Dienstag, 22. Januar 2013

Kapitel 3 - Teil 15

Gleich hinter den Fahrzeugen lag der Außenbunker, der neben Munitionsvorräten auch noch einen kleinen Notfallbunker für die stationierte Wachmannschaft aufbot, wie mir Stefan erklärte. Ein eher trostloses Loch, das vielleicht zehn Leuten für zwei Wochen vorübergehenden Schutz bieten sollte. Kaum vorstellbar, dass sich darin ein größeres Kontingent über sechs Wochen verschanzt haben könnte.
 
Der Feldwebel war mit einigen Männern zuerst abgesessen und untersuchte das Tor, während der Rest die Sicherung übernahm. Die Panzer postierten sich auf drei Seiten, der Hauptpanzer vor uns mit Blick auf das freie Feld, die zwei anderen an den Flanken. Dahinter unser Tanklastwagen als weitere Barriere und mit der Ladefläche in Richtung des Bunkereingangs die Lastwägen. In den Lücken wurden die Geländewagen geparkt und bildeten am Ende eine moderne Wagenburg rund um die Felswand, in die der Bunker geschlagen war.
 
Die Felswand ragte noch einige Meter steil über das Tor hinaus und bot uns eine natürliche Barriere. Die Motoren liefen trotzdem weiter und im Falle eines Angriffs hätten wir uns, zum Zwecke der Vermeidung weiterer Verluste, ganz einfach gesagt so schnell wie möglich verpisst. Um Überraschungen zu vermeiden, wurde jeder Mann, der nicht benötigt wurde zur Wache eingeteilt. Selbst die Hilfskräfte waren zwischen und auf den Fahrzeugen postiert, um Ausschau zu halten.
 
Von Stefan wurde ich auf das Führerhaus unseres Tanklasters beordert und aller Vorsicht zum Trotz beobachtete ich die Vorgänge rund um das Tor mit einem Auge weiter. Meine Neugier war größer als meine Furcht und so sah ich den Feldwebel, wie er eifrig nach einer Möglichkeit suchte das Tor zu öffnen. Die dafür nötige Automatik war wohl in dem zerstörten Wachhaus untergebracht gewesen, wie ich dem gleichzeitig stattfindenden Gespräch zweier Soldaten entnehmen konnte. Schließlich fand er doch, nach dem er gesucht hatte. Über einen Kasten konnte eine Kurbel ausgefahren werden, über die man das massive Tor manuell öffnen konnte.
 
Die Begleiter des Feldwebels gingen in Stellung sicherten das Tor und quietschend öffneten sich die schweren Stahltüren.
 
Staub wirbelte auf und glänzte leicht in der hoch stehenden Herbstsonne. Hinter dem Tor lag ein dunkler Gang, der von meiner Warte aus unendlich ins Innere zu führen schien. Zwei Pioniere brachten Lampen, mit denen der Gang ausgeleuchtet wurde und auch die Lichtstrahlen schienen sich in der Unendlichkeit des Flurs zu verlieren. Nur die Wände in unmittelbarer Nähe wurden erhellt und es war, als würde der Gang alles absorbieren. Geräusche, Licht und Menschen. War es wirklich eine gute Idee, den Tunnel zu betreten? In mir schrillten bei dem Gedanken alle Alarmglocken und selbst mit vorgehaltener Waffe hätte mich jetzt niemand dazu gebracht, den Bunker zu betreten.
 
Das sahen der Oberfeld und seine Begleiter freilich anders und verschwanden alsbald in dem dunklen Loch. Nach wenigen Metern hatte sie das Dunkel verschluckt und nur die an den Wänden tanzenden Lichtstrahlen der Lampen verrieten ihre Anwesenheit. Plötzlich waren auch diese verschwunden und Dunkelheit kehrte in den Gang zurück. Mit steckte ein Kloß im Hals. Nur ein einzelner Soldat war am Eingang zurück geblieben. Sein Gesicht verriet Teilnahmslosigkeit und er teilte wohl kaum meine Sorgen. Dafür war er viel zu entspannt auf seinem Platz.

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