Sonntag, 30. Dezember 2012

Kapitel 2 - Teil 1

Nach dem Fehlschlag der letzten Expedition wurde die Rückkehr des Konvois von allen Bewohnern bereits sehnlichste erwartet. Eine Woche lang hatten wir uns komplett zurückgezogen und abgewartet. Umso größer die Neugierde der Insassen auf Neuigkeiten von draußen. Wer halbwegs aufrecht gehen konnte, hielt sich in der großen Vorhalle auf und wartete auf das vereinbarte Signal. Rund 160 Soldaten und doppelt so viele Zivilisten verharrten dort, und unterhielten sich gedämpft. Große Erwartungen ruhten auf dem ausgerückten Zug. Neben Nahrung hofften die meisten, dass der Aufenthalt in dem ungemütlichen Bunker langsam ein Ende nahm. Obwohl die meisten erst zwei Tage hier waren, bildete sich bei einigen bereits ein Lagerkoller und Platzängste. Um zumindest die Soldaten zu entlasten, wurde fast das ganze Vorkommando, das bereits seit rund einer Woche mit der Instandsetzung beschäftigt war, auf Außeneinsatz geschickt, darunter auch Manfred und Josef, sein dunkelhaariger Kamerad. Die hatten, soviel konnte ich schon in Erfahrung bringen, die Aufgabe den Bunker zu warten und wieder in Schuss zu bringen. Von den sich überschlagenden Ereignissen wurden sie aber ebenso überrascht, wie wir, was den aktuell eher schlechten Zustand erklärte.
 
Trotzdem hatten sie in der kurzen Zeit ein kleines Wunder vollbracht und vor allem die hier gelagerten Vorräte sicherten uns das Leben für einen Zeitraum von mindestens einem halben Jahr, auch wenn die Abwechslung zu wünschen übrig ließ. Das waren aber hoffentlich alles nur temporäre Probleme, von der sich die meisten Anwesenden von dem zurück kehrenden Konvoi Verbesserung versprachen.
 
Angesichts dessen was ich erlebt hatte und was dem nochmal ausgerückten Konvoi zugestoßen war, glaubte ich nicht so recht an eine schnelle Rettung. Trotz meiner Bedenken hielt ich mit meiner Meinung aber hinterm Berg, weil ich Martina und Alexander nicht verängstigen wollte. Seit ich wach war, hatten wir jede freie Minute miteinander verbracht. Stunde um Stunde verbrachten sie an meiner Seite und halfen mir bei meinen ersten Schritten, auch wenn Doktor Schleghuber, von allen nur Doc genannt, davon wenig begeistert war. Allein mein Wille war stärker und ein verrosteter Rollstuhl half mir mich zwischendurch auszuruhen. Die Halle mit all den Kranken und im Sterben liegenden deprimierte mich und so war der heutige Ausflug in die Vorhalle eine angenehme Abwechslung.
 

Die Halle selbst war riesig und bot insgesamt sechs Panzern oder mittelgroßen Lastwägen Platz. Entsprechende Dimensionen hatte auch das Tor, das ich mir bis dahin als mannsgroßen Einstieg vorgestellt hatte. Stattdessen hatte es die Dimensionen eines kleinen Hauses und angesichts dessen war die funktionierende Torsteuerung tatsächlich ein Gewinn. Angeblich gab es noch einen zweiten Zugang, der eher meinen Vorstellungen entsprach, dessen Lage aber nicht an die Insassen kommuniziert wurde. Angeblich war der Tunnel einsturzgefährdet, überflutet, oder atomar verstrahlt, wenn man nach den Gerüchten ging, die bereits am ersten Tag zirkulierten. Ein anderes Gerücht besagte, dass der Oberst Angst vor Sabotage hatte, oder einfach eine Massenflucht verhindern wollte.

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