Samstag, 29. Dezember 2012

Kapitel 1 - Teil 24

Nach einem wahrlich emotionalen Empfang, auf den ich aus privaten Gründen nicht näher eingehen will, erzählte mir meine Frau, was seit der Spritze durch den Sanitäter vorgefallen war. Die Explosion der Tür  rührte von einem Schützenpanzer, der zur Unterstützung herangekarrt wurde. Die leichte Kanone säte Tod und Zerstörung in den Reihen der “anderen”. Dummerweise traf ein Schuss die Kirchentüre und tötete zwei der Insassen. Verletzt wurde außer mir die Freundin von Frank, Sarah, wie mir meine Frau erklärte. Der Rest hatte Glück und stand weit genug hinten, bzw. bekam nur leichte Verletzungen durch herumfliegende Splitter ab.
 
Wäre es nicht so tragisch verlaufen, hätte man von Glück im Unglück sprechen können, dass die Verluste so gering ausgefallen waren.
 
Zusammen mit der Verstärkung war es aber immerhin gelungen, die vor der Kirche lauernden Monster zu töten, oder wenigstens zu vertreiben. Da mittlerweile die Überfälle landesweit auftraten und extrem zunahmen, wurde der nationale Notstand ausgerufen und eine militärische Übergangsregierung eingesetzt. Zusammen mit anderen Zivilisten wurden wir in einen Bunker verlegt, der als Übergangsunterkunft dienen sollte. Hinter Toren, die angeblich einer Atomexplosion standgehalten hätten, waren wir geschützt vor den “anderen”, die laut den letzten Berichten über alles und jeden herfielen, die ihnen in ihre gierigen Klauen fielen.
 
Allein auf dem Weg in den Bunker wurde der ständig anwachsende Konvoi mehrmals von den blutrünstigen Wesen überfallen, konnten aber von den begleitenden Soldaten abgewehrt werden. Ein nach der Ankunft erneut nach draußen geschickter Konvoi kam leider nie zurück und über seinen Verbleib ist nichts bekannt, oder wird einfach nichts nach draußen gegeben.
 
Seitdem wir im Bunker waren, wurden die Zivilisten für Aufräum- und Ausbesserungsarbeiten herangezogen, um zumindest die gröbsten Schäden des jahrelangen Verfalls zu kaschieren. Dass sich die verrosteten Tore hinter den Flüchtlingen schlossen war laut Martina auch eher eine Überraschung, die elektronische Verriegelung dagegen versagte ihre Dienste. Aber auch so war es unwahrscheinlich, dass die Kreaturen die Türe würden öffnen können.
 
Mehrere Fahrzeuge befanden sich im Inneren der Anlage und ein schwerer Spähpanzer versperrte von innen das Tor. Über die Lage außerhalb der Anlage war nichts bekannt. Die Funkanlage war ebenso wie ein großer Teil der elektrischen Anlagen defekt, oder Vandalismus zum Opfer gefallen. In den letzten Stunden waren die Zivilisten damit beschäftigt, Kiloweise abgelaufene Medikamente gegen Strahlenkrankheit zu entsorgen und aus schimmligen Beständen brauchbare Bettwäsche und Matratzen auszusortieren. Immerhin lieferte ein funktionstüchtiger Generator ausreichend Strom für die Belüftungsanlage, die das ständige Brummen verursachte, und die Beleuchtung in der Anlage. Auch wenn die Luftfilter mittlerweile keine Giftstoffe mehr filtern würden, wurde immerhin lebensnotwendiger Sauerstoff in die Anlage gepumpt.
 
Dank Zentnerweise NATO-Reserven war die Nahrungsmittelsituation zwar einseitig, aber für Wochen sichergestellt. Um für Abwechslung zu sorgen und zudem die lang haltbaren Reserven zu schonen, wurde für den nächsten Tag ein Außenkommando zusammengestellt. Weitere Ziele waren die Suche nach Überlebenden und Funkkontakt mit dem Hauptquartier herzustellen. Vor allem Medikamente und medizinische Geräte wurden benötigt, wie Martina mit einer ausschweifenden Handbewegung in Richtung der anderen Betten klar stellte. Immerhin stand der Anlage ein Arzt zur Verfügung. Der diensthabende Oberst Kraus war guter Dinge, dass man in wenigen Tagen die provisorische Behausung würde verlassen können.
 
Erstmals musterte ich die Patienten, mit denen ich mir das Zimmer teilte. Ein zugegeben sehr großes Zimmer. Die meisten trugen dicke Verbände und Infusionen, die an verrosteten Konstruktionen hingen. Ein trostloser Anblick und auch ohne nachzufragen, wusste ich, dass die meisten Verletzungen von Bisswunden herrührten. Ich hatte selbst erlebt, wie sie ihre Zähne in Menschenfleisch schlugen, und Fetzen warmen Fleischs aus dem Körper rissen. Was wird eigentlich passieren, wenn sie keine Nahrung mehr finden? Verhungern sie dann, oder fressen sie sich gegenseitig? Ich vertrieb die Gedanken und widmete mich meiner Familie. Vor uns stand eine ungewisse Zukunft, und ich wollte so viel Zeit davon wie möglich mit ihnen verbringen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen