Donnerstag, 29. November 2012

Prolog - Teil 8



Mein Verhältnis zur Musik hat sich die letzten Jahre massiv geändert. War es vor zehn Jahren noch ein untrennbarer Teil meiner Persönlichkeit, so ist es heute zu einem Nebenprodukt geworden, dass sich meine Freizeit mit Film, Videospiel und vor allem Familie teilen muss und dabei immer weiter in den Hintergrund tritt. Nur selten mache ich mir die Mühe, eine neue Band für mich zu entdecken und begnüge mich stattdessen mit dem, was meine aus gut 500 CDs bestehende Sammlung für mich bereit hält. Natürlich war früher alles besser und natürlich sind neue Bands alle nur Kopien anderer Bands. Also genauso wie vor 10 Jahren, und vor 20 Jahren und wahrscheinlich die Jahre davor.

Trotzdem beobachte ich noch immer den Musikmarkt und speziell die Metalszene, mit der ich mich noch immer verbunden fühle. Mein Engagement ging die letzten Jahre genauso zurück, wie der Stellenwert der Musik in meinem Leben abgenommen hat. Und doch habe ich in der Szene viele Freunde und Bekannte gefunden. Eine Szene, die seit vielen Jahren zersplittert und in Subgenres aufgeht. Vom klassischen Metal ausgehend taten sich Spielarten wie Thrash, Death und Black Metal auf. Klassischer Metal wurde zum True Metal, Power Metal oder einfach Heavy Metal. Anfang der Neunziger übertraf man sich mit halbgaren Veröffentlichungen und Exzessen, bis mit Grunge schlagartig alles anders wurde. Während der Grunge-Virus grassierte flüchteten sich viele Bands in den vermeintlichen sicheren Grunge- und Alternative-Hafen, oder lösten sich auf. Davon unbeeindruckt gärte im Untergrund die Szene weiter und speziell im Norden zeigte mit dem Black Metal ein besonders hässliches Gesicht des Metals sein Gesicht. Als Gegenentwurf zum gesellschaftlich belächelten Kuschelmetal sorgten Morde, Kirchenbrände und rassistische Aussagen für eine breite Ablehnung in der Gesellschaft und stellten den Metal wieder auf ein gesellschaftliches Abstellgleis.

Provokation der Provokation Willen wurde in der Black Metal-Szene zum Leitspruch und endete in einer Katastrophe. Einer Katastrophe von der sich Protagonisten der Szene Jahre später distanzieren würden um den Black Metal in den Mainstream zu führen, von dem man sich einst abzugrenzen versuchte. Black Metal verkam zu einem ungewollten Hype wie einst Death- und Thrash Metal.

Meine Ablehnung dem Black Metal gegenüber war dagegen weniger ideologischer Natur. Ich konnte und kann dem Gekeife nichts abgewinnen. Auch die nach ihrer Öffnung zum Mainstream hin veröffentlichten Alben konnten mich nicht begeistern.

Mein Verhältnis wurde nach dem freiwilligen Verzicht auf neue Bands nicht besser. Auch andere Hypes, wie die Okkult-Rock-Phase, ging spurlos an mir vorüber. Für mich können neue Bands kaum noch relevante Akzente setzen. Für mich wurde vor zehn Jahren das meiste gesagt. Trotzdem kommt man momentan um eine Band kaum herum, sofern man nicht gerade hinterm Mond lebt. Da mich Hypes fast noch mehr abstoßen als Black Metal an sich, spiele ich den Totalverweigerer und erfreue mich an den ganzen Kommentaren der „Süchtigen“. 

(privater Blogeintrag,bloekenstattglauben.blogspot.com)

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