Donnerstag, 3. Mai 2012

Interviews of the Dead - Xander Morus

Vor kurzem bin ich bei Amazon auf den Autoren Xander Morus gestoßen. Eines seiner Bücher befand sich in der Empfehlungsliste zu meinem eigenen Buch und erregte mit dem Titel „Zeit der Zombies“ sogleich meine Aufmerksamkeit.

Eine Leseprobe später war ich davon überzeugt, dass hier knackige Genrekost geboten wird, die man der Welt nicht vorenthalten sollte. In dem darauf folgenden Mailverkehr entpuppte sich Xander als höchst umgänglicher und angenehmer Gesprächspartner mit interessanten Ansichten, die man der Welt nicht vorenthalten sollte. Aus dem Grund haben wir uns für ein Kurzinterview entschieden, um die Welt an der Person Xander Morus teilhaben zu lassen.
Die Frage, die mir immer als erstes auf der Zunge liegt ist warum ausgerechnet Horrorgeschichten? Ist die Welt nicht schon Horror genug?
Xander: Ein einfacher Grund: Sie fallen mir am leichtesten. Und ich mag die Mischung zwischen Übernatürlichem und Gesellschaftsbeschreibung. Im Krimi und Thriller kann man Übernatürliches durch Spannung ausgleichen. Deshalb sind sie auch eine schöne Form der Erzählung, in der ich mich ausprobieren werde. Krimis sind mir aber eigentlich zu spießig und zu konstruiert. Die meisten Serienkiller sind ja genauso irre Erfindungen wie übernatürliche Monster. Ich bleibe vorerst beim Original… Aber mein erster richtiger Thrillerroman Berlin Angel wird ein Schlag in die Magengrube…
Bleiben wir beim Horror: Hast du denn ein Lieblings-Horror-Genre und wenn ja, welches und warum?

Xander: Früher mochte ich Monstergeschichten gerne, inzwischen mehr psychologische und atmosphärische Erzählungen. Zombiegeschichten gefallen mir natürlich, weil ich damit aufgewachsen bin. Allerdings spiele ich keine Videospiele, die heute vielleicht die innovativsten Zombiestorys erzählen. Zombiegeschichten sind leicht und schwierig zugleich; sie sind eigentlich auserzählt und trotzdem bleiben sie beliebt. Ich denke, der Survivalaspekt spielt eine große Rolle. Wir wollen doch eigentlich alle einen Reset und Neuanfang…
Damit entgehen dir mit Sicherheit einige Highlights. Wer schon mal Left4Dead, Dead Space oder ganz neu The Walking Dead gespielt hat, der weiß, wie stark sich bei solchen Spielen die Panik und die Angst auf den Spieler übertragen und ein Gefühl davon vermitteln können, allein zu sein.

Aber genug davon. Erzähl doch mal lieber was über dich.
Xander: Ich komme ursprünglich aus Berlin und arbeite jetzt seit einigen Jahren in Bayern an einer Universität im Bereich Sprachen- und Lernprogrammbetreuung. Ich habe in Berlin Independentfilme gemacht, nicht sehr erfolgreich, aber ich hab`s halt gemacht. Ich fing allerdings an zu stagnieren und sah plötzlich meine Freunde normale Berufe ausüben. Sie verdienten Geld und gründeten Familien. Ich hatte aber nichts Wirkliches gelernt und saß irgendwann in einem Callcenter mit verklebten Fenstern. Da hab ich die Lust am Rumwurschteln verloren und machte mein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg. In Berlin konnte ich nicht studieren, also bin ich gegangen und fing mit Dreißig an, in Bayern zu studieren. War gut, dass ich aus Berlin weg war.

Ist Xander dein richtiger Name und wenn nicht, warum veröffentlichst du unter Pseudonym?
Xander: Mein richtiger Name ist ungefähr so sexy wie Heinz Knittelbeck. Außerdem schätze ich nach einigen Erfahrungen Anonymität.
Ok, also Heinz. :) 

Nein, ernsthaft. Seit wann schreibst du denn?

Xander: Ich wollte, wie gesagt, Filme machen und hab deshalb schon früh Drehbücher geschrieben, also mit Zwanzig habe ich damit ernsthaft angefangen. Nachdem das mit dem Film schief ging, habe ich nicht mehr geschrieben, aber das Studium war dann so ein frustrierender Praxisschock, dass ich irgendwann wusste, entweder ich trinke jeden Abend und heule rum oder ich suche mir noch was, was mir etwas mehr Selbstrespekt verschafft. Es fiel mir aber immer schwer zu schreiben. Ich habe einen riesigen Respekt vor Leuten, die einen Roman nach dem anderen schreiben. Stundenlang zu schreiben, um ein paar Seiten zu haben, schien mir immer unmöglich. Aber dann hab ich es einfach noch mal ernsthaft versucht … Am Anfang war es die Hölle, weil ich so viele Fehler machte. Außerdem kann ich nicht mit zehn Fingern tippen. Peinlicherweise habe ich ja sogar Germanistik studiert. Aber die Rechtschreibung ist eben ne Bitch. Hab dann den Fernseher rausgeschmissen, das Internet abbestellt…und einen Duden gekauft… dann ging‘s…

Als ich die ersten Sachen fertig hatte, habe ich mich echt gut gefühlt, deshalb schreibe ich weiter. Das Gefühl, einen längeren Text selbst geschrieben zu haben, ist einzigartig.
Und wie bist du zum Schreiben gekommen?

