren aus Sicherheitsglas. Außer Schrammen zeugte nichts von unseren Ausbruchsversuchen. Mit dem Lärm im Raum, steigerten sich auch die Aktivitäten vor der Tür. Wir änderten unsere Strategie und verhielten uns ruhig. Nur das Fauchen des Zombies drang als Geräusch nach draußen. Als nach einer Stunde keine Geräusche mehr zu hören waren, wagten wir den Ausbruch. 

Mit einem Tisch schränkten wir die Bewegungsfreiheit der Frau so weit ein, dass sie uns nicht folgen konnte und huschten so leise wie möglich nach draußen. Weit kamen wir nicht. Hinter der nächsten Ecke warteten sie auf uns. Wir kehrten um und stießen beinahe mit unserer ehemaligen Gefangenen zusammen, die sich befreien konnte. Albert versetzte ihr einen Stoß, der sie taumeln und zu Boden gehen ließ. Wir liefen vorbei. 

Angelika schrie auf. Die Zähne der Frau am Boden hatten sich in ihre Wade gegraben. Blut trat hervor und lief an ihr herunter. Mit dem freien Fuß schlug sich nach dem Kopf der Angreiferin und schaffte es, sich zu befreien. Zusammen erreichten wir das Treppenhaus. Wir wählten den Weg nach oben. Draußen war es zu gefährlich. Sie hatten sich zu Rudeln zusammengeschlossen und lauerten denen auf, die töricht genug waren, sich in ihre Nähe zu begeben. Unbehelligt erreichten wir das nächste Stockwerk. Unter uns Gepolter. Sie schickten sich an, uns zu verfolgen. So leise wie möglich schlossen wir die Tür und suchten Zimmer, in denen wir die Nacht verbringen konnten. 

Dort sitzen wir jetzt seit einigen Stunden. Ich schreibe diese Zeilen im Licht meines Smartphones. Angelikas Zustand hat sich verschlechtert. Das Blut ist aus ihrem Kopf gewichen und ihre Haut hat eine aschfahle Tönung angenommen. Ich werde hernach mal zu ihr hinüberschauen.

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