Montag, 31. Dezember 2012

Kapitel 2 - Teil 2

Jede Erklärung und jedes Gerücht waren gleich gut oder schlecht und am Ende wusste ohnehin niemand mit Sicherheit zu sagen, ob der Tunnel überhaupt existierte. Außer vielleicht dem Oberst, und den bekam keiner von uns zu Gesicht. Auch hier gab es verschiedene Gerüchte, von denen das wildeste besagte, dass er selbst zu einem Monster mutiert war und erschossen wurde. Ein Haufen Menschen in unbekannter Umgebung ohne eine Möglichkeit der Zerstreuung beflügelte nun mal die Phantasie.
 
Die Dauer des Außeneinsatzes war auf acht Stunden festgesetzt worden. Kurz nach Sonnenaufgang brach der Trupp auf und die Rückkehr sollte noch vor Einbruch der Nacht erfolgen. Tatsächlich ertönte nur wenige Minuten nach der vereinbarten Zeit das vereinbarte Signal. Weil die äußere Torsteuerung nicht mehr funktionstüchtig war und die dicken Mauern Funksignale blockierten, hatten Pioniere über die vorhandene Elektrik eine Art Morsegerät auf Lichtbasis installiert, welches von außen gesteuert werden konnte. Anhand der Lichtblitze konnte verifiziert werden, ob es sich bei den Ankömmlingen um die entsandten Truppen handelte, oder sich jemand anders Zutritt verschaffen wollte.
 
Nachdem der letzte Blitz erloschen war, herrschte absolute Ruhe in der Halle bis ein anwesender Feldwebel durch sein Nicken die korrekte Anzahl bestätigte. Sogleich starteten die schweren Motoren des Spähpanzers und setzten das schwere Gerät in Bewegung. Danach sprang eine weitere Maschine an und bewegte das Tor zwar quietschend aber immerhin nach innen. Es war gigantisch. Neben der Größe wies es eine unglaubliche Dicke von geschätzten eineinhalb Metern auf, von der ich annahm, dass sie tatsächlich dem Einschlag einer Atomrakete hätte trotzen können.
 
Um trotz des vereinbarten Signals keine unnötigen Risiken einzugehen, postierten sich eine Reihe Soldaten in sicherem Abstand und teils gedeckt von Fahrzeugen vor dem Tor und waren bereit, jeder unerwarteten Bedrohung von außen zu trotzen, bevor uns das Tor davon wieder abschirmen konnte.
 
Statt einem Rudel der PSGs traf aber tatsächlich der erwartete Konvoi ein. Das heißt, erst stand da nur dieser Oberfeldwebel, der mir bis dato völlig unbekannt war. Abgekämpft sah er aus, und einige Flecken auf seiner Uniform rührten wohl kaum von der grünen Tarnbemalung. Auch wenn wegen des Camouflage-Musters die Farbe der Flecken nicht eindeutig zu bestimmen war, so war ich mir doch sicher, dass es Blut war, so viel ich erkennen konnte, wirkte er aber unverletzt.
 
Dann trat er zur Seite und ein Lastwagen rauschte an ihm vorbei in die Halle und das Fahrzeug war wahrlich in keinem guten Zustand. Die hing in Fetzen an dem Fahrzeug herab, der Kühler war blutverschmiert und die Frontscheibe gesprungen. Nicht viel besser sah der danach einfahrende Begleitjeep aus, dessen Scheiben eingeschlagen waren und der Kühler des nachfolgenden LKWs war mit Innereien besudelt, die schrecklich menschlich aussahen. Die restlichen Fahrzeuge wie der Schützenpanzer blieben draußen und trotz der Sauerei hielt der Schock nur kurz. Der hochgereckte Daumen des inzwischen in die Halle spurtenden Oberfeldwebels signalisierte den Wartenden, dass die Mission trotz des schlechten Zustands der Fahrzeuge ein Erfolg war und begab sich zum Diensthabenden Feldwebel in der Halle.
 
Aus den in der Halle abgestellten Fahrzeugen sprangen erschöpfte, aber glücklich dreinschauende Soldaten, die mit erleichterter Miene zum Laderaum des von der Sauerei abgesehen unbeschädigten LKWs rannte. Der Grund wurde für uns bald offensichtlich, als die Ladefläche geöffnet wurde. Zuerst war da nur der bunte Kontrast zu den verdreckten und teils blutverschmierten Uniformen. Hellblau, rot, pink und gelb leuchtete es dazwischen hervor und noch während die Meisten rätselten, was da Geheimnisvolles von der Ladefläche gehoben wurde schrie eine weiter vorne stehende Frau auf.
 
„Kinder. Mein Gott, sie haben Kinder gefunden.“

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