Samstag, 14. Dezember 2013

Super Weihnachts-Special-Deal!

Weihnachten steht vor der Tür und wer noch auf den letzten Drücker ein Geschenk sucht, sollte jetzt und hier zugreifen! 

Für nur noch 4,99 kann man seinen Liebsten eine Freude machen und zu Weihnachten fröhliche Zombie-Action in Buchform verschenken. Das ideale Geschenk für Nichten, kleine Schwestern und die liebevolle Ehefrau. Die Aktion ist zeitlich begrenzt, also lieber jetzt als gleich zuschlagen, bevor der Preis wieder auf 8,99 hochgeht. Außerdem ist es ja nicht mehr lang bis Weihnachten. 





Freitag, 6. Dezember 2013

1943: Operation Untot ab sofort als Buch bei Amazon bestellbar

Frohe Nachricht für alle, die noch keinen Kindle haben, oder einfach gern in richtigen Büchern blättern: Ab sofort kann 1943: Operation Untot bei Amazon für nur 8,99 Euro als Taschenbuch bestellt werden

Das ideale Weihnachtsgeschenk für Freunde, Familie, Kollegen und Leute, die ihr nicht leiden könnt.






Dienstag, 26. November 2013

1943: Operation Untot - Das Prequel

Es ist vollbracht. Stolz darf ich die erste Kooperation mit dem Bestseller- und Zombieautoren Xander Morus kundtun.

Manch einer erinnert sich vielleicht noch an den Teaser, den ich letztes Jahr für das Projekt 1943: Untot erstellt habe:


Optimistisch bin ich damals von einem schnellen Ende des Projekts ausgegangen und wurde eines Besseren belehrt.

Neben eigenen Projekten, haben wir viel Zeit dafür aufgewendet, die beiden Ansätze für unsere Geschichte dichter miteinander zu verweben und mussten dafür den einen oder anderen Kompromiss eingehen. Keine Kompromisse sind wir dagegen bei der Geschichte eingegangen, die die knallharte Realität des zweiten Weltkriegs um eine schreckliche Facette erweitert: Zombies.

1943: Operation Untot spielt in dem bekannten Untot-Universum und erzählt die Vorgeschichte zu den schrecklichen Ereignissen in Untot: Dämmerung und Untot: Finsternis. Neben neuen Charakteren gibt es mehr Informationen zu den Hintergründen und Auswirkungen der Zombie-Seuche.

1943: Operation Untot ist ab sofort im Amazon-Kindle-Store für 2,99 Euro verfügbar. Zur Feier der Veröffentlichung wird das Buch am 27. und 28.11.2013 kostenlos im Rahmen einer Promo verfügbar sein. Eine Printveröffentlichung via Amazon Createspace folgt.



Freitag, 20. September 2013

China Gadgets of Doom

Nichts kann meinen Konsum aufhalten. Weder Ländergrenzen noch Vorurteile. Vor allem dann nicht, wenn die Artikel preislich auf einem Niveau liegen, bei dem ich eventuelle Zweifel vor mir selber rechtfertigen kann. 

Auf Ebay bieten diverse Händler aus China ihre Ware zu teils wirklich günstigen Preisen an. Viele der Sachen gibt es auch hierzulande, oft für den zwei- bis dreifachen Preis und einige Sachen hab ich da zum ersten Mal gesehen. Für den totalen Shoppinggenuss - und um sich da im Ebay-Dschungel nicht zu verlaufen - bieten diverse Portale ihre Dienste an, ein paar hab ich dann weiter unten verlinkt. 

Zoll ist bisher noch keiner angefallen, die Preise der Artikel bewegen sich aber auch durchgehend auf niedrigem Niveau. Die Versandkosten sind in der Regel im Produktpreis enthalten. 

Was mir natürlich von vornherein klar war: für wenig Geld, darf man auch nicht viel erwarten. Trotzdem hab ich den Versuch gewagt, und möchte gern meine Erfahrungen mit euch teilen. Was mir nämlich häufig bei dem Zeug gefehlt hat, war eine aussagekräftige Artikelbeschreibung, oder eine verlässliche Bewertung der angebotenen Ware. Bei den Preisen vielleicht auch nebensächlich, aber einer muss es ja machen. 

Die jeweiligen Artikel sind mit den entsprechenden Ebay-Auktionen verlinkt, die bei Erstellung des Artikels noch online waren. 

Beginnen möchte ich mit einer Computer-Maus, die mit etwas über vier Euro verdächtig billig erscheint. Greift man die Maus, fallen als erstes die scharf geschnittenen Kanten und die flache Form auf. Sie liegt auch nicht wirklich anschmiegsam in der Hand, aber das mag Gewöhnungssache sein. 


Steckt man sie in den USB-Port werden unter Windows 7 die Treiber automatisch installiert und die Maus kann sofort genutzt werden. Auf ebenen Flächen klappt das auch ganz gut, auf der Couch aber zum Beispiel nicht mehr so. Weil ich  meinen Laptop durchaus auf der Couch nutze und da auch mit der Maus rumfahre, nicht ganz so praktisch. 

Die linke und die rechte Maustaste verrichten ordentlich ihren Dienst, das Mausrad auch. Einzig die durch das Mausrad ausgelöste mittlere Taste ist etwas schwerfällig. Auch knackst es dabei unangenehm laut. Ich kehr dann wieder zu meiner Microsoft-Laptop-Maus zurück, aber für den Notfall, oder als Zweitmaus für den Partykeller ist das Teil ganz in Ordnung. Vor allem für den Preis. 

Für den Laptop war dann auch der Reinigungsschleim. Meine Tastatur hat schon viel erlebt und freut sich sicher darauf, von Bröseln und Rückständen befreit zu werden. 


Öffnet man die Verpackung, strömt angenehmer Spüligeruch heraus. Der Schleim selbst ist... schleimig ... und fühlt sich leicht feucht an, hinterlässt aber keine Feuchtigkeit z. B. auf der Tastatur. 


Einmal drüber gelegt, ein paar mal drüber gewalzt und schon ist alles sauber. Oder auch nicht. Bei einer Laptoptastatur wie der meinen ist das a bisserl doof, weil der Schleim nicht zwischen die Tasten kommt. Dafür fühlen sich die Tasten jetzt recht sauber an. Und sie riecht gut. Nach Spüli. 



Weil ich Magentabletten schlucken muss, kam mir das nächste Gadget durchaus gelegen. Eine Pillendose als Schlüsselanhänger. Genial einfach und mit einem Euro fair bepreist. Der Artikel hält dann auch, was er verspricht. Leider sind die Maße nicht für jede Tablettenform geeignet. In meinem Fall bekomm ich da gerade mal drei Tabletten rein, was mir persönlich zu wenig ist. Achja, beim abwaschen ist innen die Farbe abgegangen. Achtung: die in der Auktion angegebenen Maße weichen ab, siehe Bild. 


Richtig toll ist dagegen die Toast-Bärchenausstechform. Gibt's wahrscheinlich auch bei T€DI oder anderen Ein-Euro-Läden, aber als Mann von Welt kauft man das natürlich direkt in China. Kommt auch viel besser dann auf die Frage, wo man's denn her hat. Die Form ist aus äußerlich stabilem Plastik und zaubert Kindern bei der Pause oder auch bei der Brotzeit mit Sicherheit ein Lächeln auf die Lippen. Zumindest mein Neffe war begeistert. Der mag aber auch Teddys. 


Wo shoppen?

Wie oben schon geschrieben, hier noch ein paar Anlaufstellen. Die entsprechenden Seiten hab ich zum Teil selber über Google ausfindig gemacht, eine davon wurde über ein Forum verlinkt. Die angepriesenen Produkte unterscheiden sich kaum, so dass es schwer fällt, einen eindeutigen Favoriten zu küren. China-Gadgets.de fand ich persönlich einen Tick informativer, weil man z. B. Tablets oder auch Elektronikspielzeug miteinander vergleicht und testet.


Bestellungen natürlich auf eigene Gefahr. Gelieferte Produkte können voneinander abweichen, genauso wie Eindrücke. 

Sonntag, 11. August 2013

Burgerdialog in Moosburg

Nein, das ist kein politischer Blog und soll auch keiner werden. Trotzdem möchte ich mich auch auf diesem Weg bei Peter Warlimont und Florian Simbeck (bekannt in der Rolle des Stefans aus Erkan & Stefan) bedanken.

Bei brütender Hitze standen die beiden am Grill und haben rund 20 Besucher meiner kleinen Grillfeier mit Burgern und Bier versorgt. Nachdem alle versorgt waren, hat man sich dem politischen Dialog gestellt und auch bei kritischen Fragen war man um Antworten nicht verlegen. Natürlich steht über allem noch die Parteipolitik, die selten Rücksicht auf Einzelmeinungen nimmt, aber trotzdem haben Florian und Peter nicht nur bei mir einen tollen Eindruck hinterlassen. 

Super fand ich, wie unverkrampft auf die Leute zugegangen wurde und in manchen Fällen der politische Dialog auch mal in den Hintergrund trat. Aus Wahlkämpfern wurden interessierte Zuhörer, Familienväter und Gäste. Das war Politik zum anfassen mit Kandidaten, die keine Berührungsängste kannten.

Ob die SPD in Bayern was reißen kann bleibt abzuwarten, aber offensichtlich hat man die Herausforderung angenommen und kämpft um jede Stimme. 

Hier noch ein paar Impressionen: 




Mittwoch, 7. August 2013

Netzfundstücke der Woche

Es ist mal wieder soweit! Netzfundstücke, die zu schade sind, sie der Welt vorzuenthalten warten auf ihre Enthüllung. Und ich warte auf Klickzahlen. Deswegen versuch ich mich hier und heute mal an SEO. Search Engine Optimization. Suchmaschinenoptimierung. Professionelle Suchmaschinenoptimierung. Die beste Suchmaschinenoptimierung im Web! Finden Sie hier nicht. Vielen Dank für Ihren Besuch.  

Genug davon. 

Beginnen möchte ich mit einem Musikvideo, das aktuell schon knapp drei Millionen mal geklickt wurde und momentan wahrscheinlich eh über alle Kanäle gespamt wird. Nichtsdestotrotz möchte ich mich dem medialen Hype anschließen: 


Die Band (Mumford & Sons) war mir zwar bis dato unbekannt, aber es macht Spaß zuzusehen, wie Jason Bateman ("Kill the Boss"), Ed Helms ("Hangover"), Jason Sudeikis ("Kill the Boss") und Will Forte ("Saturday Night Live") in die Rolle der Bandmitglieder schlüpfen. Zudem find ich den Song gar nicht schlecht. 

Noch witziger fand ich das hier:


Matt Damon... War da nicht was? Achja. 


Ach, und weil es hier ja irgendwie um Zombies geht, natürlich auch noch ein Zombie-Fundstück. Also irgendwie: 


Jaja, Bad Lips Reading hatten wir schon beim letzten Netzfundstücke der Woche-Post von vor drei Monaten (lange Wochen haben wir hier in Bayern). Aber der hier ist auf Deutsch. Und äh... das Lied vom anderen geklaut. 

Dafür hier ein Video zum besten Klo der Welt:


Leider keine Ferguson. 


Und noch ein kleiner Mangel: Die App hat eine Sicherheitslücke



Wer dagegen von den Minions aus "Ich einfach unverbesserlich" nicht genug bekommen kann, klickt hier: 


Aus Gründen des Urheberdingens verzichte ich auf eine direkte Verlinkung eines oder mehrerer Bilder.

Noch ein paar Übersetzungsfehlerunfälle aus Indien. Meine Favoriten sind ganz klar 10 + 21: 


Zu guter Letzt noch ein Video aus meinem Privatarchiv. Ein Auftritt der legendären Hard-/Sludgecoreband Dopesick anno 2005: 


Zugegeben - es könnte sein, dass sich das nicht jedem Zuschauer erschließt. Also das legendäre. Aber ich mag die Leute, die da spielen, auch wenn es die Band leider nicht mehr gibt. 

Bonus: Wer noch ein Geburtstagsgeschenk für die Oma sucht, greift zu diesen drei Powerpüppies:


Ich bin mir sicher, dass Franzi, Kathrin und BeeKay (WTF?) ein ordentliches Blaskonzert veranstalten. 

Mittwoch, 31. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 95

Es gab viel zu erzählen. Das meiste meiner Geschichte wurde bereits von Anabela zu Protokoll gegeben und ich bestätigte nur das Gesagte, oder ergänzte es an einigen Stellen mit eigenen Eindrücken. Unsere Flucht blieb nicht ohne Folgen. Bereits vor unserer Ankunft überschlug sich der Funk und die letzten Sekunden unserer Verfolger konnten unverschlüsselt mitgeschnitten werden. Die gepanzerten Transporter funkten demzufolge noch einige Minuten, bevor auch ihre Funkgeräte verstummten.

Dank unserer Warnung bereitete man sich auf einen Angriff vor und befestigte die Außenstellung auch so, dass sie menschlichen Angreifern mit Gewehren und Granaten stand halten konnte. Die Zahl der freiwilligen Helfer war indes rasant angestiegen und auch meine Frau war zum Dienst an der Waffe herangetreten und leitete zudem das zivile Komitee, das die Interessen einer zivilen Regierung geltend zu machen versuchte, um dem Militär die alleinige Kontrolle zu entziehen. Ein langwieriger und schwieriger Prozess, aber der Oberst erklärte sich zu Gesprächen bereit.

Verstärkt wurde der Effekt durch den Kontakt zu anderen von Menschen bewohnten Bunker- oder Militäranlagen. Nur zwei Tage nach unserer Abreise fing man den Funkspruch eines Konvois auf, der mit mehreren zivilen Fahrzeugen auf der Suche nach Unterkunft war. Notdürftig bewaffnet hatten sie sich quer durch die ehemalige Republik geschlagen und berichteten von mehreren besetzten Festungsanlagen, in die sich Überlebende zurückgezogen hatten. Mit diesen Informationen wurden Teams ausgeschickt, Kontakte herzustellen und ggf. bei der Errichtung von Funkanlagen zu helfen.

Erwähnenswert an der Reise war, dass sie nicht einmal von den „anderen“ attackiert wurden. Die Rolle der Monster bei unserer Flucht war bereits von Anabela dargelegt worden, was ein Gremium nach sich zog, in dem der moralische Aspekt der Entdeckung diskutiert und zur Diskussion gestellt wurde. Meine Erfahrungen gaben den Ausschlag zu einer tiefen Beschäftigung über das von den Mutanten ausgehende Gefahrenpotenzial. Das vorgeschlagene System von menschlichen Tributen zum Tausch gegen unsere Existenz wurde zwar abgelehnt, aber der Anteil derer, die dazu bereit waren, war erschreckend hoch. Selbst meine Frau führte eine flammende Brandrede, sich auf diese Weise mit den Wesen zu verständigen und so endlich wieder in Freiheit leben zu können. Andere dagegen schlugen eine Flucht vor, wussten aber auch nicht wohin. Zudem war nicht sicher, ob sie uns gehen lassen würden.

