Sonntag, 6. Januar 2013

Kapitel 2 - Teil 8

Diesen kurzen Moment ausnutzend jagten wir zu den Fahrzeugen und schon waren die ersten auf ihren Plätzen. Ich selbst war in der letzten Gruppe und sicherte den Rückzug. Plötzlich dachte ich, dass der Schützenpanzer verschwunden sei, bis ich unter den zuckenden Leibern ein Mündungsfeuer erkannte. Es war, als hätten sie das Fahrzeug komplett unter ihren Körpern begraben. Jemand schrie in ein Funkgerät und gab dem Fahrer von draußen Anweisungen, andernfalls wär er wahrscheinlich in ein Haus gekracht, oder hätte sich irgendwo festgefahren. Im schlimmsten Fall hätte er  uns ins Feuer genommen, aber dank der Anweisungen konnte er sich halbwegs freifahren.
 
Ich legte in dem Moment gerade mein letztes Magazin ein und nahm die, die uns am nächsten gekommen waren, aufs Korn. Einige hatten schon wieder begonnen, den Panzer links liegen zu lassen und wandten sich wieder uns zu.
 
Was dann geschah, weiß ich nicht. Ich spürte nur plötzlich etwas Heißes in meiner Schulter. Ich schrie und schlug mit der anderen Hand nach hinten. Ich glaube, ich hatte ihn in die Augen getroffen, denn der Biss ließ nach, aber noch bevor ich mich umdrehen konnte, spürte ich einen erneuten Schmerz in meinem Oberarm. Ich warf mich nach hinten, traf aber auf keinen Widerstand und stolperte. Eine blöde Idee, weil ich so meinen Kameraden die Möglichkeit nahm, dem Ding einfach das Hirn wegzublasen. Ich hatte auf der Rückfahrt viel Zeit, mir meine Fehler vor Augen zu führen, weißt du?
 
Auf jeden Fall lagen wir am Boden, ich auf ihm drauf und mit meinem Ellenbogen bearbeitete ich das Wesen. Währen dessen bohrten sich seine Klauen in meinen anderen Arm. Wieder schrie ich und sah schon mein Ende. Ich sah sogar einen Engel, stell dir das mal vor. Gut, der Engel war dann doch nur Josef, aber für mich war er in dem Moment trotzdem ein Engel. Ein Schutzengel. Aus nächster Nähe erledigte er das Mistvieh, indem er mit dem Stiefel den Schädel eintrat. Seine Munition war schon zuneige gegangen und für ihn war das der einfachste Weg. Aus der Bewegung heraus schnellte sein Kampfstiefel nach unten und traf das Ding genau am Schädel, der mit voller Wucht und einem krachenden Geräusch auf dem Asphalt aufschlug. So schnell konnte ich gar nicht schauen, wie sein Fuß ein zweites Mal herunterstürzte und den angeknacksten Schädel wie eine reife Melone zertrat. Der Griff lockerte sich und eilig zog Josef mich hoch.
 
Inzwischen waren zwei andere Kameraden von der Ladefläche gesprungen und hoben mich hoch, während ich von den anderen hochgezogen wurde. Es tat scheißweh, aber das war mir in dem Moment natürlich genauso scheißegal. Nur weg hier. Dummerweise war der Sanitäter auf dem anderen Transporter und so hatte ich eine nicht so entspannte Rückfahrt, wie du dir vorstellen kannst. Naja, ich glaub was Schmerzen angeht, muss ich dir ja nichts erzählen. Nach einigen Kilometern trafen wir wieder auf den Feldwebel und meine Wunden wurden notdürftig versorgt. Tja, und jetzt bin ich hier.“
 
“Und was ist mit dem Funk? Habt ihr andere Truppenteile erreichen können?”, hakte ich nach, als Manfred kurz durchatmete und nach einem weieren Schluck Wasser bat.
 
“Achso, ja, der Funk. Ich war selber nicht am Funkgerät, aber von Peter weiß ich, dass wir zu den vereinbarten Zeitpunkten auf den vorgegebenen Kanälen niemand erreichen konnten. Nur eine auf ziviler Frequenz gesendete Nachricht in Dauerschleife kam rein. Die Nachricht warnte davor, die nächste größere Stadt zu betreten. Tausende der PSGs würden dort ihr Unwesen treiben. Auch das Radio war tot, bis auf die vom Ministerium geschaltete Durchsage.”

“Welche Durchsage?”, wollte ich wissen.

“Ach so, ja, das kannst du ja nicht wissen. Kurz nachdem es losging, wurde über alle möglichen Frequenzen eine Nachricht ausgestrahlt, dass die Leute in den Häusern bleiben und auf Hilfe warten sollen. Das übliche halt. Hat scheinbar niemand gerettet, wenn ich an die Gemeindehalle zurück denke.”, gab der Soldat resigniert Auskunft.

“Und der Kindergarten?”, gab ich zu bedenken. “Und wenn es nur die Leben dieser Kinder waren, so hat sich die Ansage doch gelohnt.”

Kurz überlegte der Blondschopf, dann nickte er langsam zustimmend.

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