Dienstag, 11. Dezember 2012

Kapitel 1 - Teil 6



Meine Versuche sie zu warnen, gingen in dem Lärm aus Schreien und Schüssen unter und so bemerkten sie es erst, als es zu spät war. Unbemerkt war eines der Tiere so nahe gekommen, dass es nach dem Arm seiner Tochter schnappen konnte. Aus dem Lauf riss es das Maul auf, bleckte seine Hauer und stieß sie in das junge Fleisch. Wie in Trance lief ihr Vater weiter, riss an dem Arm und zog weiter an ihr, während die Zähne sich durch Fleisch, Muskeln und den Knochen mahlten.

Mit einem Ruck löste sich ein Teil des Arms vom Körper und noch immer rannte Horst weiter, während er den halben Arm hinter sich hertrug. Das Mädchen hatte ihren Mund aufgerissen und wahrscheinlich schrie sie auch, was in dem allgemeinen Lärm unterging. Erst als sich ein weiteres Monster dazugesellte und ihr mit einem Hieb den Kopf von den Schultern trennte, schrie sie wohl nicht mehr. Eine Blutfontäne schoss aus der Stelle, an dem eben noch ihr Kopf gesessen hatte und verteilte sich auf ihrer weißen Jacke.

Inzwischen hatte auch mein Nachbar bemerkt, dass etwas nicht in Ordnung war. Zuerst zog er seinen nach hinten abgewinkelten Arm mit der Hand seiner Tochter nach vorne, dann stoppte er seine Flucht. Aufgrund der unterdessen zurück gelegten Entfernung kann ich seine Reaktionen nur raten, aber er war sicher erschüttert. Wir hatten nicht allzu viel Kontakt, aber ich habe ihn als stillen, introvertierten Mann kennen gelernt, der nur für seine Familie lebte und arbeitete. Der Anblick der abgerissenen Hand muss ihn in seinen Grundfesten erschüttert haben.

Noch während er sich auf der Stelle drehte, hatte ihn ein Angreifer erreicht und hieb seine Faust von hinten auf seinen Arm. Einen zweiten Schlag konnte er nicht mehr anbringen, weil eine Salve aus einem Sturmgewehr in den pelzigen Körper einschlug. Eine verirrte Kugel traf dabei dummerweise auch Horst, dessen Kopf in einer blutigen Wolke explodierte. Die eben noch mit dem Körper des Kindes beschäftigen Wesen bekamen die nächste Salve ab, die auf den unmenschlichen Körpern verheerende und tödliche Schäden anrichteten.

Der Dauerbeschuss hatte Wirkung gezeigt. Die Reihen der Angreifer waren ausgedünnt und die Linie der Angreifer weit zurück gefallen. Wer noch nicht auf dem Boden lag, rannte um sein Leben und die Gewehre unserer Verteidiger leisteten ganze Arbeit und hatten viele der Angreifer tödlich verwundet. Von den vielleicht hundert Widersachern lag ein Großteil tot darnieder und mindestens genauso viele Zivilisten.

Der Schrei eines Wachmanns erweckte meine Aufmerksamkeit. So gut es ging hob ich meinen Kopf und sah in die Richtung, in die er wie wild mit seiner Waffe gestikulierte und was ich sah, ließ mir mein Blut in den Adern gefrieren. Unbemerkt hatte sich ein zweites Rudel von der entgegengesetzten Richtung genähert und war dabei, den Verteidigern in den Rücken zu fallen. Eilig wurde die Schussrichtung geändert und die neue Bedrohung unter Feuer genommen.

Weil die erste Angriffswelle größtenteils auf dem Boden lag, oder noch mit den Fliehenden beschäftigt war, wurde die zweite Angriffswelle als die größere Bedrohung und als neues Primärziel angesehen. Eine Entscheidung, die viele unschuldigen Menschen das Leben kostete, noch mehr Menschen aber wahrscheinlich das Leben rettete. Ungestört fielen sie über Verletzte her, die wimmernd am Boden kauerten und gehofft hatten, noch irgendwie heil aus der Sache raus zu kommen.

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