So sitzen wir hier und warten. Wir warten auf die Schwarzhemden und darauf, wie lange die neue Spezies noch auf unsere Antwort warten würde. Das Problem ist, sie haben Zeit, wir nicht. Wir sitzen hier wie die Ratten in der Falle und nicht wenige warten, dass man uns ein Stück Käse vor die Nase hält, um noch tiefer in Scheiße zu waten. Die einfachen Lösungen sind meist im Nachhinein die schwierigsten. Hoffentlich wirft niemand den ersten Stein.


Ende



Über Feedback / Kommentare / Kritik würd ich mich freuen. 

Dienstag, 30. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 94

Wie durch Watte drangen die Stimmen an meine Ohren. Vertraute Stimmen, die sich besorgt und mit ernster Stimme über den Gesundheitszustand eines Bekannten unterhielten. Neben der Ernsthaftigkeit schwang noch etwas anderes mit: Hoffnung und Erleichterung. Er mache gute Fortschritte und der Blutverlust wäre nicht so schlimm, wie anfangs gedacht. Außerdem heile die Wunde überdurchschnittlich gut und Komplikationen wären im jetzigen Stadium ausgeschlossen.

Nach einiger Zeit wurde alles deutlicher und ich erkannte den Klang des Arztes, meiner Frau und Anabela. Niemals zuvor hätte ich mir vorstellen können, was es für eine Schinderei sein könnte, seine Augen aufzuschließen. Wie der Rest meines Körpers wollten sie mir nicht gehorchen und ruhig daliegend versank ich in Panik. Es war, als wäre ich gefangen in meinem eigenen Körper, ohne darüber Kontrolle zu haben. Aus meinem Innersten hörte ich Stimmen, die einen Kampf um meinen Körper auszufechten schienen. Undeutliche Stimmen, die sich einen Schlagabtausch in einer mir unbekannten Sprache lieferten.

Wütend versuchte ich mich in den Streit einzubringen, schrie und brüllte und blieb doch stumm. Es zerrte an mir, jedes Wort war wie ein Schlag, jeder Schrei wie ein Messer. War ich wirklich schon wach, oder träumte ich noch? Während um mich herum die Stimmen verstummten, flammten sie in mir weiter auf und übertönten alle von außen auf mich einprasselnden Gespräche. Noch einmal nahm ich alle Kraft zusammen und legte sie in einen Schrei. Verzweiflung trieb mich an und die Angst darum, was passieren könnte, wenn die Stimmen verstummten, ohne dass ich darauf reagieren könnte. Also schrie ich. Ein langgezogener und extrem lauter Schrei löste sich und schüttelte die über mir liegende Starre ab. Es war, als hätte man mir die Kontrolle über meinen Körper zurück gegeben und ich wollte sie auf keinen Fall mehr abgeben.

Panisch riss ich die Augen auf, während ich mich weiter brüllen hörte. Weißes Licht blendete meine Augen, aber ich wagte es nicht meine Augen erneut zu schließen. Schemen standen um mein Bett und sahen zu mir herunter, nahmen langsam Gestalt an und wurden langsam zu vertrauten Gesichtern. Meine Lungen begannen zu schmerzen und ich wusste nicht warum. Erst als sich aus den noch undeutlichen Schemen das Gesicht des Docs abzeichnete, mir näher kam und mir sanfter Stimme zurief, dass ich jetzt in Sicherheit sei und nicht mehr schreien müsse, verstand ich und holte tief Luft.


Meine Frau, Anabela, mein Sohn und ausgerechnet Lehmann standen um mein Bett herum und sahen entsetzt zu mir herab. Also wenigstens meine Frau und mein Sohn, während der Feldwebel und die ehemalige Polizistin davon eher weniger beeindruckt zu sein schienen. Mit frischer Luft in den Lungen hauchte ich ein „Hallo“ in Richtung meiner Familie, was sogleich von Freudentränen und einer ungestümen Umarmung quittiert wurde. Es tat weh, aber die Schmerzen waren mit im Moment egal.

Montag, 29. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 93

„Als ich dich mit Ben gesehen hab, wusste ich, dass das meine Chance sein könnte und bereitete alles vor. Zusammen mit Sackschneider verfolgte ich euch über die Kameras und ärgerte mich darüber, wie unvorsichtig ihr vorgegangen seid. Mensch, hättet ihr euch das mit den Kameras nicht denken können?“

Mit der eigenen Dummheit konfrontiert zu werden war nicht angenehm, aber zum Glück schien die Frage eher rhetorischer Natur, weil sie ohne eine Antwort abzuwarten mit ihrer Erzählung fortfuhr.

„Als Sackschneider tot war, wusste ich, dass ich auf das richtige Pferd gesetzt hatte, bereitete alles vor und verschlüsselte am Ende meinen Rechner. Als besonderes Bonbon hab ich auf meiner Flucht die Türen zum Büro meines Herrn und Meisters verschlossen. Sicherheitstüren, die im Falle einer Revolte einer Explosion standhalten würden, wohlgemerkt. Ich seh ihn förmlich vor mir, wie er fluchend und wild gestikulierend in dem Zimmer auf und ab läuft und auf Rache an mir sinnt. Draufgehen wird er leider nicht, irgendwie und irgendwann werden sie ihn rausholen, aber ich hab sein Ego empfindlich getroffen. Das wird das, was vor uns liegt, nicht einfacher machen.“

Just als sie mit ihrer Ausführung fertig war, kamen wir zu dem zum Bunker führenden Weg an. Offensichtlich wurden noch immer regelmäßige Patrouillenfahrten unternommen, weil der Schnee hier von mehreren Fahrzeugen aufgewirbelt und niedergedrückt worden war.

Die letzte Kurve passierend, präsentierten sich vor uns der Bunker und die ihn umgebende Anlage. Seit unserer Abfahrt wurde die Zeit genutzt, die Stellungen um einen zentralen Wachturm zu ergänzen, der über die ganze Anlage zu wachen schien. Um kein Risiko einzugehen, verlangsamte Anabela die Geschwindigkeit und rollte in Schrittgeschwindigkeit auf die Einfahrt zu.

Augenpaare beobachteten uns und der Lauf eines MGs folgte der Bewegung unseres Fahrzeugs. Als wir nur noch wenige Meter von dem Tor entfernt waren, löste sich hinter einer Stellung eine uniformierte mit einem Sturmgewehr bewaffnete Gestalt und bedeutete uns mit erhobener Hand, den Wagen anzuhalten. Das Gewehr lag mit dem Gurt über der Schulter und die freie Hand lag am Abzug, während der Lauf lose in unsere Richtung gerichtet war.

Eine Sturmhaube verdeckte das Gesicht des Soldaten, so dass ich unmöglich sagen konnte, wer uns da gegenüber stand.

Noch bevor ich etwas sagen konnte, hatte meine Fahrerin die Tür aufgestoßen und war mit erhobenen nach vorne gerichteten Handflächen aus dem Fahrzeug gestiegen. Langsam trat sie auf den Soldaten zu und schon kurz danach begann ein Wortwechsel, dem ich nicht länger nur zuschauen wollte. Angestrengt begann ich meinen Ausstieg und versuchte die Schmerzen in meiner linken Schulter so gut es ging zu ignorieren. Warmes Blut trat aus der Wunde aus und verteilte sich großzügig um die Einschussstelle, während ich die Tür aufstieß und aus dem Fahrzeug stieg.


