Mittwoch, 30. Januar 2013

Kapitel 3 - Teil 23

Ich weiß nicht, ob er sich noch beschweren wollte, aber er kam gar nicht dazu. Eine Hand, die irgendwann mal menschlich gewesen sein könnte, schloss sich um seinen Hals und zog ihn in den Flur. Es war wie in einem Horrorfilm. In dem einen Moment schnappt man noch seinen Blick auf und sein Mund öffnet sich um etwas zu sagen, und im nächsten Moment kommt die Hand aus dem Nichts und zerrt ihn davon. Von den zwei mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten wählte ich die bescheuertste und stürmte ihm nach in den Gang hinein.
 
Dort lagen ganze Leichenberge. Zivilisten, Kameraden und unzählige dieser PSGs. Die Opfer waren förmlich ausgeweidet worden, auch mit den Kleinsten hatten diese Wesen kein Mitleid. Einem Baby fehlte die linke Gesichtshälfte. Einem scheiß Baby. Mein Gott, ich persönlich hab die Mutter mit dem Säugling in den Lastwagen gesetzt und ihnen versprochen, dass alles gut werden würde. Ich sehe noch ihr ängstliches Gesicht und ihren hoffenden Blick. Dann sah ich ihr Gesicht erneut und alle Hoffnung war aus dem Gesicht gewichen und hatte dem Schrecken Platz gemacht.
 
Sie hatten der Mutter die Augen und die Zunge rausgerissen. Ich weiß nicht, ob sie dabei noch am Leben war, der Blutmenge nach zu urteilen schon, aber für mich wandelte sich in dem Moment die Angst in Wut und ich sammelte neue Entschlossenheit. Alle diese Eindrücke prasselten in Sekundenbruchteilen auf mich ein. Die Stimme des Offiziers nahm ich wie durch Watte wahr und sprang einfach in den Gang. Mutig, aber dumm. Das Blut nahm mir jeden Halt und ich legte mich der Länge nach hin. Ich fiel auf den Leichenberg und landete mit einer Hand in den Innereien eines jungen Mädchens. Hatte ich eigentlich schon den Gestank erwähnt? Bis zu dem Tag wusste ich nicht, wie stark menschliche Innereien stinken können. Ein beißender Gestank, der in den Nasenhöhlen brannte und meine Augen tränen ließ.
 
Angewidert zog ich augenblicklich die Hand zurück und rollte mich ab. Keine Sekunde zu früh, denn schon stürmte der erste auf mich zu. Er sah anders aus, wie die anderen. Hatten die anderen bis zu dem Tag noch überwiegend menschliche Züge, zeigten diese hier animalischere Züge. Die Fingernägel waren länger und sahen aus, wie mit den Fingern verwachsene Krallen. Meine erste Salve traf den ersten direkt in den Brustkorb. Er lief weiter, als ob nichts geschehen wäre. Eine Salve aus einem G36 Sturmgewehr und der Bastard läuft weiter. Eine weitere Salve traf ihn dagegen in den Kopf und brachte ihn zu Fall.
 
Förmlich zu explodieren schien das Scheiß Ding. Noch während ich mich fragte, wer die Salve abgefeuert hatte, hörte ich die Stimme des Oberleutnants, die mich ermunterte, meinen faulen Arsch zu bewegen. Eine zweite Salve, oder einen weiteren klugen Rat konnte der arme Meier leider nicht mehr abgeben. Noch während ich mich dankend zu ihm umdrehte stand er da und sein eben noch konzentrierter Gesichtsausdruck verwandelte sich in eine verzerrte Grimasse.

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