Xander: Früher habe ich enorm viel gelesen, dann in meinen Zwanzigern fast nur noch Filme geguckt.
Schreiben ist einfach eine einsame Tätigkeit und wer will schon mit zwanzig alleine sein? Konnte ich mich nie dran gewöhnen.
Heute lese ich wieder mehr. Das war der beste Rat, den ich je bekommen habe. Wer nicht liest, der schreibt auch nicht. Lesen ist wie Batterien aufladen für das Schreiben.

Zuerst wollte ich wieder bei Agenten und Verlagen anklopfen, aber dann entdeckte ich die Möglichkeiten des Ebooks und hab den shortcut über Amazon genommen.

Welche Autoren liest du selber gern und wer hat dich beeinflusst?

Xander: Im Horrorbereich: Jack Kilborn (J.A. Konrath), David Moody und natürlich Stephen King (besonders die neueren Sachen wieder, die Zeit zwischen 1991-2003 fand ich nicht so gut).

Ich lese aber auch viel Martin Suter und Paulo Coelho. Außerdem lese ich gerne Klassiker.

Goethe sagte: Talents are best nurtured in solitude. Knowing is not enough; we must apply. Willing is not enough; we must do.

Da habe ich verstanden, wie Schreiben funktioniert.

Gibt es auch Filme, oder Serien, die dich beeinflusst haben? Ich selber seh mich ja z. B. ganz stark von den Romero-Frühwerken beeinflusst. Was bei Zombies auch irgendwo nahe liegend ist. :)

Xander: Fulci, Romero, Savini, Cohen, DePalma, Hitchcock- die üblichen Schuldigen.
Von den neuen Zombiefilmen mag ich fast nur Walking Dead, alles andere enttäuscht mich eher. Ich guck`s aber trotzdem. Pack ´nen Zombie in einen Film und ich sehe es mir an.

Wie gehst du beim Schreiben vor? Wie sieht deine Vorarbeit aus? Hast du dir vor dem Schreiben Handlung, Charaktere und Schauplätze bereits fertig zurechtgelegt, oder entsteht da auch viel beim Schreiben?
Xander: Ich versuchte den intuitiven Ansatz, das heißt, einfach loslegen mit einer faszinierenden Idee und dann den Stein oder Schatz ausgraben wie Stephen King sagt. Aber ich muss mich für längere Sachen inzwischen hinsetzen und überlegen, ob das ganze noch Sinn macht und wie es weitergehen kann. Das kann aber auch sehr inspirierend sein, wenn man nicht schreibt, sondern einfach mal nur überlegt, was passiert denn jetzt?
Skizzen und Charaktersteckbriefe sind wichtig und lohnen sich, ich mache aber (noch) keine grafischen Charts oder schreibe lange Backstorys. Dafür fehlt mir immer die Geduld. Ich lasse mich gerne von meinen Charakteren überraschen.
Hörst du denn auch Musik beim Schreiben?

Xander: Ja, immer. Ich höre Trailermusik von Thomas Bergersen und TwoSteps From Hell.
Wie beeinflussen dich Rezensionen, bzw. das Kundenfeedback auf Amazon?

Xander: Sehr. Ich lese alles, sogar mehrmals und bin immer wieder aufgeregt, wenn die Sterne steigen oder sinken. Ich kommentiere aber nichts mehr, eher besser ich die Texte nach.
Welche Bücher hast du bereits veröffentlicht und was wäre ein schöner Xander Morus-Einstieg für jemand, der noch nichts von dir gelesen hat?

Xander: Ich habe etwa sechs Erzählungen veröffentlicht. Alles ist nur bei Amazon zu finden. „Die Insel“ und „Zeit der Zombies“ sind am aussagekräftigsten. Ich mag auch meinen kleinen Thriller „Alternatives Ende in LosAngeles“. Ist eigentlich eine Geschichte über mich und meine Filmerfahrungen. Man sollte mit der „Insel“ anfangen, wenn man möchte.
Welche drei Bücher empfiehlst du für die berühmte einsame Insel?

Xander: Kann da nur Klassiker nennen:
Grimmelshausens Simpliccismus, Bildnis des Dorian Gray (wenn man weiß, dass man von der Insel wieder runterkommt), und den Steppenwolf, den jeder Horrorautor mal lesen sollte.

Mittlerweile hast du ja schon erwähnt, dass du im Kindle-Store deine Bücher anbietest. Aber warum bist du ausschließlich auf Amazon vertreten?
Xander: Amazon sind die einzigen, die es schaffen, tägliche Verkaufzahlen zu erstellen. Es ist mir ein Rätsel, warum das bei Apple nicht geht. Es ist eine Grundregel der Psychologie: Täglich kleine Erfolge sind die beste Arbeitsmotivation. Amazon kniet sich rein. Alle anderen Portale sind noch zu kompliziert und haben zu viele Torhüter.

Gibt es irgendwo mehr Xander Morus? (Twitter/Facebook/Blog...)
Xander: Ich bin auf Twitter und Facebook, habe mir aber mehr davon versprochen. Jetzt habe ich aber schon einige Follower und traue mich nicht mehr trashige Zombiefilmtrailer zu posten. Mal gucken, was sich da entwickelt, ich chatte aber kaum… wie gesagt habe kein Internet und bin auch nicht in Foren unterwegs.

Schade. 
Vielen Dank für das Gespräch. 

Zum Abschluß noch ein toll gemachter Trailer für "Zeit der Zombies": 


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