Donnerstag, 31. Januar 2013

Kapitel 3 - Teil 24

Seine Augen waren weit aufgerissen und der Blick ging ins Leere. Seinem Mund entwich ein lauter und kurzer Schrei. So schnell er geschrien hatte, verstummte er auch wieder und sein ganzer Körper verfiel in Zuckungen. Ich wusste echt nicht, was mit dem armen Kerl gerade geschah. Ratlos sah ich in seine Richtung und vergaß für den Moment alles um uns herum.
 
Plötzlich breitete sich ein dunkler Fleck auf seiner Uniformjacke aus, wölbte sich und hindurch brach eine Hand, die sich um sein Herz schloss. Mit einem breiigen Ton zerquetschte die Klaue das empfindliche Organ und zog die Hand schnell zurück. In Folge dessen sank der Körper des Offiziers kraftlos zu Boden und gesellte sich zu den anderen um uns herum liegenden  Leichen. Dahinter kam jetzt der Körper von einem dieser Dinger zum Vorschein. Irgendwie hatte er sich hinter den Leutnant geschlichen und mit ihm kurzen Prozess gemacht, während der damit beschäftigt war, mein beschissenes Leben zu retten. Triumphierend stand er da. Sein Gesichtsausdruck schien mich zu verhöhnen, während er sich das Herz in den Mund schob und genussvoll darauf herum kaute.
 
Wie Kaugummi zog sich die Zeit und wir sahen uns in die Augen. Dort dieses Monster, dass vor wenigen Wochen vielleicht noch ein Teenager war. Reste einer Tarnhose amerikanischen Musters hingen an seinen Füßen, seine Haare klebten blutverschmiert am Körper und Teile eines Shirts mit unleserlichem Schriftzug zierte seinen unmenschlich muskulösen Oberkörper. Von einer Sekunde auf die andere lief die Zeit wieder normal und ich riss mein Gewehr hoch. Die erste Salve ging nur in seinen Oberkörper. Überrascht bäumte sich das Wesen auf, aber schon feuerte ich die zweite Salve und sein Kopf zerplatzte in einer Fontäne aus Blut und Gehirnmasse.
 
Erschöpft blieb ich liegen, von oben bis unten voller Blut und irgendwas hatte sich in meinen Schuhen verfangen. Doch als ich hinter mir ein Geräusch wahr nahm, war ich sofort wieder konzentriert und wirbelte herum. Dass ich dabei auf den Resten von Menschen lag, ignorierte ein großzügiger Teil meines Gehirns. Feuerbereit wies mein Gewehr in die andere Richtung und in das Gesicht eines Kameraden. Markus sah kaum besser auch als ich und sein Arm war helfend in meine Richtung ausgestreckt. Wir hatten sie zurückgeschlagen. Niemand hatte sie gezählt, keiner wusste, wie viel von den Dingern nötig waren, um innerhalb von Minuten um die 100 Menschen zu massakrieren und verdammt, wir wollten es gar nicht rausfinden. Bei der Aktion hatten wir allein 12 Männer und zwei Offiziere verloren. Also fassten wir einen Entschluss.”
 
Wieder wanderte die Flasche an seinen Mund und dieses Mal leerte er sie in einem Zug. Fast schon automatisch bewegte sich meine Hand nach hinten, zog die vorletzte Flasche aus der Verpackung und reichte sie ihm geöffnet.

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