Montag, 28. Januar 2013

Kapitel 3 - Teil 21

Als der Befehl zum Rückzug kam, war schon alles am Arsch und an so etwas wie einen Gegenangriff nicht mehr zu denken. Wer nicht schon auf der Flucht war, trat einen halbwegs geordneten Rückzug an. Aber euch wird es da kaum besser ergangen sein, nehme ich an.“
 
Mit einem stummen Nicken quittierte Stefan die Aussage Urbans.
 
„Wir zogen uns also zur Kaserne zurück, um uns dort zu sammeln und mitgeführte Zivilisten in einer Bunkeranlage zu evakuieren. Ungefähr 60 von uns kamen auf rund 100 Zivilisten, weit mehr als die Hälfte davon Frauen und kleine Kinder. Der Rest war tot, mutiert, oder desertiert. Wir waren kaum in der Kaserne eingetroffen, als uns die ersten Wellen trafen. Ich rede absichtlich von Wellen, weil sie wie solche über uns hereinbrachen. Es waren Hunderte, ach was Tausende. Immer wieder griffen sie an und immer häufiger gelang es ihnen, mehrere von uns in den Tod zu reißen. Bald war das Tor nicht mehr zu halten und wir zogen uns in ein Gebäude zurück. Dorthin, wohin auch die Zivilisten gebracht wurden. Nur der Panzer blieb draußen. ”
 
Gierig sog er an der Wasserflasche und leerte sie zur Hälfte, bevor er fortfuhr.
 
“Wir verbarrikadierten uns im Erdgeschoss, installierten Maschinengewehre in den Fenstern und brachten die Zivilisten nach oben. Draußen feuerte der Panzer weiter auf die Eindringlinge und einige dachten schon, dass wir hier lang genug aushalten könnten, bis Verstärkung eintreffen würde. Wir konnten ja nicht wissen, dass es keine Verstärkung geben würde. Wir dachten, unsere Verteidigung würde einer Naturgewalt wie diesen Dingern locker stand halten können. Auch dann, als der Panzer einen Funkspruch schickte, dass er sie nicht länger aufhalten konnte, und dass sie bald in großen Mengen eintreffen würden, waren wir noch guter Dinge.
 
Die Welle krachte gegen das Gebäude und wir feuerten. Aus den Fenstern ragten unsere Maschinengewehre und fällten die Angreifer wie Bäume. Todesmutig liefen sie weiter gegen das Feuer an und scheiterten doch bei jedem weiteren Versuch. Insgesamt sechs Maschinengewehre feuerten um die Wette und die Angreifer hatten keine Chance. Auch als wir die Schreie aus dem ersten Stock hörten, dachten wir noch an nichts Schlimmes. Erst als die Schreie verstummten, dämmerte einigen von uns, dass etwas nicht stimmen konnte. Nicht der Lärm ist unser Feind, sondern die Stille.
 
45 Männer konnten noch kämpfen, der Rest war bereits tot, oder so stark verwundet, dass er keine Waffe mehr abfeuern konnte. Zehn von uns gingen nach oben, angeführt von Oberstleutnant Schreiber. Dann krachten oben die Schüsse. Wir erschraken und nicht wenigen stand das Grauen ins Gesicht geschrieben. Hätte Oberleutnant Meier uns nicht angetrieben, weiter auf die Angreifer zu feuern, wären wir wohl überrannt worden. So feuerten wir weiter und Meier nahm sich weitere fünf Männer, um nach dem Rechten zu schauen. Als er mich aufrief, machte mein Herz nicht gerade Freudensprünge, wie ihr euch vorstellen könnt. Scheiße, ich hatte eine Heidenangst. Wenn dort oben geschossen wurde, konnte das schließlich nur eins bedeuten - sie waren ins Haus gelangt.

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