Mittwoch, 23. Januar 2013

Kapitel 3 - Teil 16

Es vergingen Minuten und sie fühlten sich an wie Stunden. Niemand sprach ein Wort und mit nachlassender Anspannung bemerkte ich die Schmerzen. Krampfhaft hatten sich meine Finger um die Waffe geschlungen und pressten das Schulterstück so fest an mich, dass meine Schulter schmerzhaft zu stechen begann. Vom Schmerz aufgeschreckt lockerte ich den Griff und den Druck wieder, was mit neuen Schmerzen quittiert wurde, als das Blut in die Gefäße zurück strömte. Schließlich setzte ich die Waffe ganz ab, setzte mich auf das Dach und warf wieder einen Blick auf den Bunker. Das Leben war in das schwarze Loch zurückgekehrt. Mattes Licht erleuchtete den Gang, verteilte sich  auf den Wänden und nahm schnell an Intensität zu.
 
Als erster trat der Oberfeld nach draußen. Begierig sog er die frische Luft auf und trat schließlich zur Seite. Hinter ihm trat etwas Neues ins Licht, das nur noch entfernt Ähnlichkeit mit einem Menschen hatte. Fast hätte ich meine Waffe herumgerissen, bis ich erkannte, dass sich hinter dem haarigen Gesicht kein Monster, sondern nur ein ausgemergelter und ungepflegter junger Mann verbarg. Eine über das Tarnmuster hinausgehende fleckige und zerschlissene Uniform wies ihn als Angehörigen der Streitkräfte aus. Kraftlos zog er ein Gewehr mit sich und schirmte sich mit der anderen Hand die Augen ab. Müde sah er aus, wie er so aus dem Dunkel in die Nachmittagssonne trat.
 
Dem ersten folgten noch weitere, bis sich schließlich insgesamt 19 Überlebende vor dem Tor versammelt hatten. Niemand von uns wagte seinen Posten zu verlassen, um ihnen zur Hilfe zu kommen und niemand verlangte es. Leise sprach Lehmann mit einem seiner Begleiter, der daraufhin auf einem der Lastwagen verschwand. 
 
“Das zivile Unterstützungspersonal antreten”, hallte überraschend die energische Stimme des Feldwebels über den Platz. “Die Mannschaften behalten ihre Positionen bei. Meldung bei Vorkommnissen.”
 
Wie befohlen wandte ich mich ab, kletterte von dem Führerhaus herab und schloss mich den anderen fünf an. Die anderen waren bei dem ersten Angriff getötet oder verwundet worden, so dass sie uns nicht helfen konnten.
 
“Als erstes werden Sie unsere Kameraden hier versorgen. Wasser und Nahrung von unseren Rationen können ausgegeben werden. Danach werden Sie die Materialien aus dem Bunker aufnehmen. Während Sie Vorräte verteilen, werden Stabsunteroffizier Hauser und ich die gelagerten Materialen in Augenschein nehmen und eine Vorauswahl treffen. Wegtreten.”

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