Donnerstag, 24. Januar 2013

Kapitel 3 - Teil 17

Fast wortlos befolgten wir den Befehl und gingen zur Tat. Zu dritt hoben wir die schweren Verpflegungsbehälter von der Ladefläche. Die Küche hatte es gut gemeint und uns Gulaschsuppe aus Dosenbeständen und Eintopf, ebenfalls aus Dosenbeständen, eingefüllt. Auch wenn das trostlos klingt, war es besser als 90 Prozent der Rationen, die im Bunker ausgegeben wurden und stets aus den gleichen Notrationen bestanden, die wir im Überfluss dort lagerten. Wie gesagt war das Essen auch für unsere Verhältnisse ein Höhepunkt, wie musste das erst auf diese ausgezehrten Gestalten gewirkt haben, die aussahen, als hätten sie ihre letzten Rationen bereits vor Wochen aufgebraucht. Ein beißender Gestank ging von ihnen aus und zeugte davon, dass der Aufenthalt in dem Bunker für sie am Ende dann doch mehr Gefängnis als Rettung war. Während der Essensausgabe wurde kein Wort gesprochen und beinahe apathisch die Mahlzeit zu sich genommen.
 
Vor allem der ungesüßte Tee wurde gierig aufgenommen und am Ende mehr konsumiert, als die Essensvorräte. Nachdem alle versorgt waren, brachten wir der Wachmannschaft ihre Rationen, aßen selbst noch eine Kleinigkeit und gingen so frisch gestärkt in die Anlage, um das aufzuladen, was von Lehmann und Stefan als wichtig genug erachtet worden war.
 
Hatte ich zuvor noch panische Angst vor dem Loch, war ich spätestens nach dem Auftauchen der Soldaten davon überzeugt, dass es sich dabei um keine lebensfeindliche Umgebung handelte. Sie sahen zwar nicht gut aus, waren aber am Leben. Das war für mich Beweis genug, dass es mich nicht umbringen würde. Trotzdem waren meine ersten Schritte zaghaft. Die von den Pionieren installierte Beleuchtung hatte die Dunkelheit vertrieben und sorgte immerhin für eine ausgewogene Beleuchtung. Das vertrieb dann auch noch die letzten Zweifel und doch sträubte sich etwas in mir, als sich statt dem Himmel die Decke über mir ausbreitete.
 
So endlos, wie er von meiner Warte auf dem Führerhaus gewirkt hatte, war der Gang gar nicht. Schon nach wenigen Metern teilte er sich auf und endete jeweils nach weiteren vier oder fünf Metern an einer weiteren Stahltür.
 
Beide Tore standen weit offen und gaben den Blick frei auf einen Schutzraum, der den Männern als notdürftige Unterkunft diente und den Lagerraum, wegen dem wir eigentlich hier waren. Im militärischen grün gehaltene Kisten standen aufeinander und warteten auf ihren Abtransport. Obwohl der Flur groß genug gewesen wäre, die Vorräte mit einem kleinen Gabelstapler heraus zu transportieren, waren wir mangels besseren technischen Geräts auf den herumstehenden Hubwagen angewiesen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen