Sonntag, 9. Dezember 2012

Kapitel 1 - Teil 4



Zuerst fielen mir die zunehmenden Aktivitäten beim Wachpersonal auf. Wo diese eben noch mit fröhlich verzerrter Miene, aber diszipliniert die Essensausgabe überwachten, kehrte plötzlich Unruhe ein.

Ein etwas abseits stehender Wachmann mit wichtig aussehenden Rangabzeichen an seinem Anzug fing an, hektisch in sein Headset zu murmeln und Schweißperlen standen auf seiner Stirn. Wild gestikulierte er mit seinen etwas zu kurzen Armen und die Hände malten unsichtbare Kreise in die Luft. Mit hochrotem Kopf rief er einen Namen und die kurz rasierte Dame setzte sich anfangs eher gemächlich in Bewegung. Erst nach erneuter lautstarker Aufforderung beschleunigte sie ihren Schritt und beeilte sich, der Aufforderung Folge zu leisten.

Ein hektisches Gespräch entwickelte sich zwischen den beiden und obwohl sie sich bemühten leise zu sprechen, drangen Wortfetzen zu uns herüber. Es war die Rede davon, sofort aufzubrechen, dass das nicht möglich sei und dass eine riesige Scheiße losgetreten worden sei. In Richtung der Wartenden gestikulierend schüttelte die Frau ihren Kopf und sprach jetzt wieder leiser, so dass wir dem Gespräch nicht weiter folgen konnten.

Langsam verstummten die erst aufgenommenen Gespräche wieder und die Menge konzentrierte sich auf das stattfindende Zwiegespräch zwischen den für die Essenausgabe verantwortlichen Autoritätspersonen. Die spürten die plötzlich entflammte Aufmerksamkeit und verlagerten das Gespräch nach weiter hinten auf den Parkplatz. Die Essensausgabe wurde in der Zwischenzeit fortgesetzt.

Nach vielleicht zwei oder drei Minuten war das Gespräch beendet und die kurz geschorene Frau kam zurück und steuerte direkt auf den Lastwagen zu, um sich mit den auf dem Lastwagen tätigen Kameraden auszutauschen. Die zeigten ähnliche Reaktionen wie sie selbst nur wenige Minuten zuvor und die Hautfarbe von Narbengesicht nahm eine ungesunde Blässe an. Statt die Lebensmittel zu verteilen, flog plötzlich eine Kiste vom Lastwagen und weitere folgten. Wer vorne stand, griff zu. Der Rest drängelte von hinten nach vorne und rätselte darüber, was in deren Köpfen vorging.

Plötzlich setzte das Geheul ein. Wie aus den Kehlen von 1000 Wölfen drang ein Geheul über den Parkplatz und noch bevor wir begriffen, schrien die ersten Menschen. Die Blässe von Narbengesicht nahm noch weiter zu und auch seine Kameraden bekamen es offensichtlich mit der Angst zu tun. Von weiter hinten krachten die ersten Schüsse. Erst eine Salve, die wie Donnerhall auf dem freien Feld hallten und das Heulen für Sekunden übertönten.

Dann kam auch Leben in die auf der Ladefläche beschäftigen Schwarzhemden. Eilig sprangen sie auf den Boden und verschwanden aus meinem Blickfeld, nur um kurz darauf bewaffnet zurück zu kommen. Instinktiv riss ich meine Frau und meinen Sohn zu Boden und schützte sie mit meinem Körper. Andere reagierten falsch und fingen zu rennen an. In alle Richtungen zerstob die Wolke der Wartenden.

Leicht hob ich den Kopf an und dann sah ich sie kommen. Aus der Richtung eines hinter der Menschentraube liegenden Discounters stürzten sie auf die Wartenden zu. Sie waren nicht nackt oder kahl, sondern von Kopf bis Fuß grau behaart, zumindest soweit ich das anhand der teilweise freiliegenden Körperregionen behaupten konnte. Die meisten trugen noch halb zerschlissene Kleidung, die wie die abfallende Hautschicht einer Schlange an ihnen herab hing. Die Körperhaltung war leicht gebückt und lange Hauer entwuchsen den Mäulern.

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