Sofort umhüllte mich die kalte Luft und drang schneidend in meine Lungen ein. Tapfer hielt ich mich auf den Füßen und stapfte durch den Schnee in die Richtung, in der Ana noch immer mit dem Soldaten verhandelte. Augenpaare richteten sich auf mich, während ich schwankend dem Paar näher kam und je kürzer der Abstand wurde, desto deutlicher wurde die durch die Sturmhaube gedämpfte Stimme des Verteidigers. Jeder Schritt war anstrengender als der zuvor und der Blutverlust wurde zu einem kleinen Problem. Schwarze Punkte tanzten vor meinen Augen, aber ich verstand Wortfetzen, sah zwei Augenpaare auf mich gerichtet, hörte die Stimme meinen Namen rufen, erkannte darin Manfred. Die Punkte wurden größer, schwärzer, zahlreicher. Kalt. Stolpere. Schnee. Schwarz. Alles schwarz.

Sonntag, 28. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 92

Die Reaktionen blieben nicht aus, aber weder Schläge noch dauerhafte Penetration konnten meinen Schutzschirm durchbrechen. Ich war apathisch und musste zwangsernährt werden. Ausgerechnet von Gruczynsky erhielt er den Rat, es mit einer Schocktherapie zu versuchen. Tja, der Schock konnte größer nicht sein. Aber das war noch nicht genug. Ich musste mit ansehen, wie meiner Tochter diese verdammte Musik vorgespielt wurde, und wie sie langsam zu einem dieser Monster wurde.

Das schlimme war, dass die Verwandlung von diesen verdammten Eierköpfen hinausgezögert wurde und ihr kindlicher Körper für ihre Experimente genutzt wurde. Nie werde ich ihre hilflosen Schreie vergessen, die aus dem Mund dieser monströsen Gestalt kamen und nichts mehr von dem hatten, was meine Tochter ausgemacht hat. Innerhalb weniger Tage war sie mir fremder als alles andere auf dieser Welt geworden.

Immerhin ließ er sie am Leben und versprach sogar sie freizulassen, wenn ich mich dafür ihm ganz und gar hingeben würde. Ich willigte ein und durfte beobachten, wie ihr betäubter Körper vor das Tor gelegt wurde. Stundenlang stand ich dort auf dem Wachturm, blickte auf sie herunter und beobachtete, wie sie aufwachte und irgendwann benommen davon torkelte. Nach einigen Minuten war die Wirkung des Betäubungsmittels endgültig abgeklungen, und mit einigen schnellen Sätzen verschwand sie aus meinen Augen.

Was dann folgte war die Hölle. Jeder Versuch, mich wieder zurückzuziehen scheiterte und nicht selten bestrafte er mich, wenn ich es wieder nur über mich ergehen lassen hatte. Es war so demütigend, seinen beißenden stinkenden Atem zu riechen, seinen abartigen Schwanz zu berühren und ihn in mir zu spüren. Nicht nur einmal überlegte ich ihm sein Ding einfach abzubeißen, gestand mir dann aber ein, ein gebrochener Mensch zu sein. Es war mir einfach irgendwann gleichgültig und klammerte mich innerlich an jenen Tag im Sommer, während ich alle Erinnerungen an den Tag ihrer Verwandlung zu verdrängen suchte.

Als ihr angekommen seid, hatte ich neue Hoffnungen geschöpft. War ich bisher davon ausgegangen, dass nur noch Schwarzhemden und Monster dort draußen ihr Unwesen trieben, wart ihr der Beweis, dass es noch Menschen gab. Richtige Menschen. Mit der Hoffnung reifte ein Plan und ich begann, die Steuerungsroutinen der Verriegelungen auf meinen Rechner umzuleiten. Zum Glück sind die meisten Schwarzhemden genauso dumm, wie sie aussehen. Ein auf der Krankenstation eingesetzter Sanitäter konnte mich dabei heimlich unterstützen und hat mir ein Makro gebaut, dass die komplette Steuerung auf Knopfdruck auf allen Konsolen deaktiviert.

Leider blieb unser Tun nicht gänzlich unbeobachtet, wurde von meinem Liebsten aber falsch beurteilt. Sebastian landete in einer Zelle, ich kassierte eine Tracht Prügel“, erzählte sie und deutete mit dem Finger auf das fast verblasste Veilchen.

Samstag, 27. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 91

Alles redete ich mir von der Seele und konfrontierte sie mit ihren eigenen Geistern der Vergangenheit und dem Bens Schicksal, die aus Benny Killer geformt haben. Am Anfang eher beiläufig, später immer hellhöriger lauschte sie meinen Ausführungen und zuckte kurz zusammen, als die Sprache auf ihren toten Ehemann und das Spiel auf der Wiese kam.

„Es war letzten Sommer, als alles anfing. Es war der letzte Tag, an dem wir zusammen ausgelassen als Familie verbringen konnten. Danach änderte sich alles. Einsatzbesprechungen und zusätzliche Schichten verlangten nicht nur mir mehr ab, als meinem Familienleben gut tat. Kurz bevor alles zusammenbrach, wurden wir den Schwarzhemden unterstellt. Eine mir schon damals suspekte Truppe rund um Roggel, die sich aus zwielichtigem Gesindel zusammen setzte.

Schon am ersten Tag kam es zu Auseinandersetzungen, weil sich viele meiner Kollegen nicht dem Diktat dieses Abschaums beugen wollten. Zu vielen waren ihre Taten ins Gesicht geschrieben und nicht wenige, hielten mit ihnen nicht hinterm Berg. Am Ende wurden wir faktisch nur noch zur Sicherung herangezogen, während die Schwarzhemden langsam die Kontrolle übernahmen. Einige, weniger skrupellose Kollegen, wechselten gar ihre Gesinnung und schlossen sich ihnen an. Üble Karrieristen, die mit ihren Leistungen viel zu oft ohnehin nicht überzeugen konnten und den Polizeidienst mehr als ihre persönliche Spielwiese, ansahen.

Hier sahen sie ihre Chance und konnten sich uns gegenüber endlich als tolle Hengste aufspielen. Einer von den Schweinen hatte schon in der Ausbildung ein Auge auf mich geworfen und sah seine Chance gekommen. Naja, am Ende sah es so aus, dass Martins Faust seine Nase brach und dafür in den Arrest wanderte. Dort, wo zuvor die Vergewaltiger und Verbrecher aus Roggels Truppe einsaßen, wurde Martin unter dem Gelächter und dem Spott dieser Dreckskerle inhaftiert.

Schlimmer noch fand Roggel selbst Gefallen an mir und begann mir Avancen zu machen. Als erstes wurde ich von ihm persönlich für seinen Stab angefordert. Mein diesbezüglicher Protest erreichte niemand mehr, weil zu dem Zeitpunkt schon große Teile der Organisation zerfallen waren. Kurz darauf kam der Zusammenbruch und bei diesem Schwein brachen alle Dämme. Natürlich wollte er meine Ablehnung nicht so einfach hinnehmen und begann mir zu drohen, danach vergewaltigte er mich.


Die ersten Male schrie und wehrte ich mich, was mit Schlägen und Tritten quittiert wurde. Irgendwann beschloss ich dann, mich einfach hinzugeben. Ich zog mich in mein Innerstes zurück und ließ ihn gewähren. Ich fühlte nichts mehr und klammerte mich in meinen Gedanken an jenen Tag im Sommer. Immer und immer wieder warfen wir uns in meinen Gedanken den Ball zu und so verdrängte ich bald das Elend, in dem ich steckte. 

Freitag, 26. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 90

„Ich garantiere dir so oder so freien Abzug und habe nur die Bedingung, unsere Idee deinem Volk vorzustellen und dein Volk entscheiden zu lassen. Das ist es doch, was ihr so schätzt. Die Möglichkeit eine Entscheidung auf viele zu verteilen, statt selbst mit dieser Entscheidung leben zu müssen. Geh hinaus und verbreite unser Angebot. Mehr verlangen wir nicht.“

Noch einmal ließ ich mir das Angebot durch den Kopf gehen und erkannte darin unsere Chance, dem Wahnsinn zu entgehen, also stimmte ich zu und fand mich in unserem Wagen wieder. Neben mir saß noch immer Anabela. Ihr Kopf ruhte auf dem Lenkrad und aus ihren Augen schossen Tränen, während sie hemmungslos vor sich hin schluchzte.

Sprachlos sah ich zu ihr hinüber und versuchte meinen Arm um sie zu legen, was allerdings durch einen brennenden Schmerz quittiert wurde. Beim nächsten Versuch drehte ich mich herum und streichelte mit meiner rechten Hand sanft über ihren Kopf. Durch die Berührung aufgeschreckt schnellte sie nach oben und sah mir tief in die Augen. Ihre Augen waren durch die Tränen verquollen und ihr Mund zu einer Grimasse der Trauer verzogen.

„Ich habe sie gesehen“, schluchzte sie undeutlich. „Meine Tochter, sie lebt. Sie hat mit mir gesprochen und mir erzählt, dass es ihr gut geht. Sie lebt. Mein Gott, ich dachte, ich würde sie nie wieder sehen, nach dem was ihr Roggel angetan hat. Sie bat mich, den Menschen eine Botschaft zu überbringen und dass ich bald wieder mit ihr zusammen sein könnte.“

Ihr Kopf fiel gegen meine unverletzte Schulter und der Rest ihrer Klagen ging ihrem Geheule unter und langsam bekam ich eine Idee davon, was die Schwarzhemden ihrer Tochter angetan haben mochten. Möglicherweise stand sie nur weniger Meter vor uns, in diesem sich jetzt langsam auflösenden Meer aus behaarten Körpern, die sich ohne uns eines weiteren Blickes zu würdigen von uns zurück zogen und nur zertrampelten Schnee zurück ließen.

Einzig und allein das auf dem Schnee liegende Blut und die leeren Wracks zeugten wenige Minuten später von dem, was hier stattgefunden hatte, während Anas Tränen meine zwei übereinander liegenden Uniformen durchnässte. Erst Minuten später, nachdem die Monster abgezogen waren, beruhigte sie sich und rappelte sich wieder auf.

„Es geht schon wieder. Tut mir leid, es war ... meine Tochter … Sie hat mit mir gesprochen. Sie will wieder mit mir zusammen sein, aber ich habe ihr gesagt, dass das nicht geht, dass wir jetzt in zwei verschiedenen Welten leben, ich aber so froh bin, dass es ihr gut geht. Danach verschwand sie und ich sah die Weißen, wie sie in deine Richtung starrten. Dann begriff ich, dass ich sie endgültig verloren habe.

Mein Gott, Konrad, was sind das für Dinger? Was weißt du, was ich nicht weiß?“


Ihrem durchdringenden Blick und den fordernden Worten nachgebend erzählte ich ihr alles, während sie die Fahrt zu unserem Ziel wieder aufnahm. Von Anfang an schilderte ich ihr die Erlebnisse in der Kirche, die Geschichte des Soldaten, mein erstes Erlebnis in Gefangenschaft und über meine neu gefundene Fähigkeit, die Emotionen und Erinnerungen anderer Menschen empfangen zu können. 

Donnerstag, 25. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 89

„Und wie stellt ihr euch das vor?“, platzte es aus mir heraus. „Wollt ihr uns als Schlachtvieh halten? Ich weiß nicht mehr, was oder wem ich glauben soll. Ich habe Aufnahmen gesehen, wie ihr in von Menschen kontrolliertes Gebiet eingedrungen seid. Männer, deren Wort in meinen Ohren glaubhaft klingen, stellten die Sachlage etwas anders dar.“

Meine Worte waren nicht ohne Wirkung. Mit Wucht schlug der Dicke auf den Tisch und beinahe wäre ihm die Pfeife dabei aus dem Mund gefallen. Nur knapp griff er mit seiner anderen Hand danach und hob sie auf den Tisch.

„Glaubhaft“, brüllte er. „Denkt ihr denn, ihr habt eine glaubhafte Alternative? Wir sind euch zahlenmäßig und physisch überlegen und reichen euch die Hand zu einer gemeinsamen Zukunft. Natürlich gehen wir nicht von einer gleichberechtigten Partnerschaft aus und natürlich werden wir Bedingungen stellen. Aber viele von euch werden wieder ein normales Leben führen können.“

„Was mein Freund sagen will“, fuhr der Bärtige fort „ist, dass unsere Zukunft vor allem auf gegenseitigem Respekt und Sicherheit basieren wird. Ihr lebt unter unserem Schutz und dafür werdet ihr uns von Zeit zu Zeit einen Gefallen erweisen und unsere Forderungen erfüllen. Dafür dürft ihr wieder in eure Häuser zurückkehren und zu einem normalen Leben. Einer Führungskaste gewähren wir besondere Privilegien. Alles was ihr tun müsst, ist die Kooperation mit uns einzugehen.“

Fast freundlich lächelte er mich an, während sein Gegenüber noch immer verärgert und aufgebracht drein blickte. Das ganze erinnerte mich an das Spiel, in dem zwei Seiten verschiedene Rollen einnahmen, um mit Zuckerbrot und Peitsche das Opfer psychologisch auf die eigene Seite zu ziehen. Natürlich hatten sie damit Recht, dass die Alternative heißen würde, ein Leben lang in einem engen, stickigen Bunker zu verbringen und mit der Zeit um Vorräte kämpfen zu müssen. Dann war da noch das Problem, dass wir gerade von Tausenden von ihnen umzingelt waren, und eine Absage eventuell nicht zu unserem Vorteil gereichen würde.

„Von welchen Gefälligkeiten reden wir?“

„Nun, nichts Besonderes“, antwortete der Bärtige ruhig und gefasst. „Ihr vermehrt euch und teilt eure Population mit uns. Ihr gebt uns die Kranken und die Schwachen und wir euch Frieden und Freiheit.“

Obwohl ich mit einer ähnlichen Antwort gerechnet hatte, war ich schockiert über die Art und Weise, wie sie mir überbracht wurde.

„Menschenopfer? Ihr redet davon, dass wir euch Menschen opfern sollen?“, polterte ich erzürnt los. „Das ist keine Partnerschaft, das ist Mord und Kannibalismus.“


„Das ist vor allem eure einzige Chance und deine einzige Chance. Wir können dich zerfetzen und deinen Tod zu einer einzigen Qual machen, wenn du willst. Oder du willigst jetzt und sofort ein, mit uns zusammen zu arbeiten“, dröhnte der Fette, während der andere erneut den Besonnen gab.

Mittwoch, 24. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 88

Dann bewegten sie sich wieder und mit ihnen die Fahrzeuge. Wie Ameisen schleppten sie sie mit sich und bugsierten sie von der Straße herab, begleitet von knirschenden und schleifenden Geräuschen. Der dahinter liegende Gedanke war offensichtlich. Solange sie die Panzerung nicht durchdringen konnten, mussten sie der Besatzung die Möglichkeit nehmen, sich aus eigener Kraft befreien zu können. Ihre Reise würde wahrscheinlich in einem See, Fluss oder einer Grube enden.

Noch immer gebannt von der Urgewalt dieses Kollektivs begann ich erst nach einiger Zeit mir Gedanken über unser eigenes Schicksal zu machen. Ein Blick in Richtung meiner Fahrerin zeigte mir, dass es ihr ähnlich ging.

„Was war das?“, fragte sie, als sie meinen auf ihr ruhenden Blick bemerkte.

„Das weiß ich nicht, aber wir sind noch am Leben und das würde ich im Augenblick als gutes Zeichen werten“, erwiderte ich noch immer beeindruckt von dem, was sich eben vor unseren Augen abgespielt hatte.

„Warum fallen sie nicht über uns her?“, hakte die Ex-Polizistin nach, obwohl sie mit keiner Antwort rechnete und weil ich keine wusste, blieb ich einfach stumm und starrte weiter auf das, was da draußen auf uns lauerte.

Plötzlich lösten sich einige Gestalten aus ihren Reihen und traten vor uns. Ihr Äußeres war eindeutig genauso wenig menschlich wie das der anderen, unterschied sich aber von den uns zwei bekannten Spezies. Ihr Fell war blütenweiß wie der Schnee, ihre Augen dunkel wie die Nacht und ihr Körperbau weniger maskulin. Auch wirkten ihre Zähne und Krallen nicht so deformiert, wie bei den uns bisher untergekommenen Vertreter ihrer Art.

Noch während ich überlegte und den fragenden Blick meiner Begleiterin auf mir spürte, setzte ein unheimlicher an Musik erinnerndes Geräusch ein, dass aus den Mündern der Weißfelle stammte. Sofort erkannte ich es als das Geräusch aus der Kirche und wie damals hüllte es mich ein und nahm mich mit auf eine Reise. „Wehr dich nicht dagegen“, flüsterte ich Anabela noch zu und begab mich auf eine Reise in die Innere Einkehr.

„Scheint so, als hättest du es geschafft“, begrüßte mich der Dicke, bevor er genüsslich an seiner Pfeife zog und den Rauch in Kringeln wieder auspustete.

„Du hast es uns aber auch nicht leicht gemacht und viele von uns wurden heute getötet. Und doch waren sie bereit, sich für dich zu opfern. Ich hoffe, du weißt warum“, ergänzte der Bärtige und sah mir tief in die Augen, die die Schwärze der Weißfelle angenommen hatten. Auch die Augen seines Gegenübers waren plötzlich tiefschwarz, oder waren sie das schon immer. Ich konnte mich nicht daran erinnern.


„Es geht um mehr als dein Leben, es geht um unsere gemeinsame Zukunft. Unser gemeinsames Zusammenleben auf diesem Planeten. Um nicht mehr und auch nicht weniger“, setzte er nach. 

Dienstag, 23. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 87

Meine Bedenken festigten sich, als sich das Meer vor uns nicht mehr teilte. Regungslos standen sie vor uns und erwarteten uns ruhig. Auch als Anabela keinerlei Anstalten machte, ihre Fahrt zu verlangsamen, standen sie weiter wie eine unverrückbare Einheit vor uns. Noch mindestens über hundert Meter erstreckten sich ihre Leiber. Eine undurchdringliche Masse an Leibern, die auch bei voller Fahrt und besseren Straßenbedingungen für uns unüberwindbar war.  

aufhalten würden. Dessen gewahr rief ich Anabela zu die Fahrt zu verlangsamen und obwohl ihr Gesicht wenig Zustimmung ausdrückte, hob sie ihren Fuß vom Gaspedal und verlangsamte so unsere Fahrt.

Der Schnee bremste die Geschwindigkeit nur unwesentlich ab und noch immer viel zu schnell schossen wir auf die erste Reihe zu. Erst wenige Sekundenbruchteile vor dem Aufprall sprangen sie zur Seite und gaben immer nur so viel Weg frei, dass die nächste Reihe nicht von unserem Kühler gerammt wurde. Gleichzeitig sah ich sie im Rückspiegel ihre Krieger, wie sie hochsprangen und auf unserem Fahrzeug landeten. Wo sie konnten krallten sie sich fest und belasteten das Fahrzeug mit ihrem Gewicht.

Zu viele von ihnen brachten den Wagen aus der Spur und plötzlich noch gerade dahin rollend brach das Heck aus und drehte den Wagen nach links. Fluchend versuchte Ana gegen zu lenken, schaffte es aber nicht, die Vorderachse zurück auf die Spur zu bringen. Im nächsten Moment krachte etwas gegen unsere Seitenwand und dem ersten Aufprall folgten viele weitere. Mit der ganzen Restwucht krachten wir gegen Reihen der Monster, die mit ihren Körpern unsere Fahrt so weit verlangsamten, dass wir schließlich nach wenigen Metern zum Stillstand kamen.

Noch immer zur Seite gedreht sah ich, wie unsere Verfolger auf die ersten Reihen stießen. Dieses Mal sprangen sie nicht zur Seite. Mit vollem Körpereinsatz stemmten sie sich gegen die Motoren der gepanzerten Transporter und opferten sich für das Kollektiv. Hunderte starben durch den Aufprall, zerfetzte Körper wurden hochgeschleudert und über die Köpfe der anderen hinweg geschleudert. Die anderen wurden unter den schweren Reifen zerquetscht und hinten wie Abfall ausgespuckt.

Aber auch die schweren Fahrzeuge konnten die Wand aus Körpern nicht durchbrechen und verloren kontinuierlich an Geschwindigkeit. Schon schloss sich die Wand hinter den nachfolgenden Fahrzeugen wieder und dann begann der Gegenangriff. Wie auf ein stummes Kommando stießen sich die Krieger vom Boden ab und landeten auf den Fahrzeugen unserer Verfolger. Während ihre scharfen Krallen an der Panzerung der Militärfahrzeuge keine Schäden anrichteten, schnitten sie durch das dünne Metall und die Planen der Begleitfahrzeuge wie ein heißes Messer durch Butter.


War bis eben die Szenerie in unheimliche Stille getaucht, die nur durch Motorengeräusche unterbrochen wurde, setzte jetzt ein Geheul aus Tausenden Kehlen ein, das so schnell verstummte, wie es eingesetzt hatte. Was dann folgte, war einer Explosion nicht unähnlich. Ein Ruck ging durch die Leiber und die Fahrzeuge verschwanden unter einem undurchsichtigen Gewimmel. Wie Wellen schlugen sie auf, brandeten über die Fahrzeuge hinweg und mit jeder Welle schrumpfte der Radius der Wellenbewegungen bis nach und nach die ersten Fahrzeugwracks darunter auftauchten. Türen waren herausgerissen, Fenster zerschlagen und von den Insassen fehlte jede Spur. Nur da, wo zuvor die gepanzerten Fahrzeuge standen, wollten die Wellen nicht enden und zirkulierten hin und her. 

Montag, 22. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 86

Zu einer Antwort kam ich nicht mehr, denn als wir eine Kuppe überquerten verschwand der Schnee plötzlich. Das heißt, er war schon noch da, aber er war nicht mehr zu sehen, weil er unter tausenden Grauer und Brauner Körper begraben lag. Wie eine Wand standen sie da, Schulter an Schulter und in ihren Augen reflektierte sich die Sonne. Ihre Krallen blitzten und die offen stehenden Münder präsentierten ihre Schneidzähne.

Regungslos standen sie da und beobachteten, wie unser Wagen weiter auf sie zuschoss. Von einer Sekunde auf die andere hatte sich unsere Lage von hoffnungslos auf so richtig beschissen verschlechtert. Hinter uns die Schlächter, vor uns die neue Nemesis der menschlichen Rasse. Pest oder Cholera, zu Tode gequält, oder aufgefressen werden. Was für eine Wahl. Was für ein scheiß Tag.

„Halt dich fest“, brüllte meine Begleiterin plötzlich und ließ den Motor aufheulen. Leicht brach das Heck aus, während der Wagen einen Ruck nach vorne machte. Statt sich ihrem Schicksal zu ergeben, zog sie es vor zu kämpfen. Einen hoffnungslosen Kampf gegen ein Meer an Leibern, der so vielversprechend war, wie gegen eine Flutwelle anzufahren, in der Hoffnung sie durchstoßen zu können.

Auf gerader Strecke gelang es uns immerhin die Spur zu halten und trotz der unverantwortlichen Geschwindigkeit nicht als Wrack im Wald zu landen. Immer näher kamen wir dem noch immer still dastehenden Meer aus behaarten Körpern, Reißzähnen und Krallen. Wir erkannten förmlich das Weiße in den Augen unserer Gegner, als das Wunder geschah. Wie vor Moses teilte sich vor uns das Meer aus Körpern und gab eine Trasse frei. Ohne zu zögern lenkte Anabela den Wagen in die Lücke. Natürlich bestand noch immer die Möglichkeit, in eine Falle zu geraten, aber eine kleine Chance ist besser als keine Chance.

Ohne Vorkommnisse passierten wir die erste Reihe und ließen sie zusammen mit anderen hinter uns. Zwischen den normalen Kreaturen stachen die Krieger hervor, um die sich die anderen wie Grüppchen scharten. Wie Befehlshaber im Kreise ihrer Soldaten standen sie da und ignorierten uns mit sturem Blick nach vorne. Während sich vor uns das Meer weiter öffnete, schloss es sich hinter uns wieder und bildete zwischen uns und unseren Verfolgern einen Verteidigungswall aus lebenden Körpern.

Im Rückspiegel war zu erkennen, dass diese jetzt auch über die Kuppe waren und nicht wirklich daran dachten, von ihrer Verfolgung abzulassen. Genau wie Anabela wählten auch sie die direkte Konfrontation. Während letztere die Geschwindigkeit langsam nach unten korrigierte, schmolz der Abstand zwischen uns und den Verfolgern rapide. Zum ersten Mal konnte ich in der Wolke aus aufgewirbelten Schnee konkrete Formen erkennen, darunter die zwei gepanzerten Truppentransporter, die dank ihres Gewichts und des Allradantriebs auch bei diesem Wetter wie auf Schienen geführt über die Straße pflügten.

So unterschiedlich die Monster auch aussahen, so einheitlich wirkten sie in der Gruppe. Durch die nicht enden wollende Ansammlung führte unser Weg weiter und immer bot sich uns das gleiche Bild aus grauen und braunen Leibern. Noch nie zuvor war ich ihnen so nahe, ohne von ihnen angefallen zu werden. Zumindest im Moment noch nicht.

Sonntag, 21. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 85

Die weiße Pracht legte der Landschaft den Stempel des Gleichförmigen auf, was mir die Orientierung zusätzlich erschwerte. Es kamen Momente, in denen ich mir sicher war, dass wir den falschen Weg gewählt hatten. Nur um dann im nächsten Moment wieder ein Landschaftsdetail zu enthüllen, dass auch unter der weißen Schneedecke noch so markant war, dass ich mir ob unseres Weges wieder sicher sein konnte. Schreck und Erleichterungen wechselten sich ab und die Verfolger sorgten für eine konstante Angespanntheit.

Nach jeder Kurve war da die Hoffnung, dass sie die Verfolgung abgebrochen hatten und mit jedem Auftauchen der Schneewolke im Rückspiegel schwand diese so schnell wie ein Schneemann in der Mikrowelle. Unsere Situation erschien immer aussichtsloser, was die gerade erst wieder neu gewonnene Entschlossenheit immer stärker zersetzte. Hoffnungslosigkeit trat an die Stelle der Hoffnung und Angst umklammerte unsere Herzen.

Es war mir unmöglich abzuschätzen, wie nah wir unserem Ziel bereits waren. Zu sehr war ich damit beschäftigt, der bedeckten Landschaft Details zu entreißen. Jedes neue Detail ordnete ich sodann in meiner Erinnerung jenem Tag zu, an dem wir gehofft hatten, in der Vollzugsanstalt neue Verbündete zu gewinnen und unsere Situation zu verbessern. Jedes Teilstück war ein Andenken an jene Männer, die mich begleitet hatten, und ihr Leben lassen mussten. Allein Martins Schicksal war mir ein Rätsel. Obwohl mir der Verräter komplett egal sein konnte, musste ich plötzlich an ihn und seinen feigen Verrat denken. Wie er zuvor große Reden geschwungen hatte und wie schnell er vor Angst zusammen geklappt war. Ohne dass ihm ein Haar gekrümmt wurde, hatte er jene verraten, die uns Zuflucht und Nähe geschenkt hatten. Alles nur, um seine nutzlose Haut zu retten und seinen Kopf aus der imaginären Schlinge zu ziehen. Seine Schildbürger oder Schildwasauchimmer hätten es nicht besser hinbekommen. 

In dem Zusammenhang erinnerte ich mich an Bens Worte, dass es ihm gut ginge. Vielleicht hatte er ja sein Ziel erreicht und Verbündete auf seinem Kreuzzug gegen die Schildhäuser gefunden. Verbündete, die seine wirren Phantasien ernst nahmen, und ihn in ihrer Mitte willkommen hießen. Sicher kreuzten sich dann seine kruden Phantasien mit der noch kruderen Gedankenwelt seiner neuen Kameraden und zeugte dabei einen ideologischen Bastard, der sich aufmachte, den letzten Rest unserer einstigen Gesellschaft zu tilgen.

„Scheiße scheiße, scheiße.“

Anabelas Stimme riss mich aus meinen Gedanken.


„Sie holen immer weiter auf. Wir werden beide draufgehen und alles nur, weil du so ein verdammter Sturschädel bist. Hoffentlich bist du glücklich, wenn sie dir eine Kugel in deinen Schädel jagen. Oh, du wirst glücklich sein, weil dann die Qualen enden werden. Glaub mir, ich kenne Roggel und ein schneller Tod wird uns nicht vergönnt sein. Was er uns antun wird, wird schlimmer als der Tod sein. Ich weiß das, ich habe das schon einmal durchgemacht.“

Samstag, 20. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 84

In der Dunkelheit verschwand das Lachen und machte Schreien Platz, die von Anabela stammten. Ein Schmerz zuckte durch meinen Unterleib und ein abartiges Gefühl erfasste mich. Trotz der Schmerzen war dieses Gefühl der Scham und Erniedrigung der eigentliche Grund der Schmerzen. Etwas zerbrach in mir und die Dunkelheit konnte es nicht verbergen. Das Grunzen, die abartigen Laute eines Mannes, der sich an einem mir fremd gewordenem Körper verging und jegliche Menschlichkeit dabei vermissen ließ. Immer weiter zog ich mich in die Dunkelheit zurück, bis ich dem Körper zur Gänze entrückt war.

Die Dunkelheit legte sich und Licht fiel auf einen leblosen Körper, in dem ich den Mann wieder erkannte, der eben noch mit dem Kind auf der Wiese herumtollte. Noch bevor ich die Blutlache sah, wusste ich, dass er tot war und trauerte um ihn. Die Trauer holte mich zurück in diese Welt und zog mich in den Körper, den ich zuvor mühsam verlassen hatte. So sehr ich mich auch in die Dunkelheit zurück wünschte, war ich doch dem Anblick hilflos ausgesetzt. Weitere Details brannten sich in meine Augen. Die Schusswunde an seiner Schläfe, die hässlichere Austrittswunde an der anderen Seite des Schädels und der in seinem Gesicht fest gemeißelte Gesichtsausdruck, der mir noch im Augenblick seines Todes Mut und Zuversicht schenken wollte. Furchtlos und ohne um sein Leben zu flehen hatte er dem Tod ins Auge gesehen.

Ein Schrei drang aus meinem Mund, ein schier endlos wirkender Schrei der Verzweiflung. Auch als die Lungen schmerzten, schrie ich weiter und verstummte irgendwann. Statt in dem Raum zu stehen, saß ich wieder auf dem Beifahrersitz, neben der Frau, die in meinen Gedanken eben noch um den Tod ihres Mannes trauerte. Ihre Trauer war zu meiner Trauer geworden und ihr Schmerz zu meinem Schmerz. Jetzt konnte ich verstehen, was sie durchmachen musste, verstand ihre Gefühle.

Der Wunsch ihrem Leben ein Ende zu setzen, war kaum zu ertragen, erschien mir aber plötzlich plausibel und nachvollziehbar. Ich erkannte aber noch etwas anderes in ihrem Inneren. Noch hatte sie nicht aufgegeben. Etwas hielt sie am Leben, sorgte dafür, dass sie nicht fiel. Ein Licht, das nicht erloschen war und auch dann weiter leuchtete, als sie sich in die Dunkelheit geflüchtet hatte. War es zuvor noch ein Funken in absoluter Dunkelheit, leuchtete es mittlerweile klar erkennbar, flackerte und wuchs von innen heraus, während ihr Lebenswille proportional dazu anwuchs und ihre Trauer weiter und weiter erstickte. Mit zunehmendem Lebenswillen erlosch auch meine Verbindung und die Gefühle wurden zu Ahnungen und die Ahnungen zu Erinnerungen.


Auch wenn Ana ihren Lebenswillen wieder gefunden hatte, war es noch nicht überstanden, noch nahm der Abstand der Verfolger ab und auch die gefundene Entschlossenheit würde uns nicht helfen, sie hinter uns zu lassen. Verbissen kämpfte Anabela mit den Straßenbedingungen, erhöhte vorsichtig die Geschwindigkeit und oft waren es nur Zufälle, dass wir nicht ziellos über die vom Schnee verwehten Straßen rutschten. Mehr als einmal war die Position der asphaltierten Straße nur mehr zu erahnen und viel zu häufig mussten wir uns an den tief im Schnee steckenden Leitpfosten orientieren. 

Freitag, 19. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 83

„Bist du eigentlich blöd?“, schrie sie mich an. „Ich biete dir das Leben und du wählst freiwillig den Tod? Was kümmert dich mein Schicksal und mein Leben? Ich bin doch schon lange tot. Ich habe nichts mehr, wofür es sich zu leben lohnt. Hätte ich den Mut dazu aufgebracht, hätte ich meinem Leben schon lange ein Ende bereitet. Spätestens nach dem, was meiner Tochter zugestoßen ist, ist alles besser als weiter dieses Leben zu leben und täglich den Schmerz zu spüren, der wie eine Klinge in meinem Herzen sitzt.“

Da verstand ich, dass sie sterben wollte. Nicht meine Rettung war ihr Ziel, sondern ihr eigener Tod. Ich weiß nicht, ob es Egoismus, oder die späte Schwärmerei eines Mitt-Dreißigers war, aber das konnte und wollte ich nicht akzeptieren. Ihr Zorn und ihre aufflammende Trauer öffneten ihre Aura und erlaubten mir für einen Moment ihre Stimmung zu erfassen.

Es war nicht wie bei Ben, der sich mir als offenes Buch präsentierte. Viel eher war es wie der erste Kontakt mit Sackschneider, der es mir erlaubte, Tendenzen zu erkennen. Einfühlsame Worte waren demnach im Moment nicht der richtige Weg, einen Stimmungswandel zu erzeugen. Wenn, dann musste ich ihre Rage weiter anfeuern, um so ihren Zorn nicht gegen sich, sondern gegen ihren Peiniger zu richten.

„Dann lerne damit zu leben, wie so viele andere vor dir“, brüllte ich zurück. „Lebe dein Leben nicht trotz der Verluste, sondern wegen ihnen. Sie würden es nicht wollen, dass du jetzt alles hinwirfst. Dann wäre ihr Schicksal umsonst gewesen. Stattdessen solltest du daraus die Kraft und den unbedingten Willen ziehen, dich an ihren Peinigern zu rächen und das geht am besten, indem du lebst. Dein toter Kadaver wäre für Roggel doch nur eine Befriedigung, doch dein Überleben sitzt wie ein Dorn in seinem Fleisch und wird ihn mehr erzürnen, als hundert Kadaver seiner Vasallen.“

Mein Hals schmerzte, und doch brüllte ich weiter auf sie ein.

„Aber stirb du ruhig. Geh den einfachen Weg und wirf alles hin, wofür du gelebt hast. Opfere dich und mich gleich mit. Mach doch. Spring raus und nimm den Kampf gegen die Übermacht auf, wenn du nichts mehr zu verlieren hast. Warum überhaupt so umständlich? Jag dir doch gleich hier und jetzt eine Kugel durch den Kopf, oder soll ich das für dich machen? Steig doch gleich noch aufs Gaspedal, dann hab ich es auch hinter mir. Ich will nicht dein Alibi sein, deine Rechtfertigung für einen Selbstmord. Du wirst mich ebenfalls auf dem Gewissen haben. Dein Tod ist kein Ausweg und er wird auch kein Ausweg für mich sein. Lebe. Lebe für deine Familie und für mich.“

Tränen schossen ihr in die Augen und ich spürte ihren Widerstand schwinden. Trauer übermannte den gefallenen Engel und öffnete ihren Geist immer weiter. Statt Gefühle empfing ich Bilder, ein Mann, ein kleines Mädchen. Es waren Bilder einer glücklichen Zeit. Die Sonne schien heiß vom Himmel, grün breitete sich eine saftig grüne Wiese vor ihnen aus und darauf lag eine Decke. Die Decke war bedeckt mit Käse, Brot, Wein und Limonade. Bienen surrten von Blume zu Blume und ein Ball flog in Richtung des Mädchens. Ihre langen braunen Haare flogen ungezügelt herum, während sie in Richtung des Balls lief.

Eine männliche Stimme rief nach Carmen und der Ball flog zurück auf den Ursprung der Stimme. Dort stand ein großer und stämmiger Kerl mit sanften Zügen, der den Ball mit gespielter Tollpatschigkeit nur knapp erhaschen konnte und ihn übertrieben hochstupste, um ihn am Ende doch auf den Boden fallen zu lassen. Zusammen lachten und tobten sie auf der Wiese, bis sich der Himmel verdunkelte. Immer dunkler wurde es um sie herum, bis das Bild endgültig nur noch schwarz war.