Freitag, 21. Dezember 2012

Kapitel 1 - Teil 16


Die Welt um mich drohte in Schwarz zu versinken und mit aller Kraft kämpfte ich gegen eine drohende Ohnmacht an. Schwarze Punkte führten vor meinen Augen einen Veitstanz auf, Schwindel überfiel mich und die zuvor noch immer nur gedämpften Geräusche verstummten zur Gänze. Stattdessen pochte mein Pulsschlag überlaut in meinen Ohren. Mit jedem Schlag meines Herzens wurde er lauter und pumpte die Schmerzen von meiner Hüfte in den restlichen Körper, so als würde er durch Blut übertragen.

Dann verschwanden die Punkte, mein pulsierendes Blut rauschte nicht länger überlaut in meinen Ohren und auch der Schmerz ließ nach, bis er wieder auf das Maß vor meiner Aktion zurück gegangen war. Mit den schwindenden Qualen, schwand auch die Ohnmacht. Wütend hob ich das Stück Holz auf und schleuderte es in Richtung der zerstörten Tür. Auch wenn das nicht ohne Konsequenzen blieb, verschaffte es mir ungeheure Befriedigung. Um die Schwere der Verletzung besser einschätzen zu können, presste ich mit der freien Hand auf die Wunde.

Feuchtes, warmes, zähflüssiges Blut sickerte dazwischen hervor und verklebte meine Hand. Tat ich den Blutverlust zuvor noch als überschaubar ab, machte ich mir jetzt doch ernsthafte Sorgen, ob nicht doch eine wichtige Arterie verletzt worden war. Doch gleichzeitig ebbte der Schmerz immer weiter ab, und zurück blieben nur die pochenden aus der Leiste ausgehenden Schmerzwellen. Davon ermutigt, legte ich alle verfügbaren Energiereserven in meine Rettung  und schob mich mit den Füßen aus der unmittelbaren Gefahrenzone. Natürlich tat es erneut verdammt weh, aber verglichen mit den zuvor empfundenen Qualen eine deutliche Verbesserung. 

Obwohl ich mich nur wenige Meter bewegt hatte, war es, als wäre ich aus einer Parallelwelt gekommen. Eben noch von feinen Wirbeln durchzogene Wolken über mir und im nächsten Moment klare Sicht. Mit einer nie gekannten Deutlichkeit breitete sich vor mir das ganze stattfindende Drama aus. Hinter den Bänken kniende Soldaten feuerten auf Verdacht in die Öffnung, die die Sprengung der Türen hinterlassen hatte und von Zeit war darin ein Schatten zu sehen, der unter den Schüssen förmlich zerrissen wurde.

Nicht unweit von mir entfernt lag mit Frank ein anderer alter Bekannter. Obwohl anzunehmen war, dass sein Zustand bereits zuvor beschissen war, hatte sich dieser mittlerweile eindeutig zu seinem Nachteil verändert. Statt weiter zu knien, lag er schräg auf der Seite, umringt von einer riesigen Blutlache, die wegen dem Staub, Mörtel und Holzsplittern kaum mehr als solche zu erkennen war.

Das Blut selbst stammte aus einer riesigen Wunde, die ein Fetzen in der Größe einer Männerfaust von hinten in seinen Körper gerissen hatte. Dort wo vorher sein Brustkorb war, klaffte ein riesiges Loch, aus dem die kaum mehr zu identifizierenden Innereien nach außen gedrückt worden waren und sich rotschwarz vor ihm auf dem Boden und der Spitze des Holzstücks verteilten, der den Körper weiter in der Schräge hielt.

Auf seinem Gesicht war der letzte Moment seines Lebens eingefroren. Ungläubig geweitete Augen und ein zu einem letzten Schrei geformter Mund waren sein Abschied von dieser Welt. So unglaublich es auch klingen mag, aber seine Gesichtsfarbe war jetzt tatsächlich noch farbloser, als just zuvor. Aber immerhin war mein Handabdruck aus dem Gesicht verschwunden.

Noch immer mit den eigenen Schmerzen kämpfend versuchte ich seinen Tod so gut es ging zu ignorieren, um mich weiter meiner eigenen Rettung widmen zu können. Der Tod war heute unser ständiger Begleiter und irgendwann werde ich die Scheiße aufarbeiten müssen, aber das war definitiv der falsche Moment dafür.

Kommentare:

  1. Hi,

    5. Absatz, erste Zeile, das zweite "mir" -> mit

    mfg Thex

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    1. 3. Absatz, 4. Zeile: "Doch gleichzeitig ebbte der Schmerz immer weiter ab. und zurück ". Ich glaube der Punkt bei ab ist zuviel.

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