Donnerstag, 10. Januar 2013

Kapitel 3 - Teil 3

Der Unteroffizier war ein witziger Typ, der mir augenblicklich das “Du” anbot, noch bevor wir den Bunker verlassen hatten. Erwartungsvoll stand ich vor dem Tor und umklammerte nervös meine Maschinenpistole, während schwere Dieselmotoren aufheulten und quietschend das Tor aufgezogen wurde. Mit dem öffnenden Tor strömte frische Luft in den Vorraum und kleine Nebelwolken wirbelten herum.
 
Nur gedämpft konnten die Sonnenstrahlen sich durch den morgendlichen Dunst kämpfen, genug aber, um mich fies zu blenden. Wochenlang künstliches Licht forderte eben seinen Tribut, war aber sofort vergessen. Stattdessen stand ich nur fassungslos da und starrte hinaus in die so friedlich erscheinende Natur. Nichts deutete auf das hin, was da draußen vorgefallen war. Waren wir nicht eigentlich Idioten, die letzten Wochen in der klammen Behausung verbracht zu haben? Was sollte uns hier in dieser wunderschönen Welt schon zustoßen? Hier gab es doch keine Bedrohung. Das einzige was wir zu fürchten haben, sind doch wir selbst. Die Gedanken schienen mich förmlich zu übermannen und erst ein Schlag gegen meine Schulter beendete sie so plötzlich, wie sie da waren. Wie aus einem Traum gerissen starrte ich in Stefans Gesicht.
 
“Na komm schon. Ich weiß, der Anblick muss auf dich gigantisch wirken, aber wir haben noch was zu erledigen. Ich hoffe, die Kiste springt an, wenn nicht, musst du mit Ludwig ein Überbrückungskabel legen. Ok?”
 
Noch immer verzaubert nickte ich nur und setzte mich in Bewegung. Ich wollte jeden Schritt genießen und jeden Atemzug zelebrieren. Als mich Ludwig einfach mit sich zog, gab ich das Vorhaben freilich auf und rannte mit ihm zum Führerhaus. Die Türen waren unverschlossen und schon war Stefan ins Innere geschlüpft und den Schlüssel ins Zündschloss gesteckt. Hustend erwachte der Dieselmotor zu Leben und spuckte schwarzen Russ aus, was von allen erleichtert zur Kenntnis genommen wurde.
 
Mit laufendem Motor standen wir da und warteten darauf, uns in den Konvoi einzureihen. Der Schützenpanzer führte an, gefolgt von drei Geländefahrzeugen, einem Kleinbus, vier Transportern, uns und als Schlusslicht zwei weitere Geländefahrzeuge. Nachdem die Transporter an uns vorüber gezogen waren, legte Ludwig den ersten Gang ein und mit einem Ruck setzten wir uns in Bewegung. Kalte Luft strömte aus der Belüftungsanlage und arbeitete gegen die beschlagenden Scheiben an. Der holprige Waldweg setzte dem Fahrzeug merklich zu und strapazierte sowohl Federung als auch Sitzfleisch.
 
Immerhin blieb die Umgebung so friedlich, wie sie sich anfangs präsentiert hatte und auch als wir endlich den Wald verließen, stellten sich uns keine Monster in den Weg. Umso mehr festigte sich in mir der Gedanke, dass wir umsonst mehrere Meter und der Erde hausten und uns vor einem Feind versteckten, den es möglicherweise schon lange nicht mehr gab. Vielleicht waren sie weitergezogen, oder am Mangel an Nahrungsmangel eingegangen. Was wussten wir schon über sie, außer dass sie Degenerierte waren?

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