Samstag, 15. Dezember 2012

Kapitel 1 - Teil 10


Ein zweiter Schrei wurde jäh unterbrochen, als sich eine Hand blitzschnell in den offenen Mund bohrte und das Kiefer brutal nach unten riss. Die Wucht des Angriffs zerrte den Kopf der Frau nach unten, bis sich das Muskelgewebe um die Mundwinkel löste und der Kiefer vom Kopf gerissen wurde. Fast schon surreal federte der Kopf zurück und gab den Blick auf das zerfetzte Gesicht frei. Die Zunge stach wie ein roter wurmähnlicher Fremdkörper heraus und vibrierte unter den Schmerzensschreien.

Die Szenerie war abstoßend und faszinierend zugleich und obwohl ich mich dafür schämte, konnte und wollte ich meinen Blick nicht abwenden. So bekam ich auch mit, wie sich eine andere Klaue um die Zunge legte und sie mit einem Riss aus dem Gaumen gerissen wurde. Der letzte Schrei ging in einem Gurgeln unter und Blut spritzte aus der Wunde, während die Zunge im Gaumen eines Monsters Platz fand.

Mit einem letzten Blick starrte sie auf ihren Mann, der mittlerweile fast komplett ausgenommen worden war. Wie Tiere stopften sich die uns so fremd gewordenen Wesen seine Innereien in ihr gieriges Maul, saugten daran und fraßen es wie eine Delikatesse. Mit einem Ruck wurde sie sogleich von dem Anblick erlöst. Zwei behaarte Hände hatten sich um ihren Kopf geschlossen und drehten ihn gegen den Uhrzeigersinn um 180 Grad.

So gebannt war ich von dem grausigen Anblick, dass ich für einen Moment meine eigene Sicherheit vergaß. Nur noch wenige Meter trennten mich von den heranstürmenden Horden und buchstäblich im letzten Moment schlüpfte ich durch die Öffnung ins Innere des Gotteshauses. Sofort war ich gefangen von der Erhabenheit des Bauwerks und für einen Moment schien die Bedrohung vergessen. Es war, als hätte man das Grauen an der Türe abgelegt und sich in die schützenden Hände Gottes begeben. Plötzlich aufbellendes Gewehrfeuer und eine Hand auf meiner Schulter rissen mich aus meinen Gedanken und in die Realität zurück. Ein Soldat zog mich zurück und schubste mich in Richtung der anderen Bürger.

Noch bevor sie die Türen erreicht hatten, mähten die Schüsse der Soldaten die ersten Reihen nieder und gaben Beethafen genügend Deckung, die Türen hinter uns zu schließen. Satt donnernd schlug die zweite Tür ins Schloss und bewahrte uns für diesen Moment vor dem Grauen, das hinter uns lag. Mit einem klackenden Geräusch wurde ein Riegel vorgezogen, der die Klinke blockierte und normal dem Küster diente, die Türen von innen zu verriegeln.

Auch wenn es einst Menschen waren, konnten wir uns nicht sicher sein, wie intelligent diese Kreaturen wirklich waren. Natürlich zeugte es nicht von Intelligenz ungedeckt in Gewehrfeuer zu laufen, aber würde ein Schloss für diese Dinger ein Hindernis darstellen? Würde es ausreichen, sie davon abzuhalten, in Massen hereinzustürmen und uns bei lebendigem Leibe aufzufressen?

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