Samstag, 5. Januar 2013

Kapitel 2 - Teil 7

Es ist mir unbegreiflich, warum die Kinder von ihren Eltern trotz der Umstände in einem Kindergarten abgegeben wurden, aber mir zersprang das Herz. Zum einen, weil ich nicht wissen wollte, welchen Gräueln und Ängsten diese armen Kinder ausgesetzt waren. Zum anderen, weil wir sie retten und in Sicherheit bringen konnten. Obwohl wir uns deswegen gerade nicht so sicher waren. Die, die verängstigt am Boden kauerten und nicht gehen konnten oder wollten, trugen wir nach draußen und landeten mitten im Chaos. Sie hatten bereits die Fahrzeuge erreicht und ihre Klauen bohrten sich in die Plane des Lastwagens, auf den wir die Vorräte geladen hatten. Ja, Klauen. Ich hatte schon gehört, dass sie Reißzähne entwickelt hatten, aber die Klauen waren neu.
 
Wie lange, spitze und scharfe Krallen schienen sie aus den Fingern zu wachsen. Bei einigen waren sie stärker ausgebildet, als bei anderen. Meine Güte, es waren sogar noch fast unverwandelte Exemplare darunter. Der Feldwebel persönlich lief zum jetzt leeren Transport-LKW und warf sich hinter das Steuer. Erst dachten wir, er wolle sich aus dem Staub machen, aber als er zurück setzte erkannten wir sein Vorhaben. Höchstpersönlich hab ich eins dieser Dinger runter geschossen, dass auf die Fahrerkabine gesprungen war und zum Hieb ansetzte. Es war unglaublich. Fast lautlos glitt er über die Straße und mühelos stieß er sich vom Boden ab und landete auf dem Führerhaus. Obwohl mir die Spucke wegblieb, riss ich mein Gewehr herum und jagte ihm eine Kugel in den Körper.
 
Einen markerschütternden Schrei ausstoßend fiel der Körper vom Dach des Fahrzeugs und klatschte zu Boden. Alles Magische war mit dem Treffer ausgelöscht und zu meiner Überraschung blieb er liegen, obwohl ich fest damit rechnete, dass er sich wieder erheben würde, um ein weiteres Mal zuzuschlagen. Er sah so anders aus, kürzere Haare, muskulöser. Aber er blieb liegen.
 
Endlich hatte uns der Wagen erreicht und wir hoben die Kinder hinauf, während zwei Soldaten zum Oberfeldwebel vorhetzten. Atemlos kamen sie zurück und berichteten uns, dass er einen Ausbruch wagen würde und wir sofort nach seinem Aufbruch zu den Fahrzeugen zurückkehren, aufsitzen und uns ebenfalls aus dem Staub machen sollten. Leichter gesagt, als getan, denn noch immer riss der Strom dieser Wesen nicht ab und noch schlimmer war natürlich, dass unser Versorgungslaster Gefahr lief, überrannt zu werden.
 
Als die Zivilisten verladen waren, sprangen noch vier Kameraden auf und wir gaben ihm ein Zeichen. Wie vom Teufel gejagt, raste er davon. Was ja auch irgendwie stimmte. Zwei der Dinger, die sich ihm in den Weg stellten, fuhr er einfach über den Haufen. Einer von ihnen zerplatzte regelrecht mit einem reißenden und gleichzeitig ekelhaft matschenden Geräusch. Für uns war es der Startschuss für einen Ausfall. Kaum zu früh, denn nicht nur mir ging langsam die Munition aus. Ein Magazin hatte ich noch übrig, einer der Männer meldete bereits, dass er seine Munition aufgebraucht hatte. Um unseren Rückzug zu decken, unternahm der Panzer ein riskantes Manöver, indem er wendete und frontal in die anrückende Front der Monster brach. Mitten hinein setzte er sein 40 Tonnen schweres Gerät und zermalmte ihre Körper unter seinen Ketten. Die leichte Kanone spuckte weiter Tod und Verderben und das Maschinengewehr setzte an, um eine komplette Reihe der Angreifer auszulöschen. Ein riskantes Manöver, das uns aber die nötige Zeit verschaffte. Der Nachschub riss kurz ab und die Fahrzeuge standen wieder frei